Einfach wird es für die BEA-Veranstalter nicht

Eine Krise schüttelt das Messegeschäft durch. Noch hält sich die BEA wacker. Doch der Messeplatz Bern braucht Neuerungen wie die neue Eventhalle.

Eine neue Eventhalle wäre wichtig für den Messeplatz Bern.

Eine neue Eventhalle wäre wichtig für den Messeplatz Bern.

Mischa Stünzi

Am Sonntag schliesst die Muster­messe Basel ihre Pforten. Für immer. Ausgerechnet die Muba streicht die Segel, die Mutter aller Messen, die in Spitzenzeiten jährlich über eine Million Besucher anlockte – mehr als doppelt so viele wie ihr Berner Pendant, die BEA, in seinen besten Jahren. Die Muba ist nicht die einzige Messe, die zuletzt tief in die Krise rutschte. Der Schweizer Messeveranstalter MCH hat letztes Jahr auch der Zürcher Züspa und dem Lausanner Comptoir den Stecker gezogen.

Und die BEA? Auch sie musste schrumpfen: Der Besucherrekord aus dem Jahr 1990 liegt bei 406'000; zuletzt kamen jährlich um die 300'000 Personen an die BEA. Aber immerhin hat sich die Besucherzahl in den letzten Jahren eingependelt. Die BEA ist damit hinter der Olma die zweitgrösste Publikumsmesse der Schweiz. Gründe dafür, dass sie sich wacker hält, gibt es mehrere. Sie profitiert unter anderem vom grossen ländlichen Einzugsgebiet. Seeland, Emmental und Voralpen liegen quasi vor der Messepforte. Zudem ist die BEA verkehrstechnisch optimal erschlossen. Nicht nur das Tram hält direkt vor dem Haupteingang. Auch die S-Bahn-Station Wankdorf und der Autobahnanschluss liegen gleich um die Ecke.

Ein cleverer Schachzug, die Besucherzahlen der BEA künftig halten zu können, ist die Integration der Spielzeugmesse Suisse Toy. Hinter beiden Messen steht das Unternehmen Bern­expo. Von Suisse Toy darf sich die BEA einiges versprechen, auch wenn die Spielzeugmesse zuletzt nicht gerade vom Erfolg gekrönt war. Denn damit zielen die Veranstalter auf eines der wichtigsten Kundensegmente ab: die Familien. Für Eltern und ihre Kinder wird die Publikumsmesse mit dem neuen Angebot künftig mehr bieten als den heutigen «Streichelzoo».

Kaum jemand kommt noch auf die Allmend, nur um die neusten Whirlpools undGartenlauben zu sehen.

Reichen diese guten Voraussetzungen, um die BEA über die Runden zu bringen? Kaum. Das wissen auch die Verantwortlichen bei Bernexpo. Sie sind Jahr für Jahr gefordert, Neues zu bieten. Kaum jemand kommt noch auf die Allmend, nur um die neusten Whirlpools und Gartenlauben zu sehen. Das geht im Internet viel schneller und einfacher. Und der Messerabatt wurde durch die Schnäppchenjagd im virtuellen Raum abgelöst. Die Kunden von heute wollen unterhalten werden, etwas erleben, Emotionen. Diesen Erwartungen muss der Veranstalter gerecht werden.

Bernexpo will ihre Kräfte in Zukunft noch stärker auf die Entwicklung neuer Formate und neuer Inhalte fokussieren. Dass sie nebenbei am Guisanplatz auch noch Immobilien besitzt, die sie vermieten sollte, ist da nur ein Klotz am Bein. Deshalb sucht Bernexpo jemanden, der ihr das Immobiliengeschäft abnimmt. Diese Woche wurde bekannt, dass ihr das Immobilienunternehmen HRS bei diesem Unterfangen helfen soll. Die Trennung von operativem Geschäft und Liegenschaftsverwaltung ist in der Wirtschaft keine Seltenheit; so manches Unternehmen hat seine Immobilien verkauft und ist dort nur eingemietet. Das kann aus strategischer, steuerlicher und rechtlicher Sicht durchaus sinnvoll sein.

Einen wichtigen Schritt vorwärts wird Bernexpo mit dem Bau der neuen Eventhalle machen. Sie ermöglicht es ihr nicht nur, zusätzliche Veranstaltungen wie kleinere Fachmessen und grössere Konzerte nach Bern zu holen, sondern gibt ihr mit dem integrierten Kongresszentrum zusätzliche Flexibilität. Kongresse führen heute in der Regel sogenannte Breakout Sessions durch, bei denen kleine Teilnehmergruppen ein Thema vertiefen. Dafür braucht es eine entsprechende Infrastruktur, die nun gebaut werden soll.

Der Standort der neuen Halle ist optimal. Veranstalter profitieren dort nicht nur von der erwähnten guten Verkehrsanbindung, sondern es stehen auch die nötigen Hotelkapazitäten zur Verfügung. Auf der anderen Seite des Guisanplatzes betreibt Accor mehrere Hotels, das Hotel Allegro im Kursaal ist nur wenige Tramhaltestellen entfernt, und die geplanten neuen Häuser in der Wankdorf-City und im Bären-Tower in Ostermundigen werden in Gehdistanz liegen. Damit sind wichtige Voraussetzungen erfüllt, dass die Halle nicht nur für Bernexpo, sondern auch für Hotels, Restaurants und weitere kommerzielle Angebote in der Stadt ein Erfolg sein wird. Weil viele davon profitieren können, ohne den Bau mitfinanzieren zu müssen, ist es durchaus gerechtfertigt, dass Stadt und Kanton die Halle mit öffentlichem Geld fördern.

Alles eitel Sonnenschein also? Nicht ganz. Die Pläne für die neue Halle haben zu Misstönen unter den Mitbewerbern auf dem Kongress- und Messeplatz Bern geführt. Dabei gilt gerade im Kongressgeschäft: Kein Anbieter kann auf sich allein gestellt grössere Veranstaltungen stemmen. Der wirtschaftliche Erfolg winkt nur, wenn Veranstalter, Hotellerie und Gastronomie eng zusammenarbeiten. Und auch die Volksabstimmung über den städtischen Zustupf für das Grossprojekt wird ohne Misstöne einfacher zu gewinnen sein.

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