Der Föderalismus wird in den Programmen der SRG gelebt

Die SRG bleibt ihren Kernaufgaben treu: die Vielfalt der Schweiz abzubilden und ihren Zusammenhalt zu stärken.

Das SRG-Gebäude in der Berner Giacomettistrasse.

Das SRG-Gebäude in der Berner Giacomettistrasse. Bild: Enrique Muñoz García

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Für die SRG ist Föderalismus einer der Grundpfeiler der Schweiz. In einem kürzlich veröffentlichten gemeinsamen Kommentar der Berner und Genfer Regierungsräte Christoph Neuhaus und Antonio Hodgers wird der SRG allerdings vorgeworfen, die Vielfalt unseres Landes nicht mehr zu respektieren. Die beiden ziehen eine Parallele zum Circus Knie, und sie kritisieren die Bündelung von Produktionsstandorten durch die SRG zugunsten des Service public.

Diesen Befürchtungen liegt ein Missverständnis zugrunde: Der Föderalismus ist primär eine Frage von Programminhalten, der Haltung und der Machart. Für die SRG geht es bei der Achtung der Vielfalt nicht nur um Büroräumlichkeiten im Lande. Föderalismus bedeutet vor allem auch, in vier Sprachen zu arbeiten und im ganzen Land präsent zu sein: Der Föderalismus kommt wesentlich mehr in den Programmen zum Ausdruck, die allen Menschen in unserem Land angeboten werden, als in Produktionsstandorten. In diesem Sinne ist das herbeigezogene Bild eines Zirkus besonders aufschlussreich: Während der Kontakt zu den Künstlern direkt und physisch ist, können Radio- und Fernsehprogramme nur über ein Medium konsumiert werden. Das steht einer engen Zusammenarbeit aber nicht im Wege: Viktor Giacobbo und Mike Müller sowie die beiden Vincents der Westschweizer Sendungen «26 minutes» und «120 minutes», die sowohl im Radio wie im Fernsehen zu finden sind, nehmen nächstes Jahr an der Knie-Zirkustour teil.

Zudem wird die SRG weiterhin in Genf, Lausanne, Bern, Zürich, Basel, Chur und Lugano sowie in vielen weiteren Kantonen ansässig sein. Jedoch steht die SRG, wie auch beide Politiker anerkennen, vor grossen Herausforderungen. Der digitale Wandel, der internationale Wettbewerb, sinkende Werbeeinnahmen und tiefere Gebühren zwingen die SRG zur Reform. Angesichts seines rückläufigen Budgets hat das Unternehmen entschieden, bei den Fixkosten anzusetzen – und das Programm und die Arbeitsplätze möglichst zu schonen. Dabei stellt sich die Frage, ob die SRG angesichts dieser neuen Rahmenbedingungen aufgefordert werden kann, ihre Kosten bei steigenden Anforderungen an ihre Leistungen zu senken, während sie gleichzeitig daran gehindert wird, ihre Immobilien und ihre Infrastruktur so effektiv wie möglich zu organisieren.

Die SRG übernimmt in einem schwierigen Umfeld Verantwortung. Sie wird mehr Journalisten regional vor Ort einsetzen. Dabei wird in Bern das Kompetenzzentrum für politische Berichterstattung sowie auch Swiss­info für die «fünfte Schweiz» weiter gestärkt. Weiter wird SRF die Inland-Redaktion mit mehr Journalisten in der Hauptstadt verstärken. Auch wird die Einrichtung eines mehrsprachigen Redaktionsteams ermöglichen, dass man sich mit übergeordneten Themen wie Integration und Kohäsion befassen kann. Schliesslich wird die SRG aus Bern ihre neue digitale Plattform entwickeln, welche ihre Inhalte in allen Landessprachen anbieten wird. Auch in Genf wird eine starke Präsenz beibehalten – und die SRG prüft weitere Investitionen im digitalen Bereich und im Bereich der internationalen Berichterstattung. Mit diesen Reformen können mehrere Hundert SRG-Arbeitsplätze in Bern und Genf erhalten werden.

Die Welt verändert sich. Auch der Circus Knie hat keine Elefanten mehr. Überall verschmelzen die beruflichen Profile von Radio und Fernsehen, insbesondere im Bereich der Information. Diese Konvergenz zu verhindern, wäre etwa so illusorisch, wie das Internet verbieten zu wollen. Die alten Radio- und Fernsehstandorte aus den Sechzigerjahren heute im Gesetz fixieren zu wollen, wäre, wie wenn man Filmemachern Drehorte vorschreiben würde. Nur wer den Serivce public schwächen möchte, würde die SRG auf diese Weise zum Stillstand verurteilen.

Die SRG bleibt auch weiterhin ihren Kernaufgaben treu: im Dienste der Schweiz zu stehen, ihre Vielfalt abzubilden, aber auch ihren Zusammenhalt zu stärken. Die SRG wird nächstes Jahr das 100-jährige Bestehen des Circus Knie feiern. Mit einer Hommage an die Gründerfamilie, mit Beiträgen aus ihren Archiven, mit Regionalberichten, mit einem Spiel- sowie einem Dokumentarfilm wird sie versuchen, die Schweizerinnen und Schweizer mit einer gemeinsamen Geschichte zu verbinden. Wir sehen uns im November auf allen Kanälen der SRG! (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.11.2018, 06:16 Uhr

Gilles Marchand ist Generaldirektor
der SRG. (Bild: Urs Jaudas)

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