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Das Problem war chronisch

Geldgeber, die einem Festival Beiträge streichen, es aber nicht fallen lassen: Was beim Berner Kurzfilmfestival Shnit gerade passiert, ist ungewöhnlich.

Sogar die Besucherinnen und Besucher bekamen die organisatorischen Mängel des Festivals zu spüren.
Sogar die Besucherinnen und Besucher bekamen die organisatorischen Mängel des Festivals zu spüren.
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Wenn die öffentliche Hand einem Kulturhaus oder einem Festival die Fördergelder entzieht, geschieht das normalerweise aus zwei Gründen: Entweder es muss gespart werden – oder die Förderung setzt neue inhaltliche Schwerpunkte. Dass ein Geldgeber die Beiträge für ein Festival, das er seit Jahren unterstützt, aufgrund organisatorischer Mängel aussetzt, ist ziemlich ungewöhnlich.

Genau das ist gerade beim Kurzfilmfestival Shnit passiert. Kurz vor der letzten Ausgabe verweigerten Stadt, Kanton und Burgergemeinde Bern die Gelder – damit klaffte vor der vergangenen Ausgabe ein Loch von 190'000 Franken in der Festivalkasse. Das Gesuch von Shnit sei mangelhaft gewesen, sagte die städtische Kulturchefin Franziska Burkhardt am Dienstag dem «Bund» (lesen Sie hier, wie die Organisatoren trotz dem Wegfall der 190'000 Franken das Festival durchführen konnten).

Die Berner Geldgeber reagierten damit auf einen Missstand, der nicht neu war, sondern sich über die Jahre chronifiziert hatte. Shnit hat den Sprung von der Liebhaberveranstaltung zum professionell organisierten Festival nie ganz geschafft. Die Probleme in der Organisation bekamen nicht nur Mitarbeiterinnen und ehrenamtliche Helfer, sondern sogar die Besucherinnen und Besucher zu spüren: Einmal war die Qualität der Projektionen ungenügend, ein andermal gab es Probleme beim Ticketing, oder dann stand eine Schulklasse vor verschlossenen Türen, weil niemand da war, um die Filme abzuspielen.

Kritik wurde vom langjährigen Leiter Olivier van der Hoeven stets mit dem Hinweis zurückgewiesen, dass Shnit im Vergleich zu anderen Festivals unterfinanziert sei. Das ist nicht falsch: Die Kurzfilmtage Winterthur, ein Festival ähnlicher Grösse, erhalten allein vom Kanton Zürich 200'000 Franken jährlich, dazu kommen substanzielle Beiträge vom Bundesamt für Kultur, von der Stadt Winterthur und anderen. Dennoch lässt sich nicht alles, was schiefläuft, auf die fehlenden Mittel zurückführen.

Haben die Berner Geldgeber im Falle von Shnit also allzu lange zugesehen? Vielleicht. Dass man sich bisher gescheut hat, solch drastische Massnahmen zu ergreifen, bedeutet indes auch, dass man den Anlass unbedingt erhalten wollte – schliesslich hat Bern kein anderes Filmfestival dieser Grösse. Das Engagement der öffentlichen Hand erschien trotzdem nie ganz vollherzig: Es ist bemerkenswert, dass Shnit nie eine feste Subvention bekam, also einen Vertrag über vier Jahre, der Planungssicherheit bedeutet hätte.

Nun haben sich die Geldgeber mit dem Shnit-Stiftungsrat an einen Tisch gesetzt und auf eine Lösung hingearbeitet. Dabei zeichnet sich eine neue Leitungsstruktur ab – doch ein Gesicht dürfte dasselbe bleiben: Olivier van der Hoeven kann sich vorstellen, die Geschäftsführung abzugeben und künftig nur noch den künstlerischen Bereich zu verantworten. Aber wird er es wirklich schaffen, sein Lebenswerk – immerhin ist er seit den Anfängen 2003 dabei – organisatorisch in neue Hände zu geben? Womöglich brauchte es einen kompletten Neustart. Und ein stabileres finanzielles Gerüst. Strukturen lassen sich kaum nachhaltig professionalisieren, wenn die Finanzierung nicht über längere Zeit gesichert ist. Die Herausforderung für die neuen Macher ist jedenfalls immens.

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