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Angaben zur Person: Gianna Grünig«Meine Süchte? Tanz, Bach und Honig»

In der Performance «Triune Heart» bringt Gianna Grünig drei Tänzerinnen verschiedener Generationen auf die Bühne. Im Fragebogen erzählt die Berner Kosmopolitin, wie ihr Outdoor-Traumstudio aussieht und weshalb sie bei einem Auftritt sehr erschrak.

 «Ich mag das Schwere, weil daraus etwas Leichtes wachsen kann», sagt die Berner Choreografin und Tänzerin Gianna Grünig.
«Ich mag das Schwere, weil daraus etwas Leichtes wachsen kann», sagt die Berner Choreografin und Tänzerin Gianna Grünig.
Foto: zvg

Wer war der Held oder die Heldin Ihrer Kindheit?

Held*innen entsprangen oft meiner Vorstellung, sie kamen und gingen. Im «realen» Leben hat mich Clown Dimitri berührt, er hat das schönste Lachen. Und weil er ein Erwachsener war, der das Kind in sich offenbarte.

Was hängt bei Ihnen an der Wand?

Ein alter Fensterrahmen aus der Slowakei, ausgeschnittene Bilder aus Zeitungen, getrocknete Eukalyptusblätter und eine Auswahl an Lieblings-Kunstpostkarten.

Wofür sparen Sie?

Sparen tue ich nicht. Die Flüchtigkeit, die ich so gern im Tanz erlebe, setzt sich auch in meinem Portemonnaie durch. Manchmal träume ich von einem Tanzstudio unter freiem Himmel, umgeben von Olivenhainen.

Wann haben Sie sich das letzte Mal so richtig wild gefühlt?

Diese Woche in den Proben mit Maya M. Carroll und Bettina Neuhaus. Es ist für mich eine Traumkonstellation und fühlt sich wild an. Wir sind Frauen in unterschiedlichen Lebenslagen, Mitte 30, 40 und 50. Das ist zwar nicht direkt Thema unseres Stücks. Aber es birgt etwas Zeitloses in sich, etwas, das auch Bewegung an sich hat.

Welches sind Ihre aktuellen Süchte?

Tanz, Johann Sebastian Bach und Honig.

Was ist Ihnen näher: das Leichte oder das Schwere?

Das Schwere. Moll-Tonarten in der Musik sind mir zum Beispiel lieber als Dur-Tonarten. Das hat wohl damit zu tun, dass ich einen Hang zur Nostalgie habe. Ich mag die Patina der Zeit, den Zauber des Alten, wie es in den Filmen von Andrej Tarkowski zu finden ist. Zudem mag ich das Schwere, weil daraus etwas Leichtes wachsen kann.

«Mit zwölf Jahren beschloss ich, einmal als Inhaberin einer ‹Librairie› in Paris zu leben. Einen Teil des Traums habe ich mit 16 realisiert.»

Gianna Grünig

Was war der schönste Ort, den Sie besucht haben?

Da gibt es nicht nur einen. Ich denke an Paris in der Nacht, Berlin an einem Frühlingsmorgen und die Berner Aare im Hochsommer.

Was ist das Traurigste oder das Lustigste, was Ihnen je auf der Bühne passiert ist?

Ich erinnere mich an einen Sturz über einen Scheinwerfer in New York. Und an einen Moment in einem Geräteschuppen, der kurz als Umkleide diente, nachdem mir der Hosenboden gerissen war. Und den Schrecken danach, als die Tür zur Bühne plötzlich nicht mehr aufging.

Was wissen nur die wenigsten Menschen über Sie?

Dass ich mit zwölf beschloss, einmal als Inhaberin einer «Librairie» in Paris zu leben, einen Teil des Traums (Paris) mit 16 realisierte und seither am liebsten auf Französisch lese.

Wie sieht es aus, wenn Sie tanzen?

Davon können Sie sich diese Woche ein Bild machen. Anfühlen tut es sich wie ein Zuhause.

«Triune Heart», ein Tanzabend mit Gianna Grünig (Schweiz), Maya M. Carroll (Israel/Deutschland) und Bettina Neuhaus (Holland/Deutschland) im Turm Schloss Holligen, Bern: Donnerstag, 8. Oktober, 19 Uhr; Freitag 9., und Samstag, 10. Oktober, 20 Uhr.