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Geldblog: AnlagestrategienMeine Anlagen bringen nur Verluste – hat die Bank versagt?

Wenn man unsicher ist, ob die Vermögensverwalterin einen gut beraten hat, kann es sich lohnen, eine Zweitmeinung zum Depot einzuholen.

Illustration: Christina Baeriswyl

Im Juni 2015 übergab ich dem VZ Vermögenszentrum 150000 Franken zur Anlage in einem Depot mit ETFs; in den ersten zwei Jahren mit einem Aktienanteil von 20 Prozent, ab 2018 mit einem Anteil von 40 bis 50 Prozent. Schon bald sackte der Wert ab bis auf 129000 Franken, per 30. Juni 2020 lag er bei 141000 Franken. Ich finde, das VZ hätte das besser machen können. Was meinen Sie?Leserfrage von G. J.

Ob das VZ etwas falsch oder nicht gut gemacht hat, kann ich aus der Ferne nicht beurteilen, da ich weder die gewählte Strategie noch die genaue Depotzusammensetzung und auch nicht die Abmachungen kenne, die Sie mir Ihrer Bank für die Anlage der Gelder getroffen hatten.

Ich verstehe aber Ihre Enttäuschung: Wenn man einer Bank sein Geld zur Anlage anvertraut, wünscht man sich, dass sich dieses Kapital über die Jahre vermehrt und sicher nicht abnimmt. Leider gibt es dafür aber keine Garantie. Bei keiner Bank. Sie tragen immer das volle Anlagerisiko und sind je nach gewählter Strategie mehr oder weniger starken Kursschwankungen ausgesetzt.

Wenn man hohen Wert auf Sicherheit legt, kann dies bei einigen Anlegern durchaus auch mal zu schlaflosen Nächten führen. Darum ist es wichtig, dass man gegenüber der Bank klar seine Vorstellungen äussert und die Risikofähigkeit detailliert abgeklärt wird. Eine Strategie mit Exchange Traded Funds (ETF) wie sie das VZ bei Ihnen umgesetzt hat, bietet Ihnen eine sehr breite Diversifikation zu günstigen Konditionen. Die breite Diversifikation allein ist aber auch kein Garant, dass man später nicht doch auf Buchverlusten sitzt.

Immer wieder kommt es vor, dass sich gleich mehrere Anlageklassen enttäuschend entwickeln.

Immer wieder kommt es vor, dass sich gleich mehrere Anlageklassen enttäuschend entwickeln. Die rekordtiefen Zinsen führen zu einem Anlagenotstand. Mit sehr sicheren Obligationen in Schweizer Franken erzielen Sie derzeit keine Rendite mehr. Die Bundesobligationenrendite bewegt sich im Minusbereich. Auch mit Unternehmensanleihen von guten oder auch nur einigermassen guten Frankenschuldnern erreichen Sie kaum oder nur mickrige Renditen. Selbst in Anleihen in Euro oder US-Dollar gibt es bei guten Schuldnern kaum anständige Renditen. Zusätzlich tragen Sie da noch ein Währungsrisiko.

Um überhaupt Renditen mit Anleihen zu erzielen, muss man derzeit oft Abstriche bei der Schuldnerqualität machen, was sich allerdings in Krisenzeiten wie jetzt während der Corona-Pandemie rächen kann. Deutlich mehr Renditechancen haben Sie mit Aktien. Dies dürfte auch der Grund sein, dass das VZ den Aktienanteil in Ihrem Depot von ursprünglich 20 auf 40 bis 50 Prozent erhöht hat. Zum Vergleich: Der Swiss Market Index hat seit Anfang 2015 bis heute immerhin rund 11 Prozent zugelegt, obwohl wir im Frühling dieses Jahres den Corona-Crash erlebt haben.

Hätten Sie voll auf Aktien-ETFs gesetzt, würde Ihre Bilanz nach fünf Jahren wohl besser aussehen. Doch dies bringt Ihnen nichts, da eine solch starke Aktiengewichtung nicht Ihrem Risikoprofil entsprechen würde und die Bilanz ebenso deutlich negativ hätte sein können.

Zu bedenken gibt es noch einen anderen Aspekt: Kursschwankungen, wie Sie sie in Ihrem Depot erleben, sind das eine. Mindestens so wichtig ist die Frage, wie viel Ertrag Sie allenfalls pro Jahr in Form etwa von Dividenden auf Ihren Anlagen erwirtschaften. Wenn jemand ertragsorientiert ist und jedes Jahr zwei oder drei Prozent Ertrag in Form von Dividenden aus seinem Kapital herausholt, spielen die Kursschwankungen weniger eine Rolle als wenn jemand in erster Linie daran interessiert ist, dass das Kapital wächst.

Noch handelt es sich bei Ihrem Depot nur um Buchverluste. Ich empfehle Ihnen, mit Ihrer Bank das Gespräch zu suchen und Ihre Enttäuschung zum Ausdruck zu bringen. Dann kann es allenfalls Sinn machen, die Strategie zu ändern. Und wenn Sie unsicher sind, kann es auch ein Weg sein, das Depot von einer oder zwei Konkurrenzbanken überprüfen zu lassen. Dann haben Sie eine Zweitmeinung und können eher entscheiden, ob eine Strategie Ihren Bedürfnissen entspricht und wem Sie Ihr Geld künftig anvertrauen möchten.

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8 Kommentare
    Tj

    Hoi

    Nach dem coron cash haben alle mindestens 30% verloren. Finde ihr Resultat von 141‘000 noch sehr angenehm.

    Hoffe Sie haben den „Verlust“ nicht realisiert und sind drin geblieben