Zum Hauptinhalt springen

Der PollerMaria und Josef an der Tankstelle in Bethlehem

Die «Poller»-Kolumnistin Frau Feuz erzählt die Weihnachtsgeschichte neu.


Nachbar (durchs Loch in der Küchendecke): Feuz, was machst du?

Frau Feuz: Knöpfe annähen. Jedes Mal, wenn ich tief einatme, sprengts mir die vom Pyjama. Hab mich etwas auseinandergelebt im Homeoffice. Mein Speckdrum erweitert, quasi.

NB: Deine Sprüche waren also auch schon besser. Sag mal, kannst du mir einen Skihelm ausleihen? Ich will in die Berge fahren.

FF: Wieso kommst du auf die Idee, dass ich einen Skihelm habe?

NB: Na weil du Feuz heisst.

FF: BLOSS WEIL ICH GLEICH HEISSE WIE DIESER SKIFAHRER, HEISST DAS NOCH LANGE NICHT, DASS ICH AUCH SKI FAHRE, ODER?!

NB: Warum denn gleich so empfindlich?

FF: Weil mich derzeit wieder jeder Tubel fragt, ob ich mit dem Feuz verwandt sei. Item. Sonst so? Bist du schon in Weihnachtsstimmung?

NB: Nicht wirklich. Schwierig unter diesen Umständen. Dabei mag ich es doch eigentlich feierlich und festlich, seufz.

FF: Herrje, Nachbar. Soll ich dir die Weihnachtsgeschichte erzählen?

NB: Würdest du das wirklich für mich tun? Hach Feuz, ich bin gerührt!

FF: Klaro, mach ich gern. Mach es dir gemütlich. Here we go, wie der Zürcher sagt.

Es begab sich zu der Zeit, als König Berset eine Volksimpfung anordnete. Maria und Josef fuhren im Tram Richtung Bethlehem. Weil Maria ihren Schleier zu Hause vergessen hatte, kam der heilige Zorn des Fahrzeuglenkers über sie. «Du sollst verlassen dieses Tram», brüllte er, und Maria und Josef taten, wie ihnen geheissen.

Der Loryplatz war wüst und leer. Da sah der Herr, dass es nicht gut war, und sandte den Engel Gabriel. «Vom Pimmel hoch, da komm ich her», sprach Gabriel, der im früheren Leben Pornofilmtitel-Erfinder gewesen war. «Verzweifelt nicht. Sputnik V wirds richten», sagte der Engel Gabriel weiter, der im früheren Leben auch Russe gewesen war. «Zwischenzeitlich einfach mal Richtung Westen latschen. Tschö.»

Maria und Josef taten, wie ihnen geheissen. Sie erklommen den heiligen Steigerhubel und durchschritten das Tal Unterautobahn. Lang war der Weg und die Wanderer müde, hungrig und durstig. Da erschien in der Ferne Schloss Bümpliz, und Maria und Josef schöpften neuen Mut. Doch als sie an das Tor klopften, verwies sie Königin Vreni der Piste mit den Worten, dass sie ihren Kafi Träsch selber zu löten gedenke.

Einzig die Prostituierte C. Orona Ibiovobümpliz, die gerade des Wegs kam und sich grundsätzlich jedem an den Hals warf, zeigte Erbarmen und schenkte den Frierenden einen dänischen Zombienerz. Und so erreichten Maria und Josef doch noch ihr Ziel: die Tankstelle zu Bethlehem, über der hell eine Strassenlaterne leuchtete. Bald schon trafen auch die heiligen drei Könige Pfizer/Biontech, AstraZeneca und Moderna ein und legten ihre Gaben zu Fischstäbchen und Vanille-Cornets in die Tiefkühltruhe. Und der Herr sprach: «Voilà. Geht doch.» Dann genehmigten sich alle einen Absinth, und wenn sie nicht gestorben sind, sehen sie noch heute den heiligen Geist.

Fertig. War das gut, oder war das gut?!

Also Irgendwie scheint mir deine Weihnachtsgeschichte nicht ganz schlüssig zu sein.

Der Nachbar der Kolumnistin äussert seine Zweifel.

NB: --- Feuz, also --- ich --- ich weiss nicht recht, was ich sagen soll.

FF: Vor lauter Rührung?

NB: Nun ja. Hast du nicht einen zentralen Punkt vergessen?

FF: Ach so ja stimmt! Am Schluss kam noch ein Spion aus der Kälte dazu. Der hatte Verspätung, weil er die dritte Staffel Brexit fertigschauen wollte.

NB: Also irgendwie scheint mir deine Weihnachtsgeschichte nicht ganz schlüssig zu sein.

FF: Pah. Logik wird überbewertet. Hauptsache, ich hab dich vom Skifahren abgehalten. Muss doch jetzt wirklich nicht sein die Tage. Lass besser mal einen löten – vielleicht sind wir morgen schon flöten. Frohe Weihnacht, Nachbar! Fellatio Navidad, wie der Engel Gabriel sagen würde. 2021 wird besser. Versprochen.

NB: Deine Geschichten auch?

FF: Klappe halten.

Gisela Feuz ist freie Kulturjournalistin, weder mit dem Chef noch mit dem Skifahrer verwandt und findet, dass Menschen vor Wirtschaft und persönlichem Freizeitvergnügen kommen sollten.

1 Kommentar
    christof jaussi

    Hahahaha, der Lacher des Morgens, wahrscheinlich des Tages! Danke Frau Feuz, frohe Festtage und bis hoffentlich bald!