Manchmal wäre eine Fliegenklatsche nötig

Die Fluggeräte können für spezialisierte Aufgaben sinnvoll eingesetzt werden. Ganze Flotten von Drohnen wären aber ein Problem.

Nicht alle Drohnen werden sinnvoll eingesetzt. Diese hier dient der Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft. Andere sind bloss ein beliebtes Männerspielzeug.

Nicht alle Drohnen werden sinnvoll eingesetzt. Diese hier dient der Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft. Andere sind bloss ein beliebtes Männerspielzeug.

(Bild: Adrian Moser (Archiv))

Adrian Sulc@adriansulc

In der lauschigen Bieler Altstadt, beim malerischen Hinterburgseeli auf der Axalp oder in den schönen Cinque Terre: Überall begegnet man diesem nervigen Surren, fast als kreise einem eine Mücke um den Kopf. Doch die Mücken sind aus Plastik und Metall – und ausser Reichweite für einen gezielten Schlag. Drohnen. Muss das sein? Nein, meist nicht. Die Drohne aus dem Internetversandhandel ist das neue Männerspielzeug.

Es müsste nicht sein, aber es darf: Die Schweiz hat Drohnen, die leichter sind als 30 Kilogramm, nur schwach reglementiert. Abgesehen von Sperrzonen darf jedermann (der Autor hat noch nie eine Drohnenpilotin gesehen) jederzeit herumfliegen. Und das ist auch gut so. Im liberalen Rechtsstaat sollte man neue Technologien nicht auf Vorrat verbieten.

Schliesslich befriedigen Drohnen nicht nur den männlichen Spieltrieb – sie haben in der Schweiz bereits heute einen konkreten Nutzen: In der Landesvermessung, der Landwirtschaft und, wie diese Woche in Bern vorgestellt, womöglich auch im Gesundheitswesen: Eine Drohne der Post fliegt testweise zwischen Tiefenau- und Inselspital hin und her, um Blutproben rasch ins Labor zu liefern.

Ein solcher Einsatz einer Drohne erscheint sinnvoll. Wenn die Zeit drängt und ein Kurierfahrer im Morgenverkehr stecken bleiben könnte, kann die Drohne besser sein. Dazu kommt, dass die Post-Drohne in Bern vorwiegend über unbewohntes Gebiet fliegt. Die Idee, dass künftig auch normale Pakete oder gar die Pizza per Drohne geliefert werden könnten, erscheint dagegen wenig ausgereift. Dafür benötigte man Tausende Drohnen, und diese verursachten Lärm, nähmen Luftraum in Beschlag und könnten mit ihren Kameras die Privatsphäre verletzen.

Kommerzielle Drohnenflotten sollten für ihre Flugrouten deshalb genau so strenge Bewilligungsverfahren durchlaufen wie Airlines für ihre Landeanflüge. Niemand will unter einer Drohnen-Autobahn leben.

Zurück zum Männerspielzeug: Hier kann der Staat selbstverständlich von einem Verbot absehen. Aber auch die Möchtegern-Piloten seien an den Grundsatz der gegenseitigen Rücksicht erinnert. Doch liberaler Rechtsstaat hin oder her: Wenn am Wochenende schon wieder eine Drohne über den Grillplatz surrt, wünscht man sich sehnlichst eine riesige Fliegenklatsche.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt