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Kommentar zur Corona-AppMan sollte die App herunterladen

Zwar beruht die Schweizer App, mit der Covid-Erkrankungen aufgespürt werden sollen, auf Freiwilligkeit. Die moralisch richtige Entscheidung ist es aber, sich an dem Projekt zu beteiligen.

Wer die Swiss-Covid-App auf sein Handy herunterlädt, zeigt damit auch, dass ihm die Mitmenschen nicht gleichgültig sind.
Wer die Swiss-Covid-App auf sein Handy herunterlädt, zeigt damit auch, dass ihm die Mitmenschen nicht gleichgültig sind.
Foto: Keystone

Eigentlich wollte ich die neue Swiss-Covid-App nicht herunterladen (Fragen und Antworten zur Swiss-Covid-App). Ich hatte das vage Gefühl, dass mich die stete Erinnerung an das Virus lähmen könnte in meinem Kampf gegen die Corona-Müdigkeit, die sich in den letzten Wochen in mir breitgemacht hatte. Die beste Methode dafür schien mir das Distanzhalten nicht nur zu den Mitmenschen, sondern auch zum Thema – also genau das Gegenteil von einer App, die mich auf Schritt und Tritt begleitet.

«Was soll ich tun?», lautet die Grundfrage der Ethik. Damit die Antwort nicht subjektiv bleibt, hat Immanuel Kant nach Vernunftgründen gesucht, so und nicht anders zu handeln. Und zwar anhand der Frage, ob sich das, was man tut, verallgemeinern lässt. So muss eine Handlung nach Kant zweierlei erfüllen: Sie darf andere Menschen nicht als Mittel zum Zweck benutzen, und sie muss so beschaffen sein, dass deren Maxime auch als Gesetz taugen könnte.

Wer die App herunterlädt, sieht andere Menschen geradezu exemplarisch als Zweck an sich und nicht als Mittel.

Vor diesem Hintergrund zeigt sich die moralische Thematik, die sich mit der Einführung der Swiss-Covid-App stellt, in einem ganz anderen Licht: Auch das Unterlassen einer Tat kann ethisch problematisch sein – und die Tat wenngleich nicht verpflichtend, so doch empfehlenswert. Denn wer die App herunterlädt, sieht andere Menschen geradezu exemplarisch als Zweck an sich und nicht als Mittel. Und die Gesundheit der Allgemeinheit stellt einen höheren Wert dar als die Freiheit des Einzelnen. Hinzu kommt, dass die neue App nur erfolgreich sein wird, wenn möglichst viele sie benutzen (So hilft die App).

Falls die Sorge vor Überwachung durch die neue App, wie Experten versichern, unbegründet ist, gibt es also auch aus moralischer Sicht keinen Grund, sich dieser Sicherheitsmassnahme zu entziehen. Im Gegenteil: Diesen hoffentlich letzten Schritt sollten wir gemeinsam tun, um die individuellen Freiheiten, auf die wir jetzt teilweise verzichten müssen, in die Zukunft zu retten.

Ich werde die App herunterladen.