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Berndeutsch für Fortgeschrittene 17«LP»

Schulausdrücke sind für unsere Kolumnistin eine besondere Herausforderung.

Berndeutsch lernen – gar nicht so einfach für eine Ostschweizerin!
Berndeutsch lernen – gar nicht so einfach für eine Ostschweizerin!
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Die Fächernamen zu meinen Primarschulzeiten waren noch selbst erklärend: Rechnen, Sprache, Geschichte. Da ist wohl jedem klar, worum es geht.

Wenn ich dagegen die Stundenpläne meiner Kinder heute anschaue, wünschte ich mir eine Übersetzungshilfe. Und ich spreche hier nicht vom Fach NMG. Ich weiss, dass es dabei um Natur, Mensch und Gesellschaft geht. Nein, ich meine Abkürzungen wie BG (Bildnerisches Gestalten) und TTG (Textiles und Technisches Gestalten). Bei mir hiess es noch ganz einfach «Zeichnen» und «Handarbeit» oder «Werken».

Besonders verwirrt war ich, als mein Sohn mir ein Heft zeigte, in dem ich unterschreiben sollte. Dort stand bereits «LP» und dahinter war ein leerer Platz. «Was haben Rechenaufgaben mit einer Langspielplatte zu tun?», fragte ich. «Mami, das ist doch die Lehrperson, die soll dort unterschreiben!», erklärte mein Sohn. «Du musst weiter unten deine Unterschrift hinsetzen.»

Dann kam kürzlich mein Bruder zu Besuch, der im Gymer oft die gleichen Lehrerinnen und Lehrer hatte wie ich. «Weisst du noch, früher im Gefi in der Kanti?», fragte er mich. «Kanti», das ist die Abkürzung für «Kantonsschule Frauenfeld», daran konnte ich mich gut erinnern. Aber was in aller Welt heisst «Gefi»? – «Geografie natürlich, so sagen wir doch in der Ostschweiz. Hast du das etwa vergessen?», meinte mein Bruder. – Offenbar liegt es an mir. Fächerbezeichnungen und Schulausdrücke sind mir unabhängig von Zeit und Mundart ein Rätsel.

Das ist der letzte Beitrag im Rahmen unserer Berndeutsch-Kolumne, die 2018 in dieser Zeitung erschienen ist.