Zum Hauptinhalt springen

Franzén wird Tigers-CoachLieber Chef in Langnau als Knecht in Zürich

Ist Rikard Franzén nur der perfekte Assistent oder auch ein guter Chefcoach? In Langnau kann sich der Schwede endlich beweisen. Ein Angebot der ZSC Lions schlug er aus.

Trainer Rikard Franzén wird bei den SCL Tigers vom Assistenten zum Chef befördert.
Trainer Rikard Franzén wird bei den SCL Tigers vom Assistenten zum Chef befördert.
Foto: Raphael Moser

Rund 30 Bewerbungen gingen ein, nachdem Anfang März die Trennung von Cheftrainer Heinz Ehlers und den SCL Tigers bekannt geworden war. Nachfolger des Dänen jedoch wird einer, der den Lebenslauf gar nicht erst einzuschicken brauchte: Rikard Franzén, in den letzten zwei Jahren Ehlers’ Assistent, steht künftig in der Verantwortung. Seine Beförderung kommt nicht unerwartet. Für die Wahl Franzéns hatten sich diverse Spieler stark gemacht, zu Mitgliedern des Verwaltungsrat hat sich der Schwede ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, und – in Anbetracht der misslichen finanzielle des Clubs kein unwesentliches Argument – er ist eine preiswerte Lösung.

Lange unterhalb des Radars

Franzén ist ein Freund von Ehlers. Bereits in Lausanne hatten die beiden während vier Jahren zusammengearbeitet, auch beim dänischem Nationalteam standen beide an der Bande. Und so verschieden sie sein mögen, so gut harmonierten sie. Der zurückhaltende Franzén entwickelte sich zum Schattenmann, zum wertvollen Heinzelmännchen im Hintergrund. Als Spieler hatte der 52-Jährige mit Schweden an einer Weltmeisterschaft teilgenommen und von 2001 bis 2003 für den SC Bern verteidigt, als Trainer aber ist er bis anhin unterhalb des Radars geflogen. Auch in Langnau schien es, als würde er übergangen: Zunächst galt Lars Leuenberger als Favorit, es fanden bereits Gespräche statt, dem einstigen SCB-Meistertrainer jedoch könnte die Nähe zu ex-Sportchef Marco Bayer zum Verhängnis geworden sein.

Der loyale Franzén dürfte sich weniger über die Qualität einzelner Akteure beklagen als sein weitaus forscherer Vorgänger, er wird weniger penetrant Verstärkungen fordern und wohl eher bereit sein, auf den Nachwuchs zu setzen. «Rikard hat grosse Ambitionen», sagt Sportchef Marc Eichmann. Von seinen Kompetenzen bin ich überzeugt – er hat diese Position verdient.»

So wenig Druck wie nie

Die Fussstapfen aber, in die Franzén tritt, sind gross. Heinz Ehlers hat in Langnau trotz unbefriedigendem Ende vieles bewirkt, es ist ihm gelungen, eine Leistungskultur aufzubauen. Franzéns Erfahrungsschatz indes ist gering, nur bei seinem Stammverein AIK Solna wirkte er als Chefcoach (2013/2014), noch während der Saison wurde er freigestellt. Das Image des perfekten Assistenten haftet ihm an, zuletzt signalisierten die ZSC Lions Interesse – beim Qualifikationssieger hätte Franzén Trainer Rikard Grönborg unterstützen sollen.

Künftig wird Rikard Franzén in Langnau im Vordergrund stehen.
Künftig wird Rikard Franzén in Langnau im Vordergrund stehen.
Foto: Christian Pfander

Franzén erhält nun die Chance, auf die er lange gewartet hat. Und die Voraussetzungen könnten besser kaum sein. Klar, die Coronakrise trifft auch die Tigers mit voller Wucht. Das Kader ist bescheiden besetzt, womöglich werden die Emmentaler nicht mit vier Ausländern in die neue Meisterschaft starten. Weil sich die Clubs am Montag an der ausserordentlichen Ligaversammlung aller Voraussicht nach darauf einigen werden, dass es kommende Saison keinen Absteiger geben wird, ist der Druck aber weitaus geringer als üblich. Franzén dürfte Zeit erhalten, seine Ideen umzusetzen – die Gefahr einer Entlassung ist geringer denn je. Sein angepasster Vertrag läuft bis 2021.

Kontakte zu O’Leary

Dem Vernehmen nach stand Marc Eichmann auch in Kontakt mit Jason O’Leary. Die beiden kennen sich aus gemeinsamen Zeiten in Langenthal, nicht nur im Oberaargau hat O’Leary bewiesen, dass er es versteht, aus wenig viel zu machen. Sein Vertrag in Iserlohn aber läuft weiter, die Tigers hätten dem Verein aus der höchsten deutschen Liga wohl eine Ablösesumme zahlen müssen. Zudem wäre es aus Sicht des neuen Sportchefs heikel gewesen, gleich bei erster Gelegenheit einen ihm nahestehenden Weggefährten zu engagieren. Letztlich aber ging es den Tigers auch darum, Kontinuität zu schaffen. «Mit Rikard wird die bestehende Philosophie weiterverfolgt. Er ist der richtige Trainer», lässt Eichmann verlauten.

Wer Franzén assistieren wird, ist offen. Anzunehmen ist, dass der Chefcoach einen Vertrauten aus der Heimat vorschlagen wird.