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Glosse über umschwärmte IdoleLiebe Theaterdiva, böser Geistesriese

Die Begegnung mit Idolen kann einen beglücken – aber auch massiv enttäuschen. Es kann so schlimm sein, dass man in einem Taxi sitzt und den verehrten Vordermann mit imaginären Messerstichen meucheln möchte.

Die Schauspielerin Angela Winkler las am 8. Berner Literaturfest  aus ihrem Erinnerungsbuch «
Mein blaues Zimmer» – und reagierte auf Filmausschnitte, die sie als schreiende  Iphigenie auf Tauris zeigen, auf ganz eigene Weise stilvoll.
Die Schauspielerin Angela Winkler las am 8. Berner Literaturfest aus ihrem Erinnerungsbuch «
Mein blaues Zimmer» – und reagierte auf Filmausschnitte, die sie als schreiende Iphigenie auf Tauris zeigen, auf ganz eigene Weise stilvoll.
Foto: Franziska Rothenbühler

Iphigenie auf Tauris kniet am Wasser und schreit sich die Seele aus dem Leib. Der Regisseur unterbricht sie und sagt, es habe aus ihr geschrien, «aber jetzt sprichst du mit deiner Stimme». Die wunderbar eigenwillige Schauspielerin Angela Winkler sass auf der Bühne des Kornhausforums und schaute sich bei der Arbeit zu. Links und rechts wurden leicht erhöht Filmausschnitte von ihr als Iphigenie aus einem Porträtfilm an die Wand projiziert. Die Schauspielerin, die im Film «Die verlorene Ehre der Katharina Blum» die Hauptrolle spielte und in der «Blechtrommel» Oskar Matzeraths Mutter verkörperte, lächelte, dann schien sie mit zusammengekniffenen Augen jemanden aus dem Publikum zu suchen; manchmal bewegten sich ihre Lippen. Und sie schien die Texte früherer Rollen wieder zu kosten.

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