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Contact-TracingLeute halten Abstand

Erste Zahlen zeigen: Kantone können Infektionsfälle konsequent verfolgen.

Contact-Tracing:  Der Kanton Zürich hat am Flughafen Zürich ein Center aufgebaut, von wo aus Telefonisten Corona-Infizierte kontaktieren.
Contact-Tracing: Der Kanton Zürich hat am Flughafen Zürich ein Center aufgebaut, von wo aus Telefonisten Corona-Infizierte kontaktieren.
Foto: Urs Jaudas

Seit Anfang Woche müssen die Kantone sämtliche mit dem Coronavirus infizierten Personen einem systematischen Contact-Tracing unterziehen. Das heisst, sie müssen all jene Personen ausfindig machen, die von der erkrankten Person hatten angesteckt werden können. Erste der SonntagsZeitung vorliegende Zahlen aus mehreren Kantonen zeigen: Die angefragten Kantonen können die Corona-Fälle konsequent verfolgen. Und: Die Bevölkerung hat die engen sozialen Kontakte offenbar eingeschränkt. Das hat zur Folge, dass die Contact-Tracer nur eine übersichtliche Zahl potenziell Infizierter aufspüren müssen. Und die Zahl der Personen, die wegen einer möglichen Ansteckung in Quarantäne geschickt werden, ist relativ gering. Im Schnitt hatte jeder Infizierte nähere Kontakt mit 2 bis 4 Personen. Das heisst nicht, dass sich diese auch alle angesteckt haben.

So musste der Kanton Bern letzte Woche 33 Infektionsfälle verfolgen. Nach Recherchen bei ungefähr 100 Personen mussten sich 48 Personen in Quarantäne begeben. Ähnlich verhält es sich im Kanton Zürich, wo 45 Personen positiv getestet worden waren und in der Folge 96 Kontaktpersonen mit einem Infektionsrisiko ausfindig gemacht und isoliert wurden. In Basel-Stadt mussten nach fünf Infektionen acht Personen in Quarantäne, im Aargau wurden 63 Personen isoliert, die vorher zu mindestens einem von 18 Infizierten Kontakt gehabt hatten. Im Kanton Freiburg gab es 20 Quarantänen nach 12 Infektionen.

Auch in den Infektions-Hotspots Tessin und Waadt sind die Infektionsketten überschaubar geworden. Im Waadtland wurden in den letzten drei Wochen 125 Fälle verfolgt und danach 184 Personen in Quarantäne gesetzt. Im Tessin wurden nach 15 positiv Getesteten 50 Personen isoliert. Bis jetzt ist davon nur eine Person erkrankt. Der Tessiner Kantonsarzt Giorgio Merlani weist dabei darauf hin, dass beim Ausbruch der Epidemie pro Fall jeweils 15 bis 20 Kontakte hätten ausfindig gemacht werden müssen, heute noch drei bis vier. Die Leute würden sich sehr verantwortungsvoll und vorsichtig verhalten, seit man das Ausmass der Epidemie erkannt habe, sagt er.

Nicht verfolgt werden können mit dem Contact-Tracing anonyme Kontakte – zum Beispiel beim Einkaufen oder im öffentlichen Verkehr. Wie sich die Öffnung des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens auswirkt, kann deshalb aus diesen Zahlen nicht herausgelesen werden.