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«Die Gesellschaft bewegt sich in Richtung Null-Toleranz»

Konflikte mit Tieren lassen sich vermeiden. Wenn Toleranz geübt, aber auch Verantwortung wahrgenommen wird. So die Forderung von Dennis C. Turner.

Herr Turner, warum tun Tiere dem Menschen gut? Tiere verbinden Menschen mit der Natur und befriedigen Urbedürfnisse in uns allen, zum Beispiel das Brutpflegeverhalten gegenüber Jungtieren – ähnlich wie das elterliche Verhalten gegenüber Kindern. Menschen haben Jahrtausende mit Tieren zusammengelebt, und von diesen Beziehungen haben in der Regel beide Partner profitiert.

Zugleich sind Tiere in Wohnhäusern heute ein häufiger Grund für Konflikte. Weshalb ist das so? Leider bewegt sich unsere Gesellschaft in Richtung «Null-Toleranz» gegenüber Nachbarn und deren Wünschen. Die Tiere zeigen eigentlich nur ihr natürliches Verhalten. Doch weil wir Menschen so eng beieinander wohnen, ist es notwendig, dass die Tierhalter ihre Verantwortung nicht nur gegenüber den Tieren zeigen, die auf sie angewiesen sind, sondern auch gegenüber ihren Mitmenschen, die den direkten Kontakt zu Tieren nicht schätzen. Wenn man sich an diesen Grundsatz hält, gibt es selten Probleme.

Was ist die Verantwortung der Tierhalter? Sie müssen sicherstellen, dass die Tiere artgerecht gehalten und gut gepflegt werden, niemanden gefährden und keine übermässigen Emissionen verursachen. Im Fall von Hunden heisst dies, dass sie nicht ständig bellen. Bei Hunden und Katzen heisst es, den Kot selbst aufzuräumen oder sich finanziell an dessen Beseitigung zu beteiligen.

Was ist zu tun, um Konflikte in Wohnsiedlungen zu vermeiden? Fast alle Konflikte sind vermeidbar, wenn die Tierhalter ihre Verantwortung kennen und übernehmen; das ist vertraglich zwischen Vermieter und Mieter oder zwischen den Miteigentümern im Haus zu regeln.

Liegt es nicht daran, dass Tiere häufig nicht artgerecht gehalten werden? Manchmal schon. Doch solche Probleme lassen sich vorgängig vermeiden; oder wenn dies nicht geschehen ist, kann ein entsprechend qualifizierter Berater die Probleme lösen. Oft würde es aber genügen, wenn die Menschen in einem Wohnhaus einfach direkt miteinander sprechen und ein bisschen Toleranz für Andersdenkende aufbringen würden.

Manche Hausverwaltungen oder Eigentümer in der Schweiz haben nun Haustiere überhaupt verboten. Ist das eine Lösung? Das ist sicher nicht die Lösung, wie auch andere Hausverwaltungen und Eigentümerverbände erfahren haben. Haustiere bedeuten vielen Menschen sehr viel, sie fördern deren Wohlbefinden und Gesundheit. Laut der am letzten Weltkongress über Mensch-Tier-Beziehungen einstimmig angenommenen Deklaration von Tokio ist es zudem ein universelles, natürliches und grundlegendes Menschenrecht, von der Anwesenheit von Tieren zu profitieren. Hier in der Schweiz plädiert das IEMT für die Aufhebung solcher Verbote und das Einsetzen einer sorgfältig ausgearbeiteten Vereinbarung über Heimtierhaltung. Sie ist gratis verfügbar auf www.iemt.ch.

Gibt es Tiere, die garantiert problemlos sind im Haus – wie Hamster, Wellensittiche, Schildkröten? Grundsätzlich gibt es mit den kleineren, domestizierten Tierarten weniger Probleme, weil die Nachbarn die Tiere weder sehen noch hören. Doch es ist nicht unbedingt leichter, sie artgerecht zu halten. Viele von ihnen werden nicht korrekt gehalten! Die Menschen neigen dazu, die Bedürfnisse dieser Tiere weniger wahrzunehmen als etwa die von Hunden oder Katzen.

Besteht nicht auch ein Problem darin, dass viele Leute spontan, ohne sich richtig zu informieren, Haustiere kaufen? Wie kann man sich ins Bild setzen? Früher war dies sicher der Fall, doch in den letzten Jahren führten die grossen Tierschutzgesellschaften – wie der Zürcher und Schweizer Tierschutz – effektive Kampagnen gegen Spontankäufe von Haustieren. Sie bieten auch ausgezeichnete Informationsbroschüren über die Bedürfnisse und optimale Haltung der verschiedenen Heimtierarten. Vor allem über Hunde und Katzen findet man auch Tipps und Infos auf unserer Website.

Der 60-jährige Dennis C. Turner ist Präsident des Instituts für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung (IEMT) in Zürich und wohnt auf dem Hirzel. Weltweit bekannt wurde er vor allem durch seine Forschung über Katzen; er hat zahlreiche Bücher dazu publiziert.

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