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«Was machst du da? Tu das nicht! Du wirst uns umbringen!»

Der Flug von Scandinavian Airlines System ist für vier Minuten Dauer sehr ereignisreich. Das gut besetzte Flugzeug ist in Stockholm eben gestartet, da sehen Passagiere an den Flügeln Eisstücke abbrechen. Die Enteiser am Boden haben Klareis übersehen, das durchsichtig ist wie Glas. Nun, in der Luft, werden Stücke in die Triebwerke geschleudert. Die Schaufeln zerhacken das Eis, es schmilzt. Die Brennkammern müssen sich mit immer mehr Wasser abplagen. Die McDonnell Douglas MD-81 bekommt den Schluckauf. Eine halbe Minute nach dem Start schrillen im Cockpit Alarmglocken, blinken Warnlichter, vibrieren Armaturen. Auf 975 Metern fallen beide Triebwerke aus, der Schwung trägt die Maschine 35 Meter höher, dann geht es rasant abwärts. Jetzt taucht aus der Passagierkabine der Schutzengel auf, ein Ex-Jagdflieger. Kaltblütig instruiert er den Kollegen am Steuer, wo er landen soll, als die Maschine 75 Meter über Boden aus den Wolken kommt. «Rechts, rechts, rechts!», schreit er, denn er sieht im Wald ein Feld. Letzte Pilotenmeldung: «Stockholm SK 751, wir havarieren jetzt.» Dann kracht die Maschine zu Boden. Das Terrain ist so ruppig, dass sie nach nur 110 Metern stillsteht. Sie ist in drei Teile zerbrochen, liegt geborsten auf der Lichtung. Dass alle an Bord das überlebten, führt zur Bezeichnung «Weihnachtswunder von Stockholm».
Wegen eines Pilotenstreiks heuert Indian Airlines sechs Tupolews samt Crew aus dem Ausland an. Einer der Miet-Captains, ein Usbeke, kann kaum Englisch. Mit 153 Passagieren an Bord ist er im Anflug auf Delhi. Da teilt ihm der Lotse mit, er müsse in eine andere Stadt ausweichen; es herrsche dichter Nebel, die Landebefeuerung sei ausser Betrieb. Der Captain brabbelt etwas zurück, hat aber gar nichts verstanden; er macht weiter mit dem Sinkflug, setzt zur Landung an. Er verpasst die Bahn um 700 Meter. Das Flugzeug prallt extrem hart auf, wird hochgeschleudert, kippt leicht nach rechts, touchiert erneut den Boden, die rechte Tragfläche bricht ab. Die Maschine dreht sich auf den Rücken, schiesst durchs feuchte Gras, steht erst nach zweieinhalb Kilometern still. Kerosin läuft aus. Die Passagiere taumeln aus dem Wrack. Aber wo sind die Retter? Im Tower hat man den Absturz nicht bemerkt, man sieht ja nichts. Eine Stunde nach dem Unfall kommt Hilfe. Die Retter stellen sich zu den Passagieren, begaffen das Wrack, und nun gibt es doch noch Verletzte, als dieses explodiert.
Pilot Barry Edward Woods hat 13 000 Flugstunden hinter sich, Co-Pilot Chung Chan Kuy 4000. Jetzt darf der Vize den Airbus der Korean Airlines auf der südkoreanischen Ferieninsel Cheju landen. Neun Meter über Boden vermeint er, von Taifunwinden gestresst, man werde zu spät aufsetzen und über die Bahn hinausschiessen. Ohne den Chef zu fragen, beschliesst er Landeabbruch, zieht die Steuersäule nach hinten, verkündet: «Durchstarten!» Der Voicerekorder gibt den folgenden Dialog wieder. Der Captain: «Nimm deine Hände da weg!» Der Co-Pilot: «Durchstarten?» Der Captain: «Nein, nein!» Die Maschine setzt endlich auf. Da gibt der Co-Pilot erneut vollen Schub, er will wieder durchstarten. Der Captain: «Was machst du da? Tu das nicht! Du wirst uns umbringen!» Nun bremst der Captain selber. Zu spät. Erst 1773 Meter nach Bahnbeginn hat das Flugzeug aufgesetzt, vorne bleibt zu wenig Strecke fürs Auslaufen. Der Pilot steuert die Maschine seitlich weg und verhindert so einen Sturz ins Meer. Man kollidiert mit einem Hangar, pflügt durch ein Reisfeld, kommt in einem Steinmäuerchen zum Stehen. Der Captain: «Ja, aber wir waren doch schon auf der Landebahn. Warum hast du die Maschine hochgezogen?» Vom Co-Piloten sind an dieser Stelle auf der Rekorderaufnahme nur drei Seufzer zu hören.
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