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Tödliche Ge(h)hilfen – wirklich?

Den wenigsten sei klar, wie gefährlich Wanderstöcke sein können, schrieb Markus Hölzl. Da gibt es aber auch eine andere Seite der Medaille.

Sicher unterwegs: Wanderinnen im Fürstentum Liechtenstein. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)
Sicher unterwegs: Wanderinnen im Fürstentum Liechtenstein. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Wanderstöcke seien «tödliche Gehilfen», stand kürzlich in dieser Zeitung. Bergretter Markus Hölzl zählte Todesfälle auf, bei denen die beliebten Stöcke eine fatale Rolle spielten. Es sei ihm nun nicht diametral widersprochen. Wenn man die Hände in den Schlaufen der Stöcke fixiert, bringt man sich in schwierigem Gelände in Gefahr. Stolpert man, kommen die Hände nicht rechtzeitig frei.

Und doch fragt man sich als Bergwanderer, ob Hölzl nicht einseitig argumentiert. Wer Unfälle aufgrund von Wanderstöcken auflistet, müsste auch das Gegenteil benennen: Unfälle, die durch Stöcke verhindert wurden.

Vor einiger Zeit kam der Schreibende am Panixerpass zwischen Elm GL und Panix GR im steilen Hang zu einer lang gezogenen Zunge vereisten Altschnees. Zuerst ging die Gruppe parallel zu ihr aufwärts. Dann drehte der Weg auf die Zunge zu, und es galt, das abschüssige Ding zu queren.

Wohlgemerkt: eine weiss-rot-weisse Normalroute, Juli, 1700 Meter über Meer, keiner hat da Steigeisen dabei. Und doch waren die nächsten 20 Meter über den Hartschnee lebensgefährlich. Bei einem Ausrutscher wäre man über eine kleine Kante zur Linken ein Dutzend Meter tief gestürzt. Mit Stöcken: kein Problem. Einen Stock eingerammt, den Fuss rechts an den Stock stabil platziert und den nächsten Stock eingerammt und so fort. Triumph der Technik.

Der Bergwanderer gerät oft in solch diffizile Lagen. Der Abstieg vom Spitzli im Alpstein zum Beispiel führt über eine glitschige Nagelfluhstufe. Die Geröllhalde vom Firner Loch hinab auf den Urnerboden könnte instabiler nicht sein. Stöcke helfen, dass man nicht im Spital endet oder auf dem Friedhof. Das sollte auch bedenken, wer sie anzweifelt. Und natürlich altern wir alle und nehmen gern mit den Stöcken Druck von den Knien, wenn wieder einmal 1500 Höhenmeter talwärts anstehen.

Ansonsten sei Hölzl recht gegeben: Geradeaus Stöcke verwenden mutet absurd an. Stöcke setzen dem Gleichgewichtssinn zu. Und natürlich muss man die Stöcke so führen, dass man nicht über sie stolpert. An dem zu verunglücken, was das Unglück verhindern soll, wäre das Allerdümmste.

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