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Künstliche Brüste sind out

In England haben die Brustvergrösserungen um 20 Prozent abgenommen. Kein Wunder: Wenn ein Körperteil zum Accessoire wird, unterliegt es auch den Gezeiten der Mode.

Die Implantate mussten weg, denn die Glaubwürdigkeit in der Mode verhält sich umgekehrt proportional zur Grösse der Brüste: Victoria Beckham.
Die Implantate mussten weg, denn die Glaubwürdigkeit in der Mode verhält sich umgekehrt proportional zur Grösse der Brüste: Victoria Beckham.
Keystone
Jennifer Aniston investierte nie in ihre Brüste. Jetzt ist sie die Speerspitze der neuen Avantgarde.
Jennifer Aniston investierte nie in ihre Brüste. Jetzt ist sie die Speerspitze der neuen Avantgarde.
Keystone
«Ihnen verdanke ich alles»: Pamela Anderson über ihre Implantate.
«Ihnen verdanke ich alles»: Pamela Anderson über ihre Implantate.
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Der britische Verband der plastischen Chirurgen veröffentliche soeben seine jährliche Statistik. Und da war der fein säuberlichen Auflistung von Fettabsaugungen und Lidstraffungen und Nasenkorrekturen Verblüffendes zu entnehmen: die Brustvergrösserungen stehen zwar immer noch unangefochten auf Platz eins der am häufigsten gewünschten Eingriffe, haben aber im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent abgenommen. Um 20 Prozent! Da ist also ein regelrechter Einbruch zu verzeichnen; England wird flacher, sozusagen.

Katie Price, das Boxenluder, das dank pneumatischer Silikoneinlagen zur Millionärin wurde, surft demnach auf der Welle mit, wenn sie jetzt gerade ihre siebte Busen-Operation über sich hat ergehen lassen – die Implantate wurden entfernt, Price trägt nun wieder Originalgrösse. Sie ist mittlerweile fünffache Mutter, da wirkt die Busenwundernummer wohl gar bemüht und überhaupt sind die Dinger unbequem, wenn sie schwer da vorne rumhängen, da hat mans nachher ja doch auch im Rücken.

Und aussehen tuts sowieso wie das, was es ist: eine Prothese. Das war aber alles auch schon früher der Fall, weshalb man nicht umhin kommt, die Frage zu stellen: Wieso zum Teufel sind Brüste mit einem Mal out?

In der Mode gelten grosse Brüste als vulgär

Den Trend eingeläutet hat Victoria Beckham. Sie, als Fussballergattin noch mit dem standesüblichen uniformen Dreigestirn von Wallehaar, Push-up und Silikon ausgestattet, begriff, dass sie die künstlichen Halbkugeln ihrer neuen Karriere als Modedesignerin zuliebe loswerden musste. Sie wollte nicht mehr belächelt werden, sie wollte Anerkennung, und vor allem wollte sie auf das Cover der US-«Vogue». Deren Chefin Anna Wintour indes hatte verlauten lassen: «Mit den Dingern kommt die mir nicht aufs Titelblatt», denn in der Mode gelten grosse Brüste als vulgär, solche aus Silikon als Gipfel des schlechten Geschmacks.

Beckham wusste also: Ihre Glaubwürdigkeit in diesem Metier verhält sich umgekehrt proportional zur Grösse ihrer Oberweite. Und so bat sie ihren Chirurgen, doch bitte zünftig Luft rauszulassen aus den Kissen, jetzt mal bildlich gesprochen. Tatsächlich begann Beckhams Stern am Modehimmel zu leuchten, sobald sie obenrum dezenter geworden war.

Beim ehemaligen Spice-Girl verhielt es sich karrieretechnisch gesehen genau andersherum als bei Pamela Anderson, der Effekt aber war der gleiche. Anderson sagte nämlich einst über ihre Silikoninstallationen: «Ihnen verdanke ich alles.» Weshalb sollte es nicht auch umgekehrt funktionieren?

Man darf daher den technischen Fortschritt keinesfalls beklagen, sondern sollte die Schönheitschirurgie nachgerade freudig umarmen, die es möglich macht, den Brustumfang der jeweiligen Situation und den jeweiligen Bedürfnissen anpassen zu können. Was aber halt auch heisst: Wenn Brüste zum Accessoire werden, dann unterliegen sie denselben Gezeiten wie die Mode auch – es besteht das Risiko, dass man mit seinem getunten Vorbau mit einem Mal out ist.

Das sah sehr entspannt aus

Und jetzt ist eben Natürlichkeit wieder en vogue. Deshalb wirkte Jennifer Aniston, die nie in ihre Oberweite investiert hatte, in den letzten Wochen wie die Speerspitze einer neuen Avantgarde: Sie trug an diversen Anlässen tief ausgeschnittene Oberteile – ihre Brüste waren offensichtlich weder ausgestopft noch hochgequetscht, sie waren einfach da und sahen sehr entspannt aus. Es war ein schönes Bild.

Für die Schweiz gibt es übrigens keine vergleichbaren Zahlen. Hierzulande fehlt ein «Implantatregister», wie die Sprecherin der Schweizerischen Vereinigung für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie (SGPRAC) erklärt. Mehrere angefragte Chirurginnen und Chirurgen konnten die Entwicklung aus Grossbritannien ebenfalls nicht bestätigen. Was aber rein gar nichts heisst: Hierzulande hinkt man ja Trends immer meilenweit hinterher.

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