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Eine Gesellschaft in ästhetischer Dauererregung

Die Herrschaft der Designer droht zur Diktatur zu werden, sagt Mateo Kries, Chefkurator des Vitra-Design-Museums in Weil am Rhein.

«Heute hat Design all unsere Lebens­bereiche erobert», stellt Mateo Kries in «Total design, die Inflation moderner Gestaltung» fest: «Business-Design, Nail-Design, Body-Design, Social Design». Was hat der Mann, der selber einem Museum für Design vorsteht, gegen ernsthaftes Design?, fragt man sich, wenn man das Buch in die Hand nimmt. Endlich ist das Bewusstsein für Form und Beschaffenheit der Dinge in der Gesellschaft angekommen, kaum jemand hält «Design» mehr für überflüssig und teuer. Doch Kries sehnt sich nach Reduktion und rechnet auf 170 Seiten erbarmungslos mit dem Phänomen ab, denn Design tauche vor allem dort auf, wo es nicht gebraucht werde, während es dort fehle, wo es wirklich nötig sei. Weil sich der Begriff hervorragend als Marketinginstrument eigne, mit dem sich immer mehr sinnlose Produkte auf den Markt bringen liessen.

Die Heilsversprechen der frühen Avantgarde, Design werde unser Leben einfacher und schöner machen, sei nicht in Erfüllung gegangen: «Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Praxis und der Begriff des Designs entstanden, wurden damit idealistische Vorstellungen verbunden – gut gestaltete Dinge zu einem erschwinglichen Preis unter die Menschen zu bringen (.?.?.). Heute scheinen diese Vorstellungen nicht mehr zu gelten. Statt um Zeitlosigkeit geht es im Design um immer schnellere Trends, statt um Funktionalität um immer stärker spezialisierte Nischenprodukte.»

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