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Die beiden Cruz-Schwestern vermisste niemand

In Zürich gingen die zweiten Charles Vögele Fashion Days über die Bühne. Die Show hatte Tempo, die Musik war mitreissend, die Models staksten tipptopp über den Laufsteg.

Man kann Glamour nicht verordnen. Da hilft auch ein Staraufgebot nicht, im Gegenteil: Das Bemühen, unbedingt glamourös wirken zu wollen, wird dann noch deutlicher. Und mindert entsprechend die Glaubwürdigkeit. Wenn also am Eröffnungsabend der Charles Vögele Fashion Days im Zürcher Puls 5 in der Hälfte des Programms Sarah Connor singt, dann stimmt etwas nicht. Weil: Eine Modenschau ist eine Modenschau. Sie braucht keine Gesangseinlage, erst recht nicht von einer Frau, die für ihren zweifelhaften Geschmack bekannt ist (man erinnere sich an das desaströse Kleid bei ihrem «Wetten, dass . . .»–Auftritt 2002). Eine Modenschau benötigt bloss dann Steigbügel, wenn selbst die Organisatoren der Meinung sind, das Publikum liesse sich nur bei der Stange halten, wenn man ihm noch etwas Zusätzliches biete. Das, klar, spricht nicht für die Mode.

Dabei war die gar nicht so schlecht. Die Vögele-Frühlingskollektion ist tragbar, sommerlich, und ja, unspektakulär, aber das ist nicht zwingend schlecht. Die Stylistinnen und Stylisten im Hintergrund hatten erstklassige Arbeit geleistet und den an sich banalen Entwürfen mit geschickten Kombinationen und Accessoires mehr Allure verliehen, als sie vermutlich dann am Bügel im Laden haben werden, aber auch das ist in Ordnung. Die Show hatte Tempo, die Musik war mitreissend, die Models staksten tipptopp über den Laufsteg.

Der verlorene Schweiger

Die beiden Gast-Designerinnen Penélope und Monica Cruz glänzten durch Abwesenheit, dafür hatte der von Vögele ebenfalls als Designer verpflichtete Til Schweiger einen Auftritt, und er präsentierte seine Kollektion gleich selbst. Inmitten der gross gewachsenen Models sah er, der nun wirklich eher kurz geraten ist, etwas verloren aus, und der Eindruck wurde dadurch verstärkt, dass sein Anzug nicht richtig zu sitzen schien und die Schuhe clownesk gross waren. Dennoch war sein Auftritt erfreulich kurz, und vor allem beging man nicht den Fehler, ihn auf der Bühne über Mode reden zu lassen – es ist mittlerweile allen klar, dass zu Designern erklärte Prominente über keinerlei Modekompetenz verfügen, sondern bloss als werbetechnische Zugpferde dienen. Man ist etwas zurückhaltender geworden bei Vögele, nachdem der Auftritt letztes Jahr grössenwahnsinnig gewirkt hatte.

Die aggressive Strategie, mit der man sich ein moderneres Image zulegen wollte, die aber so überhaupt nicht zum Modehaus passen mochte, scheint denn auch nicht aufgegangen zu sein – jedenfalls musste CEO André Maeder seinen Posten Mitte September räumen. Die neue Bescheidenheit bekommt dem Anlass gut, im Vergleich zum letzten Jahr hat sich einiges deutlich verbessert. Die Logos der Sponsoren sind diskreter platziert, und noch viel erfreulicher ist, dass die Nachwuchsdesigner nicht mehr als Feigenblatt dienten, sondern einen ganzen Abend bestreiten durften. Genauso ein Plus: dass die Teilnehmer bei den «annabelle»-Awards nicht mehr lieblos zwischen zwei Showblöcken abgehandelt wurden, sondern zwei Outfits präsentierten und sich zudem in – wenn auch etwas gar streberhaft wirkenden – Videos vorstellten. (Das einjährige Praktikum bei Roberto Cavalli gewann übrigens der einzige Mann unter den fünf Finalisten, der Genfer Maxime Rappaz.)

Trotz allem: Zürich ist nicht Paris

Und natürlich kann man die Veranstaltung nicht mit den wichtigsten Schauen in New York, London, Mailand und Paris vergleichen. Die sind für ein Fachpublikum gedacht, nur Presse und Einkäufer haben Zutritt, die Charles Vögele Fashion Days dagegen sind öffentlich. Mit Veranstalter IMG ist auch klar, dass der kommerzielle Aspekt im Vordergrund steht, und dagegen ist nichts einzuwenden, erst recht nicht, wenn die Zeiten schlecht sind. Es gelten andere Massstäbe, und da wird dem Publikum dann eben auch Sarah Connor geboten.

Dennoch ist genau das die Crux der Vögele Fashion Days: dass nicht klar ist, was sie eigentlich sein wollen. Und so ist sicherheitshalber für alle etwas dabei. Ein bisschen Alltagsmode (Vögele, am Mittwoch), ein wenig internationaler Chic mitsamt heimischer Nachwuchsförderung (Just Cavalli und «annabelle»-Award, am Donnerstag), nationale Jungdesigner (Freitag, im Vorprogramm), die Avantgarde (hochkarätig und unter der Leitung von «Vogue»-Chefredaktorin Christiane Arp, am Freitag) und ein bisschen von allem dann am heutigen Abschlussabend. Das ist sympathisch – dennoch krankt der Anlass genau daran; die Fallhöhe ist ganz einfach zu gross. Es wird nicht klar, wofür die Fashion Days stehen, ausser natürlich als medienwirksam inszenierte Werbeveranstaltung für Vögele und die restlichen Sponsoren.

Aber worum geht es dabei eigentlich? Darum, ein Mode-Happening zu veranstalten, weil Mode gerade chic ist und sich damit Geld verdienen lässt? Oder will man einfach ein bisschen Glamour ins ansonsten glamourfreie Land bringen? Aber weshalb sollen ausgerechnet hier internationale Designer zeigen? Was hat das mit der Schweiz zu tun? Mit der hiesigen Modeszene? Wo ist der rote Faden? Was das Konzept? Die Zusammenarbeit von IMG und Vögele ist auf drei Jahre angelegt. Bei IMG – die Agentur organisiert die New Yorker Modewoche und lancierte die mittlerweile sehr erfolgreiche Mercedes-Benz-Fashion-Week in Berlin – heisst es auf Anfrage, dass man an den Modestandort Zürich glaube und in der Regel nicht investiere, wenn man nicht eine längerfristige Zukunft sähe. Man gehe deshalb davon aus, dass die Veranstaltung auch nächstes Jahr stattfinden werde.

Heute Samstag: 11 Uhr Kids Fashion Show, 21 Uhr Fashion Rocks Showcase, Tickets bei Ticketcorner. www.charlesvoegele-fashiondays.com

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