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Shoppingcenter: Paradies oder Hölle?

Die Meinungen über die riesigen Einkaufszentren gehen bei unseren Redaktoren auseinander.

Philippe Zweifel und Martin Ebel
85 Läden und 17 Restaurants: Die Mall of Switzerland wurde für 450 Millionen Franken gebaut. (27. Oktober 2017)
85 Läden und 17 Restaurants: Die Mall of Switzerland wurde für 450 Millionen Franken gebaut. (27. Oktober 2017)
Tages-Anzeiger/Urs Jaudas
Viel Platz: Bisher wurden rund 80 Prozent der Fläche des neuen Shoppingcenters vermietet.
Viel Platz: Bisher wurden rund 80 Prozent der Fläche des neuen Shoppingcenters vermietet.
Tages-Anzeiger/ Caroline Freigang
Etwas für zukünftige Musiktalente: Auf der Orchesterwand kann man die Hand auf verschiedene Instrumente legen und diese tönen dann entsprechend.
Etwas für zukünftige Musiktalente: Auf der Orchesterwand kann man die Hand auf verschiedene Instrumente legen und diese tönen dann entsprechend.
Tages-Anzeiger/ Caroline Freigang
Volle Rolltreppen: Die Besucher strömten pünktlich zur Eröffnung durch die neu eröffnete Mall.
Volle Rolltreppen: Die Besucher strömten pünktlich zur Eröffnung durch die neu eröffnete Mall.
Manuel Lopez, Keystone
Schulter an Schulter durch den Konsumtempel: Die Betreiber rechnen mit 50'000 Besuchern täglich.
Schulter an Schulter durch den Konsumtempel: Die Betreiber rechnen mit 50'000 Besuchern täglich.
Alexandra Wey, Keystone
Alles wird festgehalten: Eine Besucherin knipst ein Foto von der strahlend neuen Mall.
Alles wird festgehalten: Eine Besucherin knipst ein Foto von der strahlend neuen Mall.
Alexandra Wey, Keystone
Faszinierende Innenarchitektur: Die Besucher betrachten die auffälligen Deckenmuster.
Faszinierende Innenarchitektur: Die Besucher betrachten die auffälligen Deckenmuster.
Manuel Lopez, Keystone
Knallig und hell: Das Shoppingcenter wirke fast ein wenig amerikanisch sagte eine Besucherin.
Knallig und hell: Das Shoppingcenter wirke fast ein wenig amerikanisch sagte eine Besucherin.
Manuel Lopez, Keystone
Der Baustart war im Juni 2014: Es dauerte 41 Monate, um die Vision der Architekten umzusetzen.
Der Baustart war im Juni 2014: Es dauerte 41 Monate, um die Vision der Architekten umzusetzen.
Manuel Lopez, Keystone
Spass im Wasser: Die Pocket-Wave kann bis Dezember besucht werden.
Spass im Wasser: Die Pocket-Wave kann bis Dezember besucht werden.
Infostand für Kinder: Der Roboter Pepper gibt den Kindern Auskunft.
Infostand für Kinder: Der Roboter Pepper gibt den Kindern Auskunft.
Peace an alle Zuschauer: Die Besucher des Pathe bekamen nebst Unterhaltung auch Snacks.
Peace an alle Zuschauer: Die Besucher des Pathe bekamen nebst Unterhaltung auch Snacks.
Kino und Fitnesscenter in einem: Die ersten Besucher trainieren auf dem Stepper im Kino Komplex. (8. November 2017)
Kino und Fitnesscenter in einem: Die ersten Besucher trainieren auf dem Stepper im Kino Komplex. (8. November 2017)
Tages-Anzeiger/ Caroline Freigang
Erste Panne: Ein Mitarbeiter probiert mit Taschentüchern das tropfende Wasser zu stoppen.
Erste Panne: Ein Mitarbeiter probiert mit Taschentüchern das tropfende Wasser zu stoppen.
Süsse Köstlichkeiten: In den 17 Restaurants haben die Besucher die Gelegenheit, sich zu verpflegen.
Süsse Köstlichkeiten: In den 17 Restaurants haben die Besucher die Gelegenheit, sich zu verpflegen.
Wonder-Waffel: Im Erdgeschoss lädt ein edler McDonalds mit Schwarz-Weiss-Tafeln und Wonder-Waffel zum Verweilen ein.
Wonder-Waffel: Im Erdgeschoss lädt ein edler McDonalds mit Schwarz-Weiss-Tafeln und Wonder-Waffel zum Verweilen ein.
Wo stehe ich hier: Ein Junge orientiert sich auf dem Lageplan des Schoppingcenters.
Wo stehe ich hier: Ein Junge orientiert sich auf dem Lageplan des Schoppingcenters.
Gigantische Grösse: Die Mall of Switzerland ist circa 10 Fussballfelder gross.
Gigantische Grösse: Die Mall of Switzerland ist circa 10 Fussballfelder gross.
Beleuchtete Rolltreppen: In der neusten Schweizer Mall sollen 1100 Arbeitsplätze geschaffen werden.
Beleuchtete Rolltreppen: In der neusten Schweizer Mall sollen 1100 Arbeitsplätze geschaffen werden.
Traditioneller Empfang: Alphornbläser musizieren vor dem Eingang der Mall.
Traditioneller Empfang: Alphornbläser musizieren vor dem Eingang der Mall.
Menschen so weit das Auge reicht: Massen von Menschen stehen im Eingang und drängen die Rolltreppe hoch
Menschen so weit das Auge reicht: Massen von Menschen stehen im Eingang und drängen die Rolltreppe hoch
Vom Regen ins Trockene: Die Besucher strömen in die neu eröffnete Mall.
Vom Regen ins Trockene: Die Besucher strömen in die neu eröffnete Mall.
Das Band ist durchschnitten: Jetzt ist das neuste Schweizer Shoppingcenter eröffnet.
Das Band ist durchschnitten: Jetzt ist das neuste Schweizer Shoppingcenter eröffnet.
Der Moment des Tages: Hier durchschneiden Robert Küng, (Regierungsrat Luzern), Daniel Gasser, (Gemeinderat Ebikon), Max Hess, (Gemeinderat Dierikon), und Jan Wengeler, (Center Manager) das rote Band vor der Mall of Switzerland. (8. November 2017)
Der Moment des Tages: Hier durchschneiden Robert Küng, (Regierungsrat Luzern), Daniel Gasser, (Gemeinderat Ebikon), Max Hess, (Gemeinderat Dierikon), und Jan Wengeler, (Center Manager) das rote Band vor der Mall of Switzerland. (8. November 2017)
Alexandra Wey, Keystone
Seht mal alle her: Die Damen in Weiss spielen mit dem roten Band vor dem Eingang.
Seht mal alle her: Die Damen in Weiss spielen mit dem roten Band vor dem Eingang.
Behält alles im Auge: Ein Sicherheitsbeamter bewacht die gläserne Einkaufspforte.
Behält alles im Auge: Ein Sicherheitsbeamter bewacht die gläserne Einkaufspforte.
Der Regierungsrat Robert Küng hält die Eröffnungsrede.
Der Regierungsrat Robert Küng hält die Eröffnungsrede.
Hüte in der Form des Logos: Diese Damen unterhalten die Besucher vor dem Eingang des neuen Zentrums.
Hüte in der Form des Logos: Diese Damen unterhalten die Besucher vor dem Eingang des neuen Zentrums.
Der letzte Schliff für die Show: Bevor sich die Tore öffnen, machen sich die Künstler bereit, um den Besuchern ein Spektakel zu zeigen. (8. November 2017)
Der letzte Schliff für die Show: Bevor sich die Tore öffnen, machen sich die Künstler bereit, um den Besuchern ein Spektakel zu zeigen. (8. November 2017)
Tages-Anzeiger/ Caroline Freigang
Trommelwirbel: Für die Eröffnung sind diverse Vorstellungen geplant. (8. November 2017)
Trommelwirbel: Für die Eröffnung sind diverse Vorstellungen geplant. (8. November 2017)
Tages-Anzeiger/ Caroline Freigang
Mehr Besucher als die Rigi und das Verkehrshaus zusammen: Im 65'000 Quadratmeter grossen Center werden jährlich 5 Millionen Besucher erwartet.
Mehr Besucher als die Rigi und das Verkehrshaus zusammen: Im 65'000 Quadratmeter grossen Center werden jährlich 5 Millionen Besucher erwartet.
Tages-Anzeiger/Urs Jaudas
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Philippe Zweifel

Hier bin ich Konsument, hier darf ichs sein.

Paradies

In meiner urban-sozialen Filterblase mag man keine Malls. Natürlich nicht. Sie sind der Inbegriff für westliche Dekadenz: Konsumgeilheit, Überfluss, verantwortlich fürs Lädelisterben. Noch schwerer wiegt, dass sie gross, unpersönlich und hässlich sind.

Zwar behaupte ich gegenüber Freunden und Familie das Gegenteil – ich bin ja Journalist und kein Konsumzombie! –, aber die Wahrheit ist: Ich mag Shoppingcenter. Je grösser, desto besser. Zum einen sind sie praktisch. Regensicher, Dutzende Läden aneinandergereiht, ÖV-Anschluss, keine Parkplatzknappheit, keine Warteschlangen. Für einen wie mich, der zum Minimalismus neigt und seine Weihnachtsgeschenke am 24. Dezember nach Büroschluss kauft, ist das fantastisch. Letztes Jahr habe ich fünf Geschenke in 30 Minuten klar gemacht.

Shopping-Tempel haben aber auch eine beruhigende Wirkung. In Amerika, wo die Malls herkommen, gibt es ein Wort dafür: Retail Therapy, Einzelhandel-Therapie. Wie wahr! Mit dem Abtauchen in der anonymen Menschenmasse verschwinden für eine Weile auch die Alltagsproblemchen. Ein Kauf ist ausserdem nicht nur ein kapitalistischer Vorgang, sondern manchmal schlicht ein Geschenk für sich selbst. Und wer sagt, dass man überhaupt etwas kaufen muss?

In diesem Sinn gleich noch ein Coming-out: Besonders gerne verbringe ich in den Malls Zeit in den Läden für Unterhaltungselektronik. Wenn ich zwischen den Gadgets wandle, ist der Mediamarkt kein hässlicher Discounter mehr, sondern ein Supercollider menschlicher Erwartungen und neuer Technologie. Das gilt nicht nur für die neusten Smartphones und Lautsprecher. Zuweilen vergleiche ich sogar die Leistungen der Waschtürme.

Mall-Verächter reden von Konsumterror, aber ist die Sozialkontrolle des Dorfladens und der Originalitätszwang der urbanen Lädeliwelt mit ihren gut gelaunten Angestellten, die einem duzen, obwohl man 30 Jahre älter als sie ist, nicht schlimmer? Alles ist dort durchdesignt, überall Shabby-Chic, weil ja nicht der gute, sondern der besonders schlechte Geschmack als Zeichen echter Souveränität gilt. Oder ist das schon wieder vorbei? In der Mall spielen solche Zeitgeist-Mysterien keine Rolle. Fern von perfekter Unperfektheit und der Einsamkeit des Internet-Shoppings beisse ich im Burger King in einen Double Whopper und denke zufrieden: Hier bin ich Konsument, hier darf ichs sein.

Martin Ebel

Geht spazieren und liest zu Hause ein gutes Buch.

Hölle

Die «Mall of Switzerland» – was für ein aufgeblasener, pseudo-internationaler Name für das neue Einkaufszentrum in Ebikon! Und wie passend für diese aufgeblasene neue Kunstwelt. Während wir das Lädelisterben in den Innenstädten beklagen und beobachten, wie der Onlinehandel rasant weiter wächst, errichten Investoren auf der grünen Wiese eine Konsumwelt nach der anderen, die das erzeugen sollen, was ihre Marketingfuzzis das «Einkaufserlebnis» nennen. Was soll das bitte sein? Geld ausgeben für etwas, was man, wenn man es nicht hätte, gar nicht vermisssen würde?

Ein Superlativ – 65'000 Quadratmeter! –, ein paar Attraktionen – die grösste Imax-Leinwand!, die erste Indoor-Welle! – können nicht verbergen, dass es in Ebikon wie anders und überall derselbe Einheitsbrei ist, der dem «urbanen Shopper» verabreicht wird. Modeläden, Schuhläden, Restaurants, Kinos, Kinderabladezonen. Wie einfallslos. Durch flexible Fassaden will man in Ebikon gar eine «natürlich gewachsene Einkaufsstrasse» vorspiegeln. Draussen, in der richtigen Welt, gibt es sie ja immer weniger.

Die Mall ist die softe Form der Gated Community. Rein darf, wer Geld auszugeben hat. Oder wer staunend zusieht, wie andere Geld ausgeben. Das Kaufhaus wird zur Welt, und umgekehrt schrumpft der Mensch zum Käufer, auch wenn man ihm suggeriert, es sei seine Freizeit, die er in aller Freiheit in den Shopping-Alleen verplempert. Man muss kein vernagelter Altlinker sein, damit einem hier Begriffe wie «falsches Bewusstsein» oder «Entfremdung» einfallen.

Finanziert hat die neue Kunstwelt der Staatsfonds von Abu Dhabi. Dort am Golf gibt es ausser Wüste ja nichts, und dort ist es so heiss, dass sich die Bewohner gern in den klimatisierten Malls aufhalten – die Reichen zum Shoppen und Reichtumzeigen, die anderen zum Bedienen. Nun zerfällt die Schweiz nicht in Herrschaft und Arbeitssklaven, und die Bevölkerung hat durchaus Geld, das sie ausgeben kann – aber sie hat hierzulande auch Besseres zu tun, als ihre Zeit in Malls totzuschlagen. Das sollte sie dann auch tun. Wandern, spazierengehen, ins Museum, zu Hause ein gutes Buch lesen oder einen der kleinen Läden in der Nachbarschaft aufsuchen. Das «Einkaufserlebnis» besteht dann vielleicht in einem Schwatz mit dem Besitzer oder der Nachbarin, die dort auch gerade einkauft.

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