Das Piemont, der italienische Vorgarten der Schweiz

Ein Schweizer Paar führt in Ameno seit knapp zwanzig Jahren eine Pension in einer alten Villa. Mitten in den Hügelzügen zwischen Alpen und Flachland lässt es sich gut Ferien machen.

Ein See zwischen Po-Ebene und Hochgebirge: Der Lago d’Orta ist das touristische Zentrum zwischen Domodossola und Novara. (Manuel Gnos)

Ein See zwischen Po-Ebene und Hochgebirge: Der Lago d’Orta ist das touristische Zentrum zwischen Domodossola und Novara. (Manuel Gnos)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Aus dem Keller klingt Jazz, es duftet nach Wein. Die Flaschen klirren in den Drahtharassen, und man hört die Stimmen zweier vergnügter Männer. Sie füllen Wein aus grossen Fässern in schöne alte Flaschen ab. Über ihren Köpfen hängen geräucherte Würste und Käselaibe, hinter ihnen türmt sich ein dunkles Holzgestell auf, in das sie sorgfältig die Weinflaschen stellen und legen.

Blick ins Monte-Rosa-Massiv

Wir befinden uns in der Villa Pastori, einem alten Anwesen auf den Hügeln über dem Lago d’Orta in der norditalienischen Provinz Piemont. Ameno heisst der Ort. Von hier aus sieht man im Süden die Po-Ebene und im Norden die schneebedeckten Alpen mit dem wuchtigen, vor dem Einnachten rot leuchtende Monte-Rosa-Massiv. Nur eine Stunde südlich von Domodossola gelegen, ist die Villa so etwas wie der italienische Vorgarten für die Gäste von der Alpennordseite.

Ursprünglich war die Villa Pastori ein einfaches Bauernhaus, dessen erste Mauern im 16. Jahrhundert hochgezogen wurden. Später ging das Anwesen an Adlige über, und immer wieder wurden Teile angebaut, verändert und dem Zeitgeist angepasst. Zuletzt gehörte die Villa der Industriellenfamilie Pastori aus Mailand, die das Gut als Ferienresidenz nutzte. 1991 erwarben Ruth Widmer und Markus Gasser zusammen mit Freunden den 8000 Quadratmeter grossen Landsitz und bauten ihren Teil des Hauses zu einer Pension um.

Das Do-it-yourself-Paar

Fünf Zimmer haben die beiden heute zu vermieten. Sie servieren den Gästen das Frühstück mit Brot aus dem eigenen Holzofen. Überhaupt macht das Paar vieles selber: Ruth Widmer hegt und pflegt zum Beispiel den riesigen Park, den man auf 1000 Meter Kiesweg erkunden kann. Ihr Partner Markus schreinert, zimmert, mauert und malt. In jahrelanger Arbeit haben sie die Räume renoviert und neu gestaltet, mit Jugendstilmöbeln geschmackssicher eingerichtet, Duschen eingebaut und Zentner von Schutt hinausgekarrt.

«Als wir die Villa übernahmen, war vieles in einem schlechten Zustand», erzählt Markus Gasser. Im vier Meter hohen Saal, wo heute die Gäste frühstücken, sei zum Beispiel die reich verzierte Stuckdecke heruntergehangen, in andern Zimmern sei der Boden vollkommen kaputt gewesen. Mithilfe von einheimischen Handwerkern und von Freunden aus der Schweiz haben die beiden das Anwesen nach und nach auf Vordermann gebracht. Dabei sind sie mit Bedacht vorgegangen, sodass die Villa heute eine gemütliche Mischung aus glitzernden Kronleuchtern und verwitterten Aussenfassaden ist.

«Wir haben damals, vor knapp zwanzig Jahren, gefunden, was wir suchten, ohne zu wissen, was wir suchen», sagt Ruth Widmer heute. Vielen Gästen, die zum ersten Mal hierherkommen, geht es ebenso: Spätestens wenn man hinter dem schweren Eisentor am Rand des Grundstücks die von Linden gesäumte Auffahrt erreicht, geht einem das Herz auf, und man hat das Gefühl, angekommen zu sein.

Einkaufen bei Woody Allen

Das Dorf Ameno ist überschaubar. Rund 900 Einwohnerinnen und Einwohner leben hier, es gibt drei Bars (eine davon mit einem herrlichen Innenhof), eine Metzgerei und zwei kleine Lebensmittelläden. Der eine davon hat auch Zeitungen und Zeitschriften im Angebot (manchmal gar die «Neue Zürcher Zeitung»), der andere wird von einem köstlichen Ehepaar geführt, wobei er aussieht wie die italienische Version von Woody Allen.

Der nahe Lago d’Orta ist das wichtigste Ausflugsziel in der Gegend. Im Sommer ist er angenehm warm, und es gibt rund um den See Bademöglichkeiten. Am Ufer des Sees liegt Orta, ein hübsches kleines Städtchen mit barocken Sakralbauten, Bürgerhäusern aus der Renaissance, verschiedenen kleinen Restaurants und der Piazza Motta direkt am See.

Mit dem Boot kann man sich von hier aus auf die Isola San Giulio fahren lassen und dort die verwinkelten Gässchen durchstreifen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes steigt die Gasse Salita della Motta an, die zur Kirche Santa Maria Assunta und weiter zum Sacro Monte d’Orta führt, von wo man einen prächtigen Ausblick hat.

Streifzüge durch Brockenhäuser

Ruth und Markus (man ist hier schnell per Du miteinander) können den Gästen gute Tipps geben für Streifzüge durch die Brockenhäuser der Region oder für Ausflüge nach Novara und Turin (siehe Kasten unten). Sie selbst fahren freitags regelmässig an den Wochenmarkt in Borgomanero, der sich von jenem in Domodossola dadurch abhebt, dass er von Touristen kaum beachtet wird und trotzdem eine reiche Auswahl an frischen Lebensmitteln und dem üblichen Markt-Krimskrams bietet – inklusive CDs mit den gesammelten Ansprachen Benito Mussolinis . . . Wer gesittetere Klänge bevorzugt, wird mit Markus schnell einmal über Musik, insbesondere über Jazz und Blues, diskutieren. Eine Leidenschaft, die er als Mitorganisator von «Ameno Blues» auch ins Dorfleben trägt. (Der Bund)

Erstellt: 10.11.2009, 10:41 Uhr

Kommentare

Blogs

Von Kopf bis Fuss Schwanger dank Zyklus-App?

Der Poller Liebes Afrika

Die Welt in Bildern

Ihr Kopf ist so gross wie das Junge: Das Nashhorn Baby Kiano steht im Zoo von Erfurt neben seiner Mutter. (15. Januar 2019)
(Bild: Martin Schutt) Mehr...