Auf der Alm von Herd zu Herd

Südtirol bietet eine raffinierte Küche und ein Essfestival mitten in den Bergen mit Rehragout und Kakao-Taglioni.

Schlemmen und schlendern: Für 80 Euro können Gäste auf der Gompm Alm mitessen. Foto: Beat Stähli

Schlemmen und schlendern: Für 80 Euro können Gäste auf der Gompm Alm mitessen. Foto: Beat Stähli

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Es ist eine besondere Premiere an diesem Augustsonntag: Auf der Gompm Alm auf 1800 Metern über Meer hantiert Gerhard Wieser auf einem antiken, mit Holz befeuerten Herd mit Pfannen und Kochlöffeln. Der 2-Stern-Koch, der sonst im 5-Stern-Hotel Castel bei Meran die Gäste verwöhnt, nimmt mit vier weiteren Spitzenköchen am ersten Gourmet-Open-Air in luftiger Höhe teil. «The Unplugged Taste» nennt sich das Ganze – Genuss ohne Strom.

Rund 260 Personen sind zu Fuss oder mit der Hirzer-Seilbahn zur Alpwirtschaft oberhalb von Saltaus gepilgert und geniessen beim Mittagessen die Aussicht ins Passeiertal. «Wir bringen die Sterne­küche auf die Alm», sagt Wieser. Und: «Wir verkochen nur beste, regionale Produkte.» Wieser hat ein Ur-Rezept – Röstkartoffeln mit Spiegelei – veredelt. Sein Menü besteht aus Freilandeiern, Kartoffelschaum und geräuchertem Rindsfilet. Die Portionen sind nicht zu gross, sodass auch das Angebot der anderen Köche degustiert werden kann– etwa Risotto mit Honigwachtel, Gnocchi mit Graukäse und Berberitzenmar­melade, Kakao-Taglioni mit Rehragout. Bei jedem Gericht wird der passende Wein kredenzt; den Armbändel, der einen als Gast kennzeichnet, gibt es für 80 Euro beim Eingang zur Alpweide.

Ungewöhnliche Events

Die Besucherinnen und Besucher schlendern von Kochherd zu Kochherd. Und setzen sich zum Essen spontan an einen der festlich geschmückten Tische auf der Wiese. «Es läuft toll», freut sich Helmut «Helli» Gufler, der Ini­tiant des Anlasses. Gufler ist seit 23 Jahren auf der Alm, die seinem Grossvater gehört hat, und macht immer wieder mit ungewöhnlichen Events von sich reden. Auch Koch Gerhard Wieser zieht zwischen Hauptgängen und Dessertbuffet eine positive Bilanz: «Alle sind zufrieden, die Location stimmt, was will man mehr?» Bereits jetzt steht fest, dass das Gourmetgipfeltreffen am 23. August 2015 wieder stattfinden wird.

«100 Prozent regionale Produkte» ist auch bei «Pur Südtirol» Programm: Unter dem Label wurde 2010 in der Meraner Innenstadt ein Genussmarkt eröffnet. In einem modern eingerichteten Ladenlokal mit Bistro werden Erzeugnisse von höchster Qualität angeboten, die ausschliesslich von regionalen Bauern, Handwerkern und Künstlern stammen. «Nur Regionales anzubieten, hat etwas Totalitäres», gibt Günther Hölzl, der «Pur Südtirol» zusammen mit Ulrich Wallnöfer gegründet hat, zu. «Trotzdem ist es uns wichtig, für Werte wie Regionalität, Saisonalität, Nachhaltigkeit und Verantwortung einzustehen.» Zu jedem Produzenten bestehe eine persönliche Beziehung, damit die Kundinnen und Kunden «gesundheitsbewusst und reuelos zubeissen können».

Verweilen im Salon

Verkauft werden vor allem Käse, Fleischspezialitäten, Früchte, Gemüse, Milchprodukte, Brot, Teigwaren und Wein. «Wir haben rund 1700 Produkte von über 260 Produzenten im Angebot.» Von seiner Maxime abweichen müsse er lediglich im Winter beim Gemüse, sagt Hölzl. «Da stammen die Produkte nicht aus Südtirol, aber immer noch aus Italien.» Und das werde deklariert. Inzwischen macht Hölzl einen jährlichen Umsatz von «etwas mehr als einer Million Euro». Neu ins Leben gerufen hat er kürzlich «Pur Manufactur». Unter diesem Label entwerfen und gestalten Künstler Küchenutensilien, die im Laden verkauft werden. Das Konzept kommt bei der Kundschaft an: 2012 wurde in Bruneck ein weiteres Geschäft eröffnet, und seit diesem Sommer ist «Pur Südtirol» auch in der Landeshauptstadt Bozen vertreten.

Auf «hochwertige, regionale Produkte» trifft man ebenfalls im stilvoll renovierten Gasthaus Ottmanngut, Suite & Breakfast, in Meran. Jedes der neun Zimmer ist geschmackssicher mit antikem Mobiliar eingerichtet; im Erdgeschoss lädt ein Salon zum Verweilen ein.

Palmen vor Bergflanken

Wer hier übernachtet, muss sich fürs Frühstück Zeit nehmen. Die Gastgeber überraschen jeden Morgen mit einem hausgemachten Mehrgänger – darunter zum Beispiel ein Biomüesli mit Marillen, wie die Aprikosen in Südtirol und in ­Österreich heissen. Die Butter stammt von einer kleinen Algunder Sennerei, das ­Joghurt aus Sterzing, das Biobrot aus St. Walburg im Ultental. Der junge Martin Kirchlechner, der den Familienbetrieb zusammen mit seinem Bruder Clemens führt, will wissen, woher die Zutaten stammen. Wenn es eines Beispiels bedürfte, was die Meranerinnen und Meraner unter «alpin-mediterranem» Lebensgefühl verstehen, so kommt man diesem im Garten des Ottmanngut – umgeben von Reben, Palmen, Oleander, Zypressen und Bergflanken – wohl sehr nahe.

Die Innenstadt von Meran, mit knapp 39'000 Einwohnern die zweitgrösste Stadt Südtirols, ist vom Ottmanngut aus in wenigen Minuten zu Fuss erreichbar. Das mondäne Kurhaus am Ufer der Passer zeugt von der Bedeutung der Stadt als Kurort. Das Klima ist mediterran: Die Texel-Berggruppe im Norden hält Niederschläge zurück, aus dem Süden strömt warme Luft in den Talkessel. Im 19. Jahrhundert sind die Kurgäste deshalb in Scharen angereist, selbst im Winter. Auch Kaiserin Sisi gehörte dazu. Entlang der Passer kann man auf den Spuren der Kaiserin auf der Gilfpromenade bis zur Gilfschlucht spazieren. Wer heute im Thermalwasser baden will, besucht die moderne Bäderlandschaft in der Therme Meran von 2005.

Eine Schau über «Blümchensex»

Auch in den Gärten von Schloss Trauttmansdorff bei Meran trifft man auf Spuren der Kaiserin. Sie hat während zweier Winterkuraufenthalte, 1870 und 1889, im Schloss gewohnt. Jetzt beherbergt das Gebäude das «Touriseum», Südtirols Landesmuseum für Tourismus. Eine Dauerausstellung ist Sisi gewidmet, in der Hauptausstellung wird Rückschau auf die 200-jährige Geschichte des Tiroler Tourismus gehalten.

Hauptattraktion sind aber die botanischen Gärten von Schloss Trauttmansdorff, die 2001 angelegt und stetig erweitert worden sind. Vom Matteo Thun’schen Gucker aus, einer Aussichtsplattform, schweift der Blick über die mehr als 80 Gartenlandschaften: Waldgärten, Sonnengärten, Wasser- und Terrassengärten sowie Landschaften Südtirols. Es lohnt sich, genügend Zeit für einen Rundgang ein­zuplanen und sich einer Führung durch die wundervoll gestaltete Anlage anzu­schliessen, die 2013 zum ­«Internationalen Garten des Jahres» gekürt worden ist. Sonderausstellungen bieten einen zusätzlichen Einblick in die Welt der Botanik. «Blümchensex?» heisst die aktuelle Schau, die darstellt, wie es die Pflanzen «machen» (noch bis zum 15. November).

Wer noch nicht genug Sisi hat, dem sei der Besuch des K.-u.-K.-Museums in Bad Egart, Töll/Partschins, ans Herz gelegt. Was Onkel Taa, wie sich der Hausherr nennt, zusammengetragen hat, ist einzigartig.

Diese Reportage wurde unterstützt von der Marketinggesellschaft Meran. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.10.2014, 20:02 Uhr

Südtirol

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Infos

Anreise, essen, Unterkunft

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Südtirol reisen? Nach Meran etwa fährt man mit den SBB bis Landquart, dann mit der RhB bis Zernez. Dort steigt man ins Postauto nach Mals und in Mals in den Bus nach Meran. Die Fahrzeit beträgt ab Bern rund 6, ab Zürich rund 5 Stunden. Von Meran gelangt man in circa 45 Minuten mit dem Zug nach Bozen. Eine Bahnreise nach Bozen kann man auch über München buchen oder über Mailand und Verona. www.sbb.ch

Nur: Wie bewegt man sich fort, wenn man einmal dort ist? Wer also mit dem Auto kommt, wählt entweder die Strecke über den Arlberg und den Brenner (fast alles Autobahn; in Österreich muss dafür eine Vignette gelöst werden; Arlberg und Brenner kosten zusätzliche Mautgebühren). Oder über Davos via Flüelapass oder Vereina-Tunnel nach Zernez und von dort über den ganzjährig geöffneten Ofenpass.

Allgemeine Informationen
www.suedtirol.info, www.meranerland.com
Der Rote Hahn und seine mehr als
1600 Mitglieder: www.roterhahn.it

Übernachten
Weiherhof bei Brixen: www.weiherhof.it
Naturoase Stegerhof in Truden:
www.naturoase-stegerhof.com
Ottmanngut in Meran: www.ottmanngut.it

Essen
Learnerhof: www.hofkaeserei.it
Restaurant Sissi in Meran:
www.sissi.andreafenoglio.com

Diverses
Gompm Alm: www.gompmalm.it
Pur Südtirol: www.pursuedtirol.com
Museum Bad Egart: www.onkeltaa.com
Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff:
www.trauttmansdorff.it
Therme Meran: www.thermemeran.it

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