Als die Gipfel noch keine Namen trugen

Der Schweizer Alpen-Club SAC feiert sein 150-jähriges Bestehen. Aus dem einstigen Elitezirkel ist einer der grössten Sportverbände des Landes mit 140'000 Mitgliedern geworden.

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Im Jubiläumsbuch des SAC schreibt Bundesrat Johann Schneider-Ammann: «Die vielfältigen Erfahrungen, die ich in den Bergen gesammelt habe, möchte ich nicht missen. Sie haben mir viel gebracht.» Der Volkswirtschaftsminister ist Mitglied der SAC-Sektion Wildhorn – einer von inzwischen 111 Sektionen.

Dass die Schweizer Berglandschaft heute für Bundesräte und die breite Bevölkerung zugänglich ist, ist auch das Verdienst des SAC. Denn als der Alpen-Club 1863 gegründet wurde, bedeutete ein Ausflug in die Berge noch ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang.

Zahlreiche Gipfel trugen noch keine Namen. Der höchste Punkt des Landes war gerade erst von der Höchsten Spitze in die Dufourspitze umbenannt worden. Den Anstoss dazu, dass der damalige Bundesrat die Umbenennung zu Ehren des Generals beschloss, hatten die späteren Clubgründer gegeben.

«...bemühend, ja sogar beschämend»

Die Initialzündung zur SAC-Gründung lieferte ein Rundschreiben des Berner Chemikers Rudolf Theodor Simler vom Oktober 1862 an die «Alpenfreunde». Es könne nicht sein, so Simler, dass Schweizer, die sich über die Alpen informieren wollten, auf englische Publikationen zurückgreifen müssten: «Eine solche Sachlage schiene uns bemühend, ja sogar beschämend.»

Die Engländer, die an zahlreichen Erstbesteigungen in den Schweizer Alpen zwischen 1850 und 1865 beteiligt waren, hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits in einem alpinen Zusammenschluss organisiert. Dasselbe galt für die Österreicher. Im April 1863 wurde dann im Bahnhofsgebäude von Olten das überfällige Schweizer Pendant aus der Taufe gehoben. An der Gründungsversammlung nahmen neben Simler 34 weitere Männer aus der Deutschschweiz teil.

Bis 1980 ein reiner Männerverein

In der Folge finanzierte der Club detaillierte topografische Karten, organisierte die Ausbildung von Bergführern und überzog die Alpen mit Hütten und Wegen. Heute stehen zwischen dem Engadin und den Walliser Alpen 152 SAC-Hütten.

In seiner 150-jährigen Geschichte bekleckerte sich der SAC nicht nur mit Ruhm: 1907 wurden die Frauen offiziell aus dem Club ausgeschlossen. Daraufhin gründeten diese den Club Suisse de Femmes Alpinistes. Bis zum Zusammengehen der beiden Clubs im Jahr 1980 blieb der SAC ein reiner Männerverein. Heute beträgt der Frauenanteil unter den SAC-Mitgliedern rund ein Drittel.

Auch die Arbeiterbewegung machte sich der Verein, der sich zu Beginn noch als Elitezirkel sah, einst zum Feind: Während des Generalstreiks 1918 gehörte der SAC zu den wichtigsten Befürwortern von Bürgerwehren.

«Wir müssen uns dem Zielkonflikt stellen»

Heute zählt der Verein pro Jahr 300'000 Übernachtungsgäste in seinen Unterkünften. Neben Alpinisten befinden sich darunter zunehmend auch Wanderer und Familien.

Daraus ergibt sich ein Zielkonflikt zwischen dem Streben nach einem weitgehend freien Zugang zu den Alpen sowie dem Schutz der alpinen Landschaft, den sich der SAC ebenfalls auf die Fahne geschrieben hat. «Wir müssen uns dem Zielkonflikt stellen», schreibt der abtretende SAC-Zentralpräsident Frank-Urs Müller im Jubiläumsbuch.

Zumindest was die Anzahl der Hütten betrifft, scheint die Grenze des Wachstums erreicht. Seit der Eröffnung der Monte-Leone-Hütte auf dem Simplon im Jahr 1991 ist keine weitere Unterkunft dazugekommen. Den Bau weiterer Hütten schliesst der Club allerdings nicht aus.

sda

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