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Neue Hotels: Sardinenbüchsen mit Monsundusche

In Amsterdam können Kostenbewusste drei neue Hoteltypen kennen lernen: Alle kombinieren Luxus mit Einfachheit, und alle sparen unter anderem am Platz.

Manchmal fühlt man sich als Normalverdiener im falschen Film, wenn man die Hochglanzhefte durchblättert: Ein Hotel ohne märchenhaften Wellnessteil, Marmorbäder und Edelholzmöbel scheint es nicht mehr zu geben. Preise von mehreren hundert Franken pro Doppelzimmer und Nacht werden als Norm dargestellt. Neue Typen von Hotels und ihr Erfolg beweisen aber, dass eine Menge Leute nur auf günstige und doch mit gutem Basiskomfort versehene Hotels gewartet haben. Drei davon sind allein in Amsterdam zu besichtigen.

Yotel: Für Freunde der gepflegten Enge

Das extremste heisst Yotel und wird am 30. September eröffnet. Es liegt im Flughafengebäude Amsterdam-Schiphol, und zwar im Transitbereich – wer hinein will, muss an der Sperre wie ein Fluggast die Buchungsbestätigung vorweisen. Die Yotel-Zimmer sind Kabinen von 7 oder 10 Quadratmeter Fläche. Das ist mehr als in den japanischen Schubladenhotels, in deren Kabinen man nur liegen kann, aber es ist immer noch sehr eng. Die Kabine ist angenehm gestylt, doch sie hat kein Fenster. Vor der Glaswand mit Schiebetür zu Dusche und WC kann man einen Vorhang ziehen.

Das Bett ist «hand-made and organic» (der Punkt, den die Kunden der zwei Schwesterhotels in London in Befragungen neben den «Monsunduschen» am positivsten bewertet haben). Der Flatscreen und WLAN helfen über Manches hinweg. Zu Reisenden, die das Hotel nur zum Ausruhen brauchen, passt die Kargheit sehr gut. Man kann die Kabinen auch nur für vier Stunden mieten. Das kostet ab 35 Euro fürs kleinere Zimmer, in dessen Bett auch zwei Leute Platz haben. Für die Premiumräume mit breiterem Bett zahlt man pro Tag maximal 100 Euro.

Die britische Firma hat ihr erstes Hotel im Juli 2007 im Flughafen Gatwick aufgemacht, das zweite im Dezember in Heathrow. Beide haben durchschlagenden Erfolg: In Gatwick verzeichnet Yotel konstant 20 bis 30 Prozent Nachfrageüberhang. Und in Heathrow, wo mehr Transitpassagiere einen Ruheort suchen, sind es 75 bis 100 Prozent. Kein Wunder, dass Yotel nur darauf wartet, bis der Nachbarladen in Heathrow zumacht, damit das Hotel vergrössert werden kann (Yotel ist dort in einer früheren Bürozone des Airports eingemietet). Genutzt werden die Yotels etwa zur Hälfte von Business- und Vergnügungsreisenden jeden Alters. Das war so vorgesehen. Die Anlage in Schiphol ist baugleich; nur wenige Kundenreklamationen mussten berücksichtigt werden (es ging zum Beispiel um einfachere Software beim automatischen Check-in oder um die Position eines Lichtschalters).

Citizen M: Zimmer minimal, Lounge maximal

Ein ganz anderes Konzept hat Citizen M, das ebenfalls am Flughafen Schiphol liegt und seit Juni 2008 offen ist. An einer Ecktür verlässt man die Zentralhalle, geht zweihundert Meter im Freien (ein Dächlein schützt vor Regen), und schon steht man vor dem Hotel, das aus vorfabrizierten, auf- und nebeneinander gestellten Zimmermodulen besteht. Auch hier: Automaten-Check-in unter dem freundlichen Lächeln einer Empfangsdame, die im Notfall hilft. Der Gast erhält statt eines Schlüssels eine Plastikkarte, die es in sich hat: Auf ihr kann er, falls er dies sexy findet, seine Einstellung des mehrfarbigen Stimmungslichts im Zimmer speichern (für den nächsten Besuch), aber auch die Konsumation im sehr gut mit teurer Pasta und Sushi ausgestatteten Restaurant. Das Zimmer ist so breit wie das Bett – oder umgekehrt –, den Abschluss bildet das schalldichte Fenster, hinter dem stumm herumrollende Flugzeuge zu sehen sind. Um Bedrängnisgefühle auszuschliessen, hat man Dusche und WC je in einem Glaszylinder untergebracht. Der mit der Toilette ist nur halb transparent; wer im Bett liegt und nichts von den Vorgängen im WC mitbekommen will, kann neben sich einen Vorhang ziehen. In der nächsten Generation sollen beide Funktionen in einem etwas diskreteren gläsernen Oval zusammengefasst werden, dessen Einstieg auf die Zimmertür ausgerichtet ist.

Eine von Philips extra entwickelte Fernsteuerung sollte Unterhaltung, Filme oder TV auf den Flatscreen bringen und würde es ermöglichen, die Lichtfarben zu steuern. Mich ärgerte das Teil; es muss sich immer erst bei der Hauszentrale anmelden, und um den Fernseher auszuschalten, musste ich fünf Minuten herumhebeln.

Sind die Zimmer eng, fallen die Aufenthaltsräume ins gegenteilige Extrem: Schlauerweise arbeitet das Hotel M mit der Schweizer Designfirma Vitra zusammen. Ein Grossteil der Vitra-Kollektion vom Eames-Loungechair bis zum Bürostuhl wird hier, immer wieder ergänzt und neu gruppiert, vorgestellt. Das wirkt notgedrungen etwas ausstellungshaft, wird aber von den eher jüngeren Kunden begeistert gebraucht. Die zur freien Benützung vorhandenen Computer kennen nur Mac. Citizen M ist teurer als Yotel; in Schiphol zahlt man je nach Nachfrage mal 69, mal über 139 Euro pro Nacht (bis 2 Personen). Geplant sind weitere Hotels in Glasgow, Amsterdam City (beide 2009), Berlin (2010) und anderswo.

Qbic: Ganz unromantisch, aber komfortabel und billig

Wie Citizen M ist auch das dritte neuartige Hotel ein Modulgebilde. Fertigelemente werden in bestehende Büroräume gebracht und zu einer Box zusammengesetzt. Die enthält ein teures Hästens-Bett, dahinter eine Wand mit Fernseher, hinter der Wand ein offenes, türloses WC (Vorhang in Planung) und eine kabinenlose Dusche, beides mit Sanitärteilen von Philippe Starck. Die Box passt in praktisch jeden Raum. Man montiert Wasser- und Abwasseranschluss – fertig. Meist hats neben der Box oder nach dem Fussteil des Betts noch viel Platz. Auch die Bürofenster lassen sich öffnen. 6 der 35 Zimmer haben jedoch statt ein Fenster einen Spiegel mit der Aufschrift «Schöne Aussicht».

Qbic ist ein Nomade. Wo Hotelzimmer fehlen und gerade billiger Büroraum frei steht, nistet es sich ein. Im Moment steht es in einer Business-Plantage am Rand der City. Ab einer Verweildauer von etwa zwei Jahren, sagt die Firmensprecherin, kann die Sache rentieren. Das Hotel ist fast immer voll – kein Wunder, denn an manchen Tagen beträgt der Nachfrageüberhang in Amsterdams Hotels 9000 Betten.

Qbic ist nicht romantisch, aber billig: 61 bis 160 Euro (für 2), je nach Zeit und Vorlauf. Dass die Kunden nach einem allfälligen Umzug eine neue Adresse finden müssen, sei kein Problem; sie buchen ohnehin im Internet, da erklärt man ihnen den Weg und basta. Vorderhand ist keine Züglete, sondern ein zweites Hotel geplant, diesmal im Zentrum. Auch im belgischen Antwerpen will Qbic tätig werden. Die Firma fand dort Raum für 60 Zimmer, disponierte jedoch wegen des grossen Interesses um und reservierte sich eine grössere Location; die Eröffnung steht noch aus.

Die öffentlichen Räume des Hotels sind mickrig und dunkel, haben aber den berühmten Touch von junger Innovation. Die obligaten PCs sind nichts Besonderes, der Kaffeeautomat auch nicht, wohl aber ein Automat, der neben Getränken und Snacks für die Mikrowelle auch Krawatten, manchmal USB-Sticks, Zahnpasta oder Schuhputzsets im Sortiment hat. Die Krawatten laufen übrigens nach Angaben des Ein-Mann-Manager-Putzmanns recht gut. Das lässt Rückschlüsse auf eine Klientel zu, deren Tun und Lassen jeder Tourismusmanager aufmerksamst beobachten müsste: die jungen Urbanen, für die ausgelatschte Turnschuhe und ein sündteurer Laptop sehr gut zusammenpassen.

Yotel: Website mit Panoramavideo von der Kabine, www.yotel.com – Citizen M: Dieses Hotel muntert einen überall auf, das Leben zu geniessen; auf derselben Schiene läuft die sehenswerte Website www.citizenm.com – Qbic: www.qbichotels.com

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