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Zwischen Shuka und Jeans

Massai, das klingt nach Speeren, ockerfarbenen Haaren und Kriegern. Doch auch in Kenia haben Technologie und Moderne Einzug gehalten. Wie passen iPhone und Initiationsriten zusammen?

Cricket in traditionellem Dress: Die «Maasai Cricket Warriors».
Cricket in traditionellem Dress: Die «Maasai Cricket Warriors».
AFP

Im Schatten einer weit ausladenden Schirmakazie vollzieht Sonyanga Ole Ngais eine erstaunliche Verwandlung. Der 24-Jährige legt Jeans und T-Shirt ab, wickelt gekonnt ein rotes Baumwolltuch um Beine und Hüften und legt sich bunte Perlenbänder um den Hals.

Dann geht er auf ein staubiges Spielfeld, dehnt in der gleissenden kenianischen Sonne Beine und Arme und beginnt, mit einem Dutzend ähnlich gekleideter junger Männer Cricket zu spielen.

Sonyanga ist der Kapitän der «Maasai Cricket Warriors», eines auch über die Grenzen Kenias hinaus bekannten Amateurclubs aus der Laikipia-Region im nördlichen Rift Valley. Einen Namen haben sich die jungen Massai nicht nur mit ihrem sportlichen Talent gemacht, sondern vor allem wegen ihres ungewöhnlichen Outfits.

850'000 Massai in Kenia

«Warum sollten wir die weisse Cricket-Uniform tragen, wenn wir in unseren traditionellen Tüchern genauso gut spielen können?», sagt Sonyanga und fügt hinzu, mit der Kleiderwahl wollten er und seine Teamgefährten die Traditionen ihres Stammes ehren.

In Kenia gibt es gemäss Schätzungen knapp 850'000 Massai, das sind etwa zwei Prozent der Bevölkerung. Traditionell sind sie ein nomadisches Volk, das vorwiegend von der Viehzucht lebt.

Vor allem die Männer gelten seit Kolonialzeiten als Inbegriff für stolze afrikanische Krieger, die sich mit ihrer farbenfrohen Kleidung und der Haarpracht von den anderen rund 40 ethnischen Gruppen in Kenia abgrenzen. Sie werden von ihren Landsleuten einerseits bewundert, andererseits als «primitiv» betrachtet.

«Aber das ändert sich mittlerweile», sagt der Anthropologe Stephen Moiko von der kanadischen McGill-Universität: «Es kommen heute immer mehr Leute in die Gebiete, in denen die Massai leben, und indem sie das Volk kennenlernen, verstehen sie es auch besser.»

«Teil der globalen Jugend»

Viele junge Massai suchen nach einer neuen Identität im 21. Jahrhundert. Wie viele seiner Altersgenossen wagt auch Sonyanga dabei die Gratwanderung zwischen Tradition und Fortschritt.

Im Alltag trägt er Jeans, weil die «Shukas», die traditionellen Tücher, in den Städten zu viel Aufmerksamkeit erregen. «Ich betrachte mich als Teil der globalen Jugend und nicht nur als Teil der Massai-Jugend», sagt er und spielt mit seinem iPhone.

Junge Massai sind heute in unterschiedlichen Kulturkreisen unterwegs. Sie tragen Uniformen in der Schule und zuhause Stammesgewänder, sie sprechen die Massai-Sprache Maa ebenso fliessend wie die Landessprachen Englisch und Suaheli.

«Bei den Massai verändert sich seit Jahrzehnten - wenn nicht sogar Jahrhunderten - ständig etwas. Ein Teil des Problems ist, dass wir dazu tendieren, ihre Kultur als statisch zu betrachten, während wir unsere eigene Kultur für dynamisch halten», sagt die Anthropologin Dorothy Hodgson von der Rutgers University.

«Für viele junge Massai ist dies ein Dilemma: Sie wollen sich weiter entwickeln und gleichzeitig ihre Kultur beibehalten. Aber das ist schwierig», betont Hodgson. Denn Kuh- und Ziegenherden sind heutzutage schlicht nicht mehr so profitabel wie früher.

Disziplin und Respekt

Sonyangas Familie wird von zwei älteren Brüdern finanziell unterstützt, die in Schweden arbeiten. Er selbst will später als Filmemacher sein Geld verdienen, einen Kurs in TV- und Radioproduktion hat er schon belegt. Bildung sei unumgänglich.

Letztlich habe die Lebensweise der Massai gar nicht so viel mit der Kleidung oder der Arbeit zu tun, sondern mit Werten wie Disziplin und Respekt, betont Sonyanga: «Es ist egal, ob du mit deiner Shuka durch den Busch oder in hippen Klamotten durch die Strassen Nairobis läufst - am Ende wirst du heimkommen und immer noch ein Massai sein.»

SDA/wid

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