«wieso osterhase»

In dieser Rubrik beantworten unsere Redaktoren die am häufigsten gegoogelten Fragen.

Den Osterhasen kennt man zwar auch in den Vereinigten Staaten, aber er ist eine europäische Erfindung.

Den Osterhasen kennt man zwar auch in den Vereinigten Staaten, aber er ist eine europäische Erfindung.

(Bild: PD)

Philippe Zweifel@delabass

Diese Frage wurde bei Google von vielen Menschen genau so eingetippt, ohne Verb und Artikel oder Fragezeichen, grammatikalisch kreuzfalsch. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei den Fragenden um Kinder handelt, die Verdacht bezüglich der Existenz des Osterhasen geschöpft haben. Allein, wissen Sie, warum es den Osterhasen gibt? Und wieso er ausgerechnet am Fest von Jesu Tod seine bunten Eier verteilt? Ist er ein zänkischer Atheist? Oder liegt hier ein weiterer amerikanischer Marketing-Gag vor wie Halloween?

Zumindest bei der letzten Frage können wir Entwarnung geben. Den Osterhasen kennt man zwar auch in den Vereinigten Staaten, aber er ist eine europäische Erfindung. Eine deutsche, um genau zu sein. Wahrscheinlich eine der besten deutschen Erfindungen überhaupt. Neben Gummibärchen und Aspirin.

Die älteste bekannte Quelle, in der ein Osterhase erwähnt wird, ist eine Schrift des Medizinprofessors Georg Franck zu Franckenau von 1682: «In Südwestdeutschland heissen Ostereier die Haseneier. Diese Eier brütet der Osterhase aus, wie man einfältigeren Leuten und kleinen Kindern weismacht.»

Einfältige Leute! Sind das etwa jene, die bei Google «wieso osterhase» eintippen? Aber bleiben wir sachlich und verfolgen die Spur weiter. Denn Franck zu Franckenau kann trotz seines grossspurigen Namens auch nicht erklären, wieso ausgerechnet ein Säugetier Eier ausbrüten soll. Thesen gibt es einige, bestätigt ist keine. Es bleibt einem nichts anderes übrig, als die beste darunter auszuwählen und weiterzuerzählen.

These 1: Wilde Hasen kommen im Frühjahr in die Ortschaften und Gärten, weil nach dem Winter das Futter knapp wird. Naja.

These 2:Das chinesische Zeichen für Hase kann als die bildliche Darstellung der im Osten (= Ostern) aufgehenden Sonne interpretiert werden. Hm.

These 3: Das berühmte Dreihasenmotiv gilt im Christentum als Symbol für die Dreifaltigkeit. Okay.

These 4:Ein germanischer Mythos besagt, dass die Göttin Eostre eines Wintertages durch einen Wald ging und einen Vogel fand, der im Schnee an Hunger und Kälte starb. Die Göttin verwandelte den Vogel in einen Hasen, weil solche ein warmes Fell haben und leichter Nahrung finden als Vögel. Als der Frühling kam, fing das Tier an, Eier zu legen, weil es einmal ein Vogel war. Der Hase schmückte dann jedes Ei und überliess sie Eostre als Zeichen der Dankbarkeit.

Was für eine hübsche Geschichte - die ausserdem die Oster-Connection erklärt. So muss es gewesen sein.

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