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Wie viele Schweizer noch in die Kirche gehen

Eine gross angelegte Studie zeigt, wie wichtig den Schweizern Religion noch ist. Ein Fazit ist: Der Kirche wird noch eine wichtige Aufgabe zugeschrieben.

Kirche ja, Religion nein: Morgenrot über der Pfarrkirche St. Stephan in Tiefenkastel, 9. Januar 2011.
Kirche ja, Religion nein: Morgenrot über der Pfarrkirche St. Stephan in Tiefenkastel, 9. Januar 2011.
Keystone

Immer mehr Menschen in der Schweiz distanzieren sich von der christlichen Religion. Zu diesem Schluss kommt eine gross angelegte Studie. Trotzdem sprechen die meisten den Landeskirchen eine grosse Bedeutung zu – weniger für sich selbst als für sozial Schwache.

Die beiden Landeskirchen haben in den letzten 40 Jahren enorm an Boden verloren: Anfang der 1970er-Jahre gehörten je über 45 Prozent der Schweizer Bevölkerung der katholischen und der reformierten Kirche an. Heute sind noch 32 Prozent reformiert und 31 Prozent katholisch, wie der Schweizerische Nationalfonds (SNF) mitteilt.

Zugelegt haben nichtchristliche Religionen (heute 12 Prozent) und vor allem die Konfessionslosen, wie eine Studie im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Religionsgemeinschaften, Staat und Gesellschaft» (NFP 58) zeigt: Hatte noch vor 40 Jahren bloss ein Prozent der Bevölkerung keine Konfession, sind es heute 25 Prozent.

Distanziert, nicht ablehnend

Allerdings sagt die Konfession gemäss den Autoren um Jörg Stolz von der Universität Lausanne nicht viel aus über religiöse Praktiken und Glaubensvorstellungen. Auch Konfessionslose können an Gott glauben oder alternativ spirituell sein. Die Forscher teilten die 1229 Teilnehmer ihrer Umfrage deshalb in vier Religiositätstypen ein.

Die weitaus grösste Gruppe ist jene der Distanzierten (64 Prozent). «Distanzierte glauben nicht nichts, sie haben gewisse religiöse und spirituelle Vorstellungen und Praktiken», schreiben die Forscher in ihrem Schlussbericht. Diese seien aber im Leben dieser Menschen nicht besonders wichtig – so gehen sie zum Beispiel nur sporadisch in die Kirche.

17 Prozent der Befragten zählen zur Gruppe der Institutionellen. Sie sind Mitglieder der Landeskirchen oder von evangelischen Freikirchen und pflegen einen lebendigen Glauben an Gott. 10 Prozent gehören zum Typ der Säkularen, die jeglicher Form von Religiosität entweder indifferent oder gar ablehnend gegenüber stehen.

Männer religionsfeindlicher

Die vierte Gruppe, die Alternativen, umfasst 9 Prozent der Bevölkerung. Diesen Menschen bedeuten holistisch esoterische Ansichten und Praktiken im Leben viel. Sie schwören auf pflanzliche Heilmittel, Atem- oder Bewegungstechniken, lesen esoterische Bücher oder nehmen die Dienste spiritueller Heiler in Anspruch. Anhänger nichtchristlicher Religionen wurden nicht berücksichtigt.

Bei den meisten Konfessionslosen handelt es sich laut der Studie nicht um säkulare Menschen sondern um distanzierte. Das Lager der Alternativen wird dominiert von Frauen. Umgekehrt sind mehr Männer säkular und damit religionsfeindlich als Frauen.

Die zunehmende Distanziertheit der Bevölkerung von der Kirche widerspiegelt sich auch in der Entwicklung der Kirchenbesuche. Immer weniger Menschen gehen regelmässig in die Kirche. Ende der 1960er- Jahre taten dies noch knapp 30 Prozent wöchentlich oder öfter, heute sind es noch 8 Prozent.

Ein christliches Land?

Kann aufgrund dieser Zahlen noch davon gesprochen werden, dass die Schweiz ein christlich geprägtes Land ist? Während die Gruppe der Institutionellen davon fest überzeugt ist, gaben sich die anderen drei Gruppen – also ein Grossteil der Bevölkerung – auf diese Frage zurückhaltend.

Das heisst aber nicht, dass die Bevölkerung die Institution Kirche für unwichtig hält: Zwar messen viele Menschen der Kirche für ihr eigenes Leben wenig Bedeutung zu. Unabhängig vom religiösen Typus spricht aber eine deutliche Mehrheit den Landeskirchen eine grosse Bedeutung zu für sozial benachteiligte Menschen.

SDA/bru

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