«Alles was ich. Tun will. Ist mit dem Schwanz wedeln»

Wie man die menschliche Hundeliebe zu Geld macht – ein Amerikaner machts vor. Mit einem Hunde-Rating und Hundelyrik.

Welcher Hundebesitzer will schon nicht hören, wie toll sein Vierbeiner ist.

Welcher Hundebesitzer will schon nicht hören, wie toll sein Vierbeiner ist.

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Wir Hundebesitzer sind unobjektive Menschen, unser Verhalten ähnelt jenem von Jung-Eltern: Wir denken, unser Tier sei das gescheiteste und lustigste von allen, das hübscheste sowieso. Doch manchmal nagt der Zweifel, ob das wirklich stimmt. Dies hat auch der Amerikaner Matt Nelson gemerkt und daraus ein Business gemacht, denn wie bei Jung-Eltern sitzt bei Hundebesitzern das Portemonnaie locker, wenn es um ihre Prachtstücke geht.

WeRateDogs heisst Nelsons Twitter-Konto, auf dem er Fotos von Hunden bewertet und mit einem Kommentar versieht. Die höchste Note ist zehn, aber Nelson ist grosszügig. Ein typisches Rating ist 12/10, also 12 von 10 Punkten. Das Konzept ist so simpel wie genial, welcher Hundebesitzer will schon nicht hören, wie toll sein Vierbeiner ist. Nelsons Twitter-Account hat inzwischen schon mehr als sieben Millionen Follower.

Nun sind schon viele Menschen im Internet über Nacht zu Stars geworden – und genau so schnell wieder vergessen gegangen. Doch der 21-jährige Nelson, selber Besitzer eines Retrievers, wusste dies und setzte alles auf eine Karte. Er verliess die Uni und machte sein seltsames Hobby vor zwei Jahren zum Beruf. Mit zwei Angestellten bewältigt er Tausende von Zuschriften und bewertet Hunde aus aller Welt. Inzwischen ist WeRateDogs zu einer Marke geworden und Nelson verdient mit Merchandising wie T-Shirts, Kappen oder Hundeleinen einen sechsstelligen Dollar-Betrag pro Jahr.

Seine Idee war so erfolgreich, dass er sich sicher war, die Hunde-Obsession der Leute weiter monetarisieren zu können: mit dem Twitter-Account Thoughts of Dog. Denn was Hundebesitzer ebenfalls mit Eltern von Babys verbindet, ist das Grübeln darüber, was im Kopf ihrer Lieblinge vorgeht. Nicht nur darüber, ob sie wohl hungrig sind oder etwa mal müssen. Sondern was ihnen durch den Kopf geht, wenn sie gedankenverloren aus dem Fenster gucken oder einem forsch ins Gesicht starren.

Nelson verwendet für seine Hundegedanken eine Steno-Syntax, die wohl an das abgehackte Bellen der Tiere erinnern soll und so eine fast schon lyrische Qualität hat. «Manchmal. Bin ich aufgeregt. Und alles was ich. Tun will. Ist mit dem Schwanz wedeln. Aber jedes Mal. Ist es der ganze Körper. Der wedelt.» Oder: «Oft frage. Ich mich ob es. Im Leben mehr gibt als. Lächerlich gut auszusehen.»

Kurz, Matt Nelson ist nicht nur ein talentierter Geschäftsmann, sondern ein Komiktalent mit einer poetischen Seele: «Ich hatte einen Albtraum. Dass ich draussen spielte. Mit meinem ausgestopften Freund Sebastian. Der Wind hat ihn weggeweht. Ich bin mir nicht sicher woher. Die Menschen vom Albtraum wussten. Aber sie sind bei mir am Boden. Und kuscheln.»

Solche Tweets lieben Nelsons Fans, sie nennen ihn respektvoll «The Dogfather». Und auch ich muss eingestehen, dass ich ihm kürzlich ein Foto von meinem Hund zukommen liess. Er hat es noch nicht bewertet. Aber ich erwarte mindestens 14 von 10 Punkten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.09.2018, 10:02 Uhr

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