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Welches ist der hässlichste Ort der Schweiz?

In dieser Rubrik beantworten unsere Redaktorinnen und Redaktoren häufig gegoogelte Fragen.

Keine Augenweide: Die Gegend beim Seetalplatz in Emmenbrücke. Foto: Alexandra Wey (Keystone)
Keine Augenweide: Die Gegend beim Seetalplatz in Emmenbrücke. Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Die Schweiz und hässlich – ist das nicht ein Widerspruch? Eine Mini-Recherche zeigt, dass die Frage vor allem von Touristen und Expats gestellt wird, die sich untereinander über Reiseziele und Orte in der Schweiz austauschen. In entsprechenden Foren stösst man auf Warnungen wie «Don’t go to Jungfraupark, totally ugly!» ... und so weiter. Allerdings gehts nicht lange, bis jemand relativierend einwirft: Eigentlich gebe es keine hässlichen Orte in der Schweiz. Such a beautiful country! Braver Expat.

Ja, unsere Berge und die schmucken Altstädte können sich sehen lassen. Doch was die meisten Touristen nicht wissen: es geht auch anders. Zum Beispiel Spreitenbach und Visp, Prunkstücke für planlose Verstädterung. Oder Liestal, die unterwältigendste Kantonshauptstadt der Schweiz. Links und rechts bebaute Hänge, unten ein bisschen Altstadt und Industrie. Wallisellen und Davos sind auch nicht besonders hübsch. Und Emmenbrücke erst. Emmenbrücke! Fabriken, Verkehrskreuze, Wohnsilos, stadtein- und -auswärts deprimierende Tankstellen mit noch deprimierenderen Tankstellenshops.

Mit international berühmten Unorten können diese Städte natürlich nicht mithalten. Wir haben in der Schweiz kein graues Ödland mit Bürogebäuden und einem Parkhaus als Wahrzeichen, wie das englische Slough – das so hässlich ist, dass die Bewohner ihre Stadt trotzig in Schutz nehmen. Das Derbe, Morbide von Industriestädten wie dem belgischen Charleroi mit seinen stillgelegten Stahlwerken und Kohleminen ist bei uns auch abwesend. Doch ist die tötelige Stimmung schweizerischer Häuseransammlungen ohne Dorfkern nicht fast schlimmer als die Plattenbauten von Ulan Bator? Wenigstens leben dort viele Leute.

Von Grossverschandelungen blieben wir weitgehend verschont, aber in unserem kleinen Land herrscht Zersiedelung, mit Häuschen, die null zusammenpassen, im schlimmsten Fall mit Kunststeinmäuerchen und Gartenzwerglein davor. In den vielgerühmten Bergen, zumindest in den Ferienorten, sieht es nicht viel besser aus; überall Betonbauten mit Holzverkleidung, Pseudo-Chalets, aber Hauptsache sie strahlen Heimeligkeit aus.

Natürlich, vielen gefällt das. Dasselbe gilt für die stillen, reichen Vorortsgemeinden mit ihren Sichtschutzhecken aus Kirschlorbeer sowie für den auf Hochglanz geschrubbten öffentlichen Raum. «Bei euch in der Schweiz», witzelte einst der israelische Schriftsteller Ephraim Kishon, «ist alles so geregelt, so sauber, so korrekt. Kann man da wirklich leben?» Vielleicht ist dies das Hässlichste an der Schweiz: ihr Wille zu putziger Schönheit.

Wie hätten Sie die Frage beantwortet? Welcher Ort oder welche Ortschaft in der Schweiz missfällt Ihnen? Vorschläge kann man unten eintragen.

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