Zum Hauptinhalt springen

Was tun mit einer Züri-Sack-fixierten Nachbarin?

Die Antwort auf eine Stilfrage zum Zusammenleben in einem Mehrfamilienhaus.

Was die einen wegwerfen, hat für andere einen besonderen Reiz: Abfallcontainer in Zürich. Foto: Gaetan Bally (Keystone)
Was die einen wegwerfen, hat für andere einen besonderen Reiz: Abfallcontainer in Zürich. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Wir wohnen in einem Haus mit mehreren Eigentumswohnungen. Da mein Mann es nicht mag, einen vollgestopften Züri-Sack in den Container zu bringen, lasse ich oben Platz frei, damit die Plastikschnur den Transport übersteht. Nun stelle ich fest, dass unsere (vermögende) Nachbarin ihren Abfall in unserem Züri-Sack entsorgt. Findet sie darin noch etwas Brauchbares, stehen einige Tage später im Kellerabteil ein Korb mit abgebrochenem Henkel oder eine defekte Vase von uns. Nochmals später werden die Gegenstände oft achtlos in den Container geworfen. Ich frage mich, was passiert, wenn sie in unserem Züri-Sack verbotene Ware entsorgt. Ich will weder mit dem Gesetz noch mit der Nachbarin in Konflikt geraten. M. S.

Liebe Frau S.,

irgendwie bin ich grad etwas enflammée für diese Ihre Nachbarin. Wie die da nächtens durchs Treppenhaus schleicht und in Abfallsäcke guckt und dann dort Dinge rausnimmt, das hat ja doch was überaus Exzentrisches. Dass sich das Ganze auch noch in einem vornehmen Haus mit Eigentumswohnungen abspielt, verleiht dem Ganzen zudem so was latent Abgründiges, Derrick-artiges.

Womöglich ist der Dame einfach langweilig, und deshalb besteht ihr persönlicher Thrill darin, den Nachtheuel zu machen und herumzugeistern, wenn alle schlafen. Und weil halt nichts los ist in so einem Treppenhaus, inspiziert sie die Züri-Säcke, die da parat stehen.

Etwas unschön daran ist der Teil mit dem Wild-Deponieren, also dass sie einerseits Dinge bei Ihnen entsorgt und andererseits Dinge, die sie bei Ihnen rausgenommen hat, nach eingehender Betrachtung bei Tageslicht wegen Nichtgefallens einfach irgendwo abstellt. Das heissen wir natürlich nicht gut. Worüber Sie sich indes wohl kaum Sorgen machen müssen, ist allfällig verbotene Ware. Es fällt mir beim besten Willen nicht ein, was Ihre Nachbarin Ihnen ­Illegales unterjubeln sollte (Drogen? Die konsumiert man, die entsorgt man nicht. Gift? Waffen? Wenn Sie ihr das zutrauen, sollten Sie sie unbedingt näher kennen lernen).

Zum Inhalt

Sie können nun der Dame das Handwerk legen, indem Sie den Züri-Sack nicht mehr ins Treppenhaus stellen. Das wäre aber vollkommen spannungsfrei. Die indirekte Konfrontation bestünde darin, dass Sie einen Zettel auf den Sack legen, auf dem steht: «Wir wissen, was Sie tun.» Die direkte Konfrontation indes ist die empfehlenswertere Vorgehensweise: Sie legen sich auf die Lauer und ertappen die Dame auf frischer Tat. Machen Sie ebenfalls die Nacht zum Tag. Das Motto lautet: mehr Thrill!

----------

Haben Sie Fragen? Schicken Sie sie an gesellschaft@tagesanzeiger.ch

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch