Was tun gegen Velorüpel?

Die Stilfrage zum schwierigen Nebeneinander von Fussgängern und Pedaleuren.

Konfliktpotential: Velofahrer und Fussgänger kommen nicht immer gut aneinander vorbei. Foto: Urs Jaudas

Konfliktpotential: Velofahrer und Fussgänger kommen nicht immer gut aneinander vorbei. Foto: Urs Jaudas

Bettina Weber@sonntagszeitung

Ich (80) ärgere mich über das mangelnde Unrechtsbewusstsein von Radfahrern auf stark begangenen Trottoirs. Ich habe nichts dagegen, wenn man in Aussenquartieren mit dem Velo rücksichtsvoll auf dem Trottoir fährt, wo es selten Fussgänger hat. Aber in Innenstädten ist das ein No-go. Ich bin schon dreimal angefahren worden. Natürlich haben die Radfahrer, ein junger und auch zwei ältere Männer, jedes Mal Fahrerflucht begangen. Glücklicherweise ist es immer einigermassen glimpflich ausgegangen für mich. Deshalb stelle ich mich Velofahrern auf dem Trottoir möglichst in den Weg und fordere sie höflich auf abzusteigen. Sie können sich nicht vorstellen, was ich dabei alles zu hören bekomme. Vielleicht könnten Sie einmal über den schlechten Stil vieler Velofahrer schreiben. W. S.

Lieber Herr S.,
Um der Transparenz willen muss hier gleich zu Beginn festgehalten werden, dass ich ein wenig Partei bin, da ich ja wegen einer ausgeprägten Abneigung gegen öffentliche Verkehrsmittel aus Überzeugung beinhart auch im Winter jeden Tag das Velo benütze.

Was wir gleichzeitig festhalten können: Wir mögen hier in dieser unserer kleinen Rubrik keine Rüpel, denn die sind eine wahnsinnig überflüssige Gattung Mensch. Jetzt ist die aber nicht an einen bestimmten fahrbaren Untersatz gebunden, es gibt sie unter den Velo- genauso wie unter den Autofahrern und den Fussgängern, der Rüpel ist einfach sehr verbreitet. Und Sie, lieber Herr S., sind an drei besonders ausgeprägte Versionen davon geraten – ich entschuldige mich grad im Namen aller anständigen Pedaleure dafür.

Wobei ich also mithalten kann: Ich hatte drei Velounfälle, dreimal war der Autofahrer schuld. Zwecks gegenseitiger Verständnisförderung erlaube ich mir daher folgende Bemerkung: Es gibt Strecken, die ein Albtraum sind – die Rämistrasse rauf vom Bellevue aus zum Beispiel. Da touchieren einen gerne mal die Seitenspiegel von SUVs, weshalb man als Velofahrer ohne akuten Todeswunsch aufs Trottoir ausweicht.

Man kann das aber sehr wohl allgemeinverträglich gestalten. Indem man langsam fährt. Indem man freundlich klingelt, bevor man überholt, damit die Fussgänger nicht erschrecken. Indem man sie anlächelt (das ist eine eiserne Regel als Velofahrer auf verbotenem Gelände: immer entschuldigend lächeln!) und sich vor allem bedankt, wenn sie einem Platz machen.

Eine friedliche Koexistenz müsste doch möglich sein, sollte man meinen.

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