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Was soll man von Sodomie halten?

Welche sexuellen Leidenschaften wir entwickeln, ist nicht das Ergebnis einer natürlichen Entwicklung, sondern einer persönlichen Geschichte im Rahmen sozialer Bedingungen.

Sie als Analytiker, im Erbe Freuds und seiner Sexualtheorie: Was halten Sie von Geschlechtsverkehr mit Tieren? D. B.

Lieber Herr B. Ach, warum nicht? Wenn alle Beteiligten einverstanden sind, ist das doch ganz natürlich. Wir leben ja schliesslich nicht mehr im Mittelalter. – Mein Lieblings-Running-Gag ist diese Antwort deshalb, weil in ihr auf knappstem Raum alle drei wichtigen Versatzstücke des gegenwärtigen Redens über Sexualität versammelt sind: die Vertragslogik sowie die Anrufung der Autorität der Natur und die Unterscheidung von zeitgemässer und nicht mehr zeitgemässer Sexualmoral. Schon je für sich genommen, vor allem aber in ihrer Kombination, sind sie ein steter Quell unfreiwilliger Komik. Früher dachte man, das Zölibat machte die Priester schwul. Diese Ansicht ist aber nicht mehr zeitgemäss, denn Homosexualität ist ganz natürlich. Es gab sie nämlich schon bei den alten Griechen, und es gibt sie immer noch bei den Pinguinen.

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