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Vom Schwarzbau zur Ikone

Der Berliner Fernsehturm wird 50 Jahre alt. Das heutige Wahrzeichen der deutschen Hauptstadt stand beim Spatenstich unter einem schlechten Stern.

Eine Ikone: Der Fernsehturm am Alexanderplatz in Berlin.
Eine Ikone: Der Fernsehturm am Alexanderplatz in Berlin.
Reuters

Der Start für das Berliner Wahrzeichen war denkbar ungünstig: Auf die langwierige Standortsuche folgten Planungsfehler, Kostenexplosionen und eine verspätete Fertigstellung. Ähnlich dem nicht enden wollenden Flughafenprojekt BER stand auch der Bau des Berliner Fernsehturms beim Spatenstich vor 50 Jahren unter einem schlechten Stern.

Die inoffiziell am 4. August 1965 aufgenommenen Arbeiten in der Mitte Berlins werden nicht einmal von einer feierlichen Grundsteinlegung begleitet. Niemand kann zum damaligen Zeitpunkt wissen, dass der Funkturm am Alexanderplatz einmal eine echte Erfolgsgeschichte werden würde. Seit der Eröffnung der Aussichtsplattform im Herbst 1969 blickten fast 60 Millionen Besucher vom Zentrum Berlins aus auf die Hauptstadt.

Prestigeprojekt der DDR

Vor der Wende lag der Reiz für die DDR-Bürger nicht zuletzt im unverhüllten Blick auf den Westen der geteilten Stadt. Inzwischen ist das mit 368 Metern höchste Bauwerk Deutschlands ein Magnet für Touristen aus aller Welt. Das einstige Prestigeprojekt der DDR wurde zum Wahrzeichen für Gesamtberlin. Hochgeschwindigkeitsaufzüge bringen die Besucher in die Panoramaetage auf 203 Metern Höhe. Das darüber gelegene Restaurant in 207 Metern Höhe dreht sich sogar einmal pro Stunde um die eigene Achse und bietet den besten Rundum-Blick auf die Stadt.

Als die DDR-Führung in den 50er Jahren erste Planungen für einen Funkturm in Berlin anstellen lässt, spielen ganz andere Erwägungen eine Rolle. Die wenigen Funkfrequenzen, die dem jungen Staat zugesprochen worden waren, bereiten den verantwortlichen Kopfzerbrechen: Nur ein hoher Funkturm kann die DDR-Hauptstadt flächendeckend mit einem zuverlässigen TV-Empfang versorgen. Nicht auszudenken, wenn die Ost-Bürger wegen Empfangsproblemen zum Westfernsehen umschalten würden.

Doch die anfänglichen Pläne scheitern: Der erste Standort wird wegen technischer Schwierigkeiten wieder aufgegeben. Mitten in die Planungen für den Ersatzstandort, dem heutigen Volkspark Friedrichshain, platzt 1962 eine Wirtschaftskrise. Der Bau wird auf Eis gelegt, weil die anvisierten Baukosten von rund 30 Millionen Ostmark nicht zu stemmen sind.

Wer oder was wenige Jahre später den Ausschlag dafür gab, den Bau im historischen Zentrum der Stadt zu realisieren, ist nicht mehr zweifelsfrei aufzuklären. Nach der Fertigstellung des Fernsehturms bastelt die DDR-Propaganda nachträglich eine offizielle Entstehungsgeschichte. Dass sich die Kosten während der vierjährigen Bauphase mehr als verdreifachen, wird kaum ein DDR-Bürger je zu hören bekommen.

Die Ostberliner werden das Bauwerk später «Sankt Walter» taufen, in Anlehnung an DDR-Regierungschef Walter Ulbricht. Der DDR-Führung geht es beim dritten Anlauf des Funkturm-Projekts um viel mehr als nur um Fernsehfrequenzen. Das statisch anspruchsvolle Bauwerk soll in ganz Westberlin zu sehen sein, als Symbol für die technische Überlegenheit des Sozialismus. Nicht zufällig erinnert die Kugel des Fernsehturms an den ersten Satelliten «Sputnik», mit dem die Sowjets 1957 den Westen düpiert haben.

Im Mai 1965 beginnen die ersten Bauarbeiten für den Fernsehturm, nur wenige Wochen später kommt aber der plötzliche Stopp: Die Bauaufsicht rügt die unklaren Kostenpläne und verweigert ihre Zustimmung. Der für das Projekt zuständige Bauleiter Gerhard Kosel setzt zwar im Sommer die Fortführung der Arbeiten durch. Faktisch handelt es sich aber beim Berliner Fernsehturm bis zur Beilegung der monatelangen Streitigkeiten um einen «Schwarzbau», wie Kosel später selbst einmal schreiben wird.

Dass der Turm überhaupt an seinem heutigen Platz steht, ist dem Scheitern des ersten Entwurfs geschuldet. Ursprünglich wollten die Verantwortlichen einen Funkturm in den Berliner Müggelbergen errichten. Erst spät erkannten die Verantwortlichen, dass ein solch hohes Bauwerk den Flugverkehr empfindlich einschränken würde. Denn in Berlins Südosten liegt Schönefeld, die Heimat des früheren «Zentralflughafens» der DDR und die des neuen BER.

AFP

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