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Verbrennt die Hosenanzüge!

Mächtige Frauen müssen sich nicht als Männer verkleiden. In Berlin tragen Merkel, Trump und Lagarde Blumenmuster und starke Farben. Die Vollendung der Emanzipation?

Geblümt und gemustert: Ivanka Trump (l.), Angela Merkel, Christine Lagarde und Königin Máxima beim Frauen-Gipfel in Berlin (von links). Foto: Michael Kappeler (Keystone)
Geblümt und gemustert: Ivanka Trump (l.), Angela Merkel, Christine Lagarde und Königin Máxima beim Frauen-Gipfel in Berlin (von links). Foto: Michael Kappeler (Keystone)
Michael Kappeler, Keystone
Die Stimmung scheint gelöst: Ivanka Trump, IWF-Direktor Christine Lagarde und Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Podiumsdiskussion. (25. April 2017)
Die Stimmung scheint gelöst: Ivanka Trump, IWF-Direktor Christine Lagarde und Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Podiumsdiskussion. (25. April 2017)
Odd Andersen, AFP
Ungewöhnlich farbiges Gruppenfoto:Juliana Rotich (BRCK Gründerin, l-r), Anne Finucane (Vizepräsidentin Bank of America), Chrystia Freeland, Aussenministerin von Kanada, Ivanka Trump, Tochter und Beraterin des US-Präsidenten, Stephanie Bschorr, (Vorsitzende Woman20 Germany), Bundeskanzlerin Angela Merkel, Königin Maxima, Mona Küppers (Co-Vorsitzende Woman20Germany), IMF-Direktorin Christine Lagarde, Nicola Leibinger-Kammüller (Trumpf GmbH) und Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig
Ungewöhnlich farbiges Gruppenfoto:Juliana Rotich (BRCK Gründerin, l-r), Anne Finucane (Vizepräsidentin Bank of America), Chrystia Freeland, Aussenministerin von Kanada, Ivanka Trump, Tochter und Beraterin des US-Präsidenten, Stephanie Bschorr, (Vorsitzende Woman20 Germany), Bundeskanzlerin Angela Merkel, Königin Maxima, Mona Küppers (Co-Vorsitzende Woman20Germany), IMF-Direktorin Christine Lagarde, Nicola Leibinger-Kammüller (Trumpf GmbH) und Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig
Michael Kappeler, Keystone
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Ivanka Trump, Christine Lagarde, Máxima der Niederlande. Drei der mächtigsten Frauen der Welt tragen auf der W-20-Konferenz in Berlin: was Geblümtes. Und wie! Kein dezentes Trachtenstoff-Geblümel auf der Garderobe der Damen, die da zusammentreffen. Da blüht und rankt und prangt es. Hellblau, dunkelblau, rot, grün, hellgrün, türkis! Eine solche Blütenpracht, bei Minusgraden im April, obendrein in der sonst so monoton navy-anthrazit-mittelgrauen Weltpolitik?

Jetzt liesse sich einwenden: Das ist vielleicht doch eher Paisley als Primel auf Frau Lagardes Stola. Und: Ivanka Trump mag die mächtigste Frau der USA sein, Lagarde die mächtigste der Finanzwelt. Königin Máxima hat vielleicht den klangvollsten Titel, aber dann doch eher repräsentative Aufgaben als wirkliche Macht. Das wäre jedoch, pardon, schon ein bisschen kleinkariert. Und ausserdem braucht es – gemäss der journalistischen Regel «Ein, zwei, viele» – für einen Trend nun einmal drei.

Hier also die analytische Betrachtung des Floralen in der Weltpolitik: Das letzte Kapitel der Emanzipation ist angebrochen, und alle sind Zeugen. Nach jahrtausendelangem Ringen ist der Kampf um Anerkennung, um Teilhabe und Chancengerechtigkeit so gut wie entschieden. Vorbei die Zeiten, als sich Politikerinnen in Männerkleidung auf Gipfelbilder schummeln mussten; als Merkels Blazersammlung das Maximum an modischem Wagnis bei derlei Veranstaltungen war.

Video: «Sind Sie eine Feministin, Frau Merkel?»

Nach dieser Frage ringt die deutsche Kanzlerin nach Worten – und findet die perfekte Antwort.

Vorbei die Tage der grau-grauen Politiknachrichten! Die mächtige Frau muss sich heute nicht mehr verkleiden. Sie kann Blumenkleider tragen und trotzdem mächtig sein. Verbrennt die Hosenanzüge!

Kaum haben wir Feministinnen uns vom Hype um die starke Message der Mailänder Modewoche erholt, sehen wir mit feuchten Augen das nächste textile Manifest der sich vollendenden Gleichberechtigung: Blumenkleider auf einem politischen Podium.

Das ist natürlich ganz grosser Quatsch. Nicht nur deswegen, weil besagte weltpolitische Veranstaltung der «Women 20 Summit war» – und durch seine blosse Existenz vorherige These widerlegt. Oder wurde über den «Men 20 Summit» nur nicht berichtet, weil es dort keine Blumenkleider gab?

Das Blumenkleid ist nur der Anfang

Nein, die geblümten Kleider von Berlin weisen auf ein anderes, viel grösseres Problem hin. Wenn es einmal wirklich soweit ist, dass Politikerinnen Blumenkleider tragen – und zwar mehr als drei von ihnen und auch auf gemischtgeschlechtlichen Politikveranstaltungen – braucht es dringend eine Reform des internationalen Gipfelprotokolls. Und da reden wir eher in Wenn-Hillarys-Enkelin-Präsidentin-wird-Zeitspannen.

Es braucht dann zusätzliche Protokollbeamte, die vorab koordinieren, welches Blumenkleid neben welchem sitzt. Und – das Blumenkleid ist nur der Anfang – welcher Karoblazer neben welchem pinken Hosenanzug, welche Paillettenbluse neben welchem Cocktailkleid.

Denn sonst herrscht am Ende statt blühender Einigkeit nur Kraut und Rüben in der Ikonographie der Weltpolitik. Alle sehen nur noch ein grosses Durcheinander, keiner mehr den einzelnen Menschen. Und das kann nun wirklich niemand wollen, schon gar nicht, wenn sie ein grossgemustertes Blumenkleid trägt.

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