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Spielplätze sind heute durchgestylt – für die Eltern

Der preisgekrönte Spielplatz-Designer Hans-Georg Kellner kümmert sich vor allem darum, was Mamis und Papis gefällt. Denn Kinder spielen sowieso mit allem.

...meist liebloser Einheitsbrei, wie hier ein Spielplatz vor dem Letzigrund in Zürich...
...meist liebloser Einheitsbrei, wie hier ein Spielplatz vor dem Letzigrund in Zürich...
Keystone
...oder diese Betonwüste in Birr, im Kanton Aargau.
...oder diese Betonwüste in Birr, im Kanton Aargau.
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Die neuen Spielplatz-Designs sind meist so gestaltet, dass sie auch die Eltern ansprechen.
Die neuen Spielplatz-Designs sind meist so gestaltet, dass sie auch die Eltern ansprechen.
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Herr Kellner, ihre Spielplätze sind anders...

...Ja klar, ich bin nicht der klassische Spielplatzbauer. Meine Spielplätze sind bespielbare Kunstobjekte.

Schätzen die Kinder das Design überhaupt?

Ich vermute den Kindern ist es erstmal egal. Hauptsache, sie haben etwas zu spielen. Kinder spielen auch mit Schrauben, Müll und Schrott. Setz' ein Kind auf eine Mülldeponie und es spielt zufrieden vor sich hin.

Wollen Sie die Kinder denn zu Kunstverständigen erziehen?

Nein, nichts liegt mir ferner als ein erhobener Zeigefinger. Ich möchte den Kindern aber Impulse geben, ein gutes Gefühl vermitteln, dass etwas mit Hingabe für sie gemacht wurde. Kindliches Spiel ist schwer planbar, da ist Erziehung sowieso nur indirekt möglich.

Hat sich in den letzten Jahren viel geändert im Spielplatz-Bau?

Die Bedürfnisse der Kinder sind natürlich konstant geblieben. Aber die herkömmlichen Spielplätze sind oft eine Zumutung für die Augen von Erwachsenen. Da hat sich viel getan in den vergangenen Jahren.

Sind Ihnen die Eltern beim Designen also wichtiger als die Kinder?

Ehrlich gesagt: Ich bin mir selbst am wichtigsten. Ich spiele selber gerne. Durch das eigene Spiel entstehen auch neue Formen.

Sie haben Holzgestaltung studiert, verwenden aber auch Materialien wie Plastik...

...Die Welt ist doch nicht aus Holz gezimmert! Ich will die Vielfalt, die das Leben bietet darstellen. Meine Spielplätze sollen eine Erfahrung für alle Sinne sein, darum der Material-Mix.

In der Schweiz stehen schon einige Spielplätze von Ihnen, mehrere Projekte sind im Bau oder in Planung. Wieso dieses riesige Interesse?

Ich habe einen Spielplatz in Ascona gebaut, mit extra Kindertoiletten dazu. Ich war dort sehr mutig, habe für mich viele neue Wege gewagt. Das war ein Glücksfall für meine berufliche Karriere. Auch die Aufträge in Deutschland erhalte ich meist deswegen.

Wie ist es, in der Schweiz Spielplätze zu designen?

Ich entwickele Lösungen immer für einen bestimmten Standort, niemals standardisierte Spielgeräte. Darum ist jeder Auftrag anders. Die Schweizer sind auf alle Fälle sehr offen für Neues. Die Sicherheitsauflagen sind aber viel strenger als in Deutschland. In Deutschland darf ich zum Beispiel viel höher bauen.

Was halten Sie denn von den standardisierten Spielplätzen?

Die muss es auch geben, auf alle Fälle. Es wäre schlimm, wenn alles designt wäre.

Stossen Ihre eckigen Konstruktionen überall auf Gegenliebe?

Allzu viel Kritik höre ich nicht - hie und da gibt es aber doch negative Reaktionen. Das ist wie die Wertung eines abstrakten Bildes: Nicht alle haben Verständnis dafür. Da ich raue Oberflächen verwende, gibt es manchmal Anwohner, die Angst haben, dass sich die Kinder verletzen. Sie müssten die Sachen nur mal vom nahem anschauen: Das Material ist zwar rau, aber splitterfrei.

Im Frühling beginnen Sie mit einem Spielplatz-Bau im Oerliker Park. Bisher wurde dieser Park von den Anwohner nicht gross besucht. Was tun sie dagegen?

Der Park, so wie er zurzeit ist, ist tot. Da will niemand hin. Die Frage ist, inwieweit man mit Spiel etwas erreichen kann, dass vielleicht auch mehr Erwachsene sich dort aufhalten. Die Auftraggeber sind aber sehr leidenschafltich und engagiert. Trotzdem: An diesem Ort stösst Design an Grenzen. Der Park ist so clean und stylish, da fühlt man sich nicht wohl. Ich wollte diese Coolness brechen mit Buntheit, Poesie und Gartenzwergen. Die Gartenzwerge wollten Sie dort dann aber doch nicht. Schade.

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