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Sexy Alexa

Warum man sich gut überlegen sollte, was man seiner Freundin zum Geburtstag schenkt. Ein Gespräch.

Stefano weckt Lea.

Stefano: Guten Morgen, mein Schatz.

Lea: Morgen . . .

Stefano: Happy Birthday.

Lea: Danke . . .

Stefano: Ich hab dir Frühstück gemacht.

Lea: Wow, du bist vor mir aufgestanden?

Stefano: Du hast Geburtstag.

Lea: Wie spät ist es denn?

Stefano: Willst du das wirklich wissen?

Lea: Ja.

Stefano: Dann muss ich dir jetzt mein Geschenk übergeben.

Lea: Eine Uhr?

Stefano: Nein.

Lea: Einen Wecker?

Stefano: Nein, hör gut zu.

Lea: Okay.

Stefano: Alexa, wie spät ist es?

Eine Frauenstimme erklingt.

Stimme: Es ist acht Uhr fünf.

Lea: Wer ist das?

Stefano: Alexa.

Lea: Alexa . . .?

Stefano: Alexa ist ab heute unsere Assistentin. Sie kann dir sagen, wie das Wetter wird, wie viel Verkehr dich draussen erwartet, sie liest dir die Nachrichten vor, sie kann dir ein Taxi rufen. Ein Sprachbefehl reicht aus, und sie wird dir antworten. Alexa ist mein Geschenk an dich, und sie ist der Gipfel des technischen Fortschritts.

Lea: Der Gipfel des Fortschritts ist eine Frau, die Befehle ausführt?

Stefano: Es ist doch keine Frau, Schatz, es ist ein Mikrofon mit einem Betriebssystem.

Lea: Aber sie klingt wie eine Frau, und sie heisst wie eine Frau.

Stefano: Gefällt sie dir nicht?

Lea: Frauen kämpfen seit Jahrhunderten dafür, nicht automatisch als ein für das Wohl der Menschheit zudienendes Etwas gehalten zu werden, und jetzt stehen in Millionen von Haushalten so Alexas rum, die der kommenden Generation erneut eintrichtern, dass eine Frau alles tut, wonach sie gefragt wird?

Stefano: Vielleicht kann man die Stimme ­wechseln?

Lea: Kann man nicht.

Stefano: Ich wollte dir einfach eine Freude ­machen, uns allen.

Lea: Uns allen? Stell dir vor, wie unser Milo mit Alexa umgehen wird. Alexa, mach das Licht aus! Alexa, bestell mir ein ferngesteuertes Auto! Alexa, bestell mir ’ne Pizza! Dann dauert es nicht mehr lang, bis er mit seinen Bestellungen unser Konto geplündert hat und mich behandelt wie Alexa.

Stefano: Sieh es doch mal so: Alexa ist die intelligenteste Frau der Welt. Sie weiss alles. Du kannst Alexa fragen, wann Picasso geboren wurde und was die Wurzel aus 149 ist. Jemand, der so intelligent ist, kann nur eine Frau sein.

Lea: Eine hochintelligente Frau macht aber nicht erst den Mund auf, wenn sie gefragt wird, sondern wenn sie es als sinnvoll erachtet.

Stefano: Alexa ist doch noch total jung, bald ist sie selbstständig und kocht für uns mit dem Thermomix, wenn wir auf dem Nachhauseweg sind, fährt unser Auto vor die Tür, kann unsere Gedanken lesen.

Lea: Dein junges Ding soll meine Gedanken lesen lernen?

Stefano: Bist du eifersüchtig?

Lea: Auf einen Automaten?

Stefano: Ich dachte, du freust dich über etwas, das unser Leben einfacher macht.

Lea: Findest du unser Leben schwer?

Stefano: Jetzt hör doch auf. Ich hab uns keine Frau, sondern einen digitalen Assistenten ins Haus geholt.

Lea: Du hast uns Amazon ins Haus geholt.

Stefano: Und ist Amazon eine Frau oder ein Mann?

Lea: Es ist auf jeden Fall ein Mikrofon, das sich als sexy Frau verkleidet hat, um alles aufzunehmen und zu speichern, was wir jetzt gerade besprechen. Und ich wäre nicht erstaunt, wenn es morgen an der Tür klingelt und wir von Amazon ein Päckchen mit einem Beziehungsratgeber als Welcome-Geschenk erhalten.

Stefano: Du meinst, Amazon hört uns jetzt?

Lea: Ab heute kann man auch eine freundliche Assistentin von Google erhalten. Wem willst du deine Daten lieber geben?

Stefano: Okay. Was schlägst du vor? Was soll ich tun? Das Ding wegschmeissen?

Lea: Frag Alexa.

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