Schwulsein ist nicht ansteckend

Kinder homosexueller Adoptiveltern werden nicht anders.

In der Schweiz noch kein verbreitetes Familienmodell: Homosexuelle Eltern in Los Angeles.

In der Schweiz noch kein verbreitetes Familienmodell: Homosexuelle Eltern in Los Angeles.

(Bild: Keystone Alessandro della Valle)

Jean-Martin Büttner@Jemab

Noch immer bekunden viele Länder Mühe mit dem Wunsch schwuler oder lesbischer Paare, ein Kind zu adoptieren. In islamischen Staaten ist der Wunsch undenkbar, aber auch die Schweiz tut sich schwer. In den USA ist die Adoption durch homosexuelle Paare erlaubt, doch haben mehrere Bundesstaaten wiederholt versucht, dieses Recht zu verweigern. Der Oberste Gerichtshof hat das Recht vor kurzem bestätigt.

Dennoch hegen viele Männer und Frauen die Befürchtung, solchen Adoptivkindern würde eine Vater- oder Mutterfigur fehlen, schlimmer noch: Ihre sexuelle Identität werde durch jene ihrer Adoptiveltern geprägt. Homosexualität als ansteckende Krankheit sozusagen.

Eine Studie der amerikanischen Psychologin Rachel Farr, in der «Frankfurter Allgemeine» zitiert, entlarvt die Befürchtung als Vorurteil. Die Forscherin und ihr Team haben 106 Adoptivfamilien mit homosexuellen und heterosexuellen Eltern fünf Jahre lang begleitet, um herauszufinden, ob und wie sich die sexuelle Orientierung der Eltern auf jene ihrer Adoptivkinder auswirkt. Mit ihrer Studie konnte Farr nachweisen, dass der Familientyp kaum Einfluss auf das geschlechtsspezifische Muster der Kinder hat. Adoptivkinder von schwulen oder lesbischen Paaren wachsen ähnlich auf wie die Kinder von heterosexuellen Paaren. Dazu beobachtete sie die Kleinkinder beim Spielen, ob sie zum Beispiel eher Spielpistolen zur Hand nahmen oder eher Puppen, ob sie raue Spiele lieber hatten oder nicht. Auch wurden die Eltern und Kinder direkt befragt. Für die Psychologin ist klar: Ein Bub wird nicht deshalb homosexuell, weil ein schwules Paar ihn erzieht. Sie hoffe darauf, schreibt die Forscherin im Fachmagazin «Sex Roles», dass die Studie Anwälten, Richtern und Adoptionsagenturen helfen werde.

Und den Schweizer Parlamentsmitgliedern.

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