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Rüder Aufreisser von Beruf

Julien Blanc gibt Kurse, wie Mann sich an Frau macht. Nun zieht ein Shitstorm über den Rüpel her. Ächtung ist ihm sicher, ein Auftritt in der Schweiz ist trotzdem geplant.

Gibt Kurse auf der ganzen Welt: Aufnahme aus einem Video von Julien Blanc aus Kapstadt. (Bild: Screenshot Youtube/RSDJulien)
Gibt Kurse auf der ganzen Welt: Aufnahme aus einem Video von Julien Blanc aus Kapstadt. (Bild: Screenshot Youtube/RSDJulien)

Man glaubt an einen schlechten PR-Gag, wenn man Julien Blancs Aussagen auf seiner Website liest: Frauen sollen vor ihm auf die Knie, ihn «Master» nennen und darum betteln, von ihm geküsst zu werden. Doch es scheint dem Kalifornier ernst zu sein. Wie er sein Ziel erreicht, verrät er nicht – zumindest nicht allen: Wer die Tricks lernen will, soll bezahlen. Der 25-Jährige und die US-Firma Real Social Dynamics (RSD), für die Blanc arbeitet, bieten Seminare auf der ganzen Welt an. Tausende hätten bereits bei ihm Unterricht genommen, schreibt er auf seiner Internetseite weiter. Zwischen 197 und 497 US-Dollar bezahlte jeder von ihnen dafür, je nachdem, wie intensiv sie in Blancs «Kunst» eingeführt werden wollten. Von schriftlichen Anleitungen über DVDs bis zu Live-Treffen ist alles möglich.

Doch nun gerät das Geschäft ins Stocken. Blanc und RSD sind in die Schusslinie der Web-Gemeinde geraten – das Magazin «Time» fragte jüngst gar: «Ist Blanc der meistgehasste Mann der Welt?» Auslöser waren Blancs Verhalten und Sprüche in Videos und auf seinen Social-Media-Kanälen. So postete er etwa Bilder von sich auf Twitter mit dem Hashtag #ChokingGirlsAroundTheWorld – würge Frauen auf der ganzen Welt. Ein Video eines Seminars machte die Runde, in dem Blanc von seinem Aufenthalt in Tokio erzählt. Er habe sich als Weisser alles erlauben können, sei durch die Strasse gelaufen und habe die Köpfe von fremden Frauen zwischen seine Beine gedrückt, die nur gekichert hätten.

(Video: Youtube/msdoom99)

Die Internetnutzer sind empört über die frauenverachtende Haltung, auf Twitter verbreiteten sich Hashtags wie #takedownjulienblanc oder #takedownrsd – die Aufforderung, das Verhalten Blancs und seine Firma zu stoppen. In Online-Petitionen forderten Hunderttausende, Blanc und anderen RSD-Mitarbeitern soll die Einreise, etwa nach England, Brasilien oder Kanada, verweigert und geplante RSD-Kurse abgesagt oder gleich die gesamten Inhalte von RSD auf dem Internet sollen gelöscht werden.

Der Protest stoppte nicht im Internet. Hotels in diversen Ländern sagten geplante RSD-Veranstaltungen ab, Leute gingen auf die Strasse. In Australien wurde Blanc schliesslich des Landes verwiesen. Die Polizei von Victoria bestätigte auf Twitter, dass Blanc das Land verlassen habe. Auch in Kanada erreichten die Proteste die höchste Stelle. Chris Alexander, Minister für Einwanderung, meldete sich auf Twitter:

Daraufhin hat RSD die Daten für die in Kanada geplanten Seminare von der Internetseite gelöscht. In Deutschland formiert sich ebenfalls Widerstand gegen geplante Seminare. Wie der «Spiegel» berichtet, diskutiert das deutsche Bundesinnenministerium mit den Polizeibehörden derzeit ein mögliches Vorgehen gegen Blanc.

In der Schweiz bleibt es bisher ruhig. Allerdings bietet RSD auch hier Seminare an. Auf ihrer Internetseite kündigt sie einen Kurs in Zürich an, der vom 4. bis am 6. Dezember stattfinden soll sowie einen vom 20. bis am 22. März 2015. Ein Ort wird nicht genannt, doch Teilnehmer sollen für das «Bootcamp» 2000 Dollar bezahlen. Bei der Stadtpolizei Zürich ist ein Verbot derzeit kein Thema; um eine Veranstaltung zu verbieten, müsse ein Verstoss gegen das Strafrecht vorliegen, erklärt Sprecher Marco Cortesi auf Anfrage von Redaktion Tamedia. «Nach unserem derzeitigen Wissensstand ist das bei Herrn Blanc nicht der Fall.»

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