Politiker und andere Lügner

Es heisst, wir leben in postfaktischen Zeiten. Aber: Gab es je ein Vorher?

Heere von Fakten­checkern identifizieren auch seine Unwahrheiten: US-Präsident Donald Trump.

Heere von Fakten­checkern identifizieren auch seine Unwahrheiten: US-Präsident Donald Trump. Bild: Andrew Harnik/Keystone

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Natürlich wieder Trump. Erst gestern nannte er das Team von Sonderermittler Robert Muller «einen Haufen wütender Demokraten», die ganze Untersuchung eine «aufgeblasene Hexenjagd» und Muller selbst «entehrt und diskreditiert». Alles ganz ohne Tatsachengrundlage.

Die Faktenchecker der «Washington Post» haben per Ende Juli 4229 Lügen des aktuellen US-Präsidenten gezählt. Und es werden täglich mehr. Siehe oben.

Donald Trump wurde mit einem Haufen Unwahrheiten oder, wie er sie elegant umschreiben liess, «alternativen Fakten» Präsident. Seine Beliebtheit unter seinen Anhängern nimmt seither laufend zu. «Wir leben in postfaktischen Zeiten», hat Angela Merkel seufzend festgestellt. «Post­faktisch» wurde prompt zum Wort des Jahres.

Die Klagen über die korrumpierende Wirkung von Politikern, die sich schamlos der Lüge bedienen, reissen nicht ab. Zentrale Standards der Demokratie wie Objektivität und Verlässlichkeit würden ausgehöhlt, heisst es, eine «Krise der Wahrheit» wird ausgerufen.

Eine Frage aber bleibt: Gab es je diese Welt objektiver Wahrheiten, deren Untergang heute betrauert wird? Im Kinohit «Die Verlegerin» zeigt Steven Spielberg, wie vier Vorgänger Trumps ihr Volk über die Lage in Vietnam systematisch belogen haben. Es brauchte überdurchschnittlich beherzte Whistleblower, Richter und Journalisten, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Und das ist nur ein besonders illustres Beispiel. Die Lüge – oder mindestens die sorgfältig ausgewählte Teilwahrheit – gehörte immer zur Politik. Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger hat das in Buchlänge geschildert.

Heute, so viel ist klar, sind wir in mindestens einem Punkt ein rechtes Stück weiter: Heere von Fakten­checkern identifizieren Unwahrheiten. Lügner werden als das bezeichnet, was sie sind – egal, ob sie im Weissen Haus, im Kreml, in der Verbotenen Stadt oder im Bundeshaus sitzen.


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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.08.2018, 07:50 Uhr

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