Klein, aber bestechend  

Auch bescheidene Geschenke beflügeln Geschäfte. Zeit, die Korruptionsregeln anzupassen?

Schon kleine Geschenke beeinflussen das Verhalten der Beschenkten. (Symbolbild). Bild: iStock

Schon kleine Geschenke beeinflussen das Verhalten der Beschenkten. (Symbolbild). Bild: iStock

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Alles, was man innerhalb eines Tages konsumieren kann, so lautet die verbreitete Faustregel, ist als Geschenk von einem Geschäftspartner noch o.k. Was darüber hinausgeht, riecht schon bald brenzlig nach Bestechung. Nun zeigt eine Studie von zwei Professoren der Unis in Zürich und Lausanne: Schon kleine Geschenke beeinflussen das Verhalten der Beschenkten. Und zwar so massiv, dass die Faustregel infrage gestellt ist.

Michel Maréchal und Christian Thöni schickten Handelsvertreter in Apotheken und Drogerien – die einen bewaffnet mit Zahnpastamüsterchen im Wert von 10 Franken, die anderen ohne solche Schmiermittel. Das Resultat: Vertreter mit Mitbringsel kamen mit mehr Bestellungen nach Hause als solche ohne. Besonders deutlich war der Effekt, wenn die Handelsreisenden mit den Chefs selber sprechen konnten. Ging die Zahnpasta direkt an den Filialleiter, vervierfachte sich der durchschnittliche Wert der Bestellung von 61 auf 271 Franken.

Die beiden Studienautoren gehen nicht so weit, direkt die Verschärfung der einschlägigen Vorschriften zu fordern. 

«Bereits kleine Aufmerksamkeiten werden als persönliche Gefälligkeiten interpretiert, für die man sich dann mit einem Gegengefallen revanchiert», sagt André Maréchal, Wirtschaftsprofessor an der Uni Zürich. Das ist für sich allein nun ja nicht überraschend: Eine ganze Industrie lebt von dieser psychologischen Einsicht, bedruckt Kugelschreiber, Feuerzeuge und Memorysticks mit Firmenlogos. Anderseits aber ist die Meinung weit verbreitet, dass jedermann gegen Beeinflussung durch kleine Geschenke immun ist. Das schlägt sich sogar im Strafgesetzbuch nieder. Es hält fest, dass Beamte «geringfügige» Geschenke entgegennehmen dürfen.

Die beiden Studienautoren gehen nicht so weit, direkt die Verschärfung der einschlägigen Vorschriften zu fordern. Aber sie wünschen sich, dass die Diskussion über diese Regeln die nicht unerhebliche Wirkung kleiner Geschenke berücksichtigt. 

Viel Glück dabei, kann man nur sagen. Kleine Aufmerksamkeiten ölen nicht nur unsere geschäftlichen, sondern auch unsere sozialen Beziehungen. Sie gehören zu unserer psychischen DNA. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 04.10.2018, 20:45 Uhr

Artikel zum Thema

Bestechung im Europarat

Aserbeidschan hat laut Sonderermittlern Parlamentarier des Europarats geschmiert. Von Korruptionsversuchen berichten auch Schweizer Abgeordnete. Mehr...

Teilbedingte Freiheitsstrafe für ehemaligen SBB-Projektleiter

Ein Thurgauer Unternehmer hatte sich während Jahren insgesamt 604 Aufträge zugeschanzt und die SBB damit um Millionen betrogen. Mehr...

Bei Aduno wussten alle Bescheid

SonntagsZeitung Pierin Vincenz befahl den Kauf der maroden Firma Eurokaution. Es fragt sich, ob er bestochen wurde. Mehr...

Dossiers

Kommentare

Werbung

Urban und trendy?

Mal im Selbstversuch, mal beim Ortstermin. Oft mit Nachgeschmack. Immer allumfassend.

Die Welt in Bildern

Schattenspiel: Biathleten trainieren im österreichischen Hochfilzen für den 10km Sprint im Weltcup. (13.Dezember 2018)
(Bild: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images) Mehr...