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Geistige Nahrung statt Hostien

Der Vatikan verbietet glutenfreie Hostien. Das ist nicht so schlimm. Es gibt Alternativen dazu.

Nichts für katholische Zöliakiekranke: Glutenhaltige Hostien. Foto: Michael Sohn (Keystone)
Nichts für katholische Zöliakiekranke: Glutenhaltige Hostien. Foto: Michael Sohn (Keystone)

«Leicht bizarr». Sogar Leute, die dem Vatikan freundlich gesinnt sind, reagierten gestern irritiert auf die Meldung, der Papst verbiete glutenfreie Hostien. Ein Vorurteil scheint bestätigt: Der katholischen Kirche steht die Reinheit der Glaubenslehre näher als das Wohl ihrer Schäfchen.

Von denen leidet rund ein Prozent unter Zöliakie. Die Krankheit kann zu tödlichen Darmschäden führen; ausser die Betroffenen ernähren sich absolut glutenfrei. Das heisst: Sie verzichten auf Weizen und andere Getreidesorten sowie auf alles, was daraus hergestellt wird, namentlich Brot. Hostien, deren Konsum in der Messe ein zentrales Ritual ist, sind aber Brot. Sie müssen aus «reinem Weizenmehl» bestehen. Katholische Zöliakiekranke würden durch das Verbot aus Rom also vom Empfang der Hostie ausgeschlossen und damit aus ihrer Religionsgemeinschaft.

«Sammelt euch in euch selbst»

Unsere Gewährsfrau von einer klösterlichen Hostienbäckerei winkt ab: Natürlich biete die Meldung «ein gefundenes Fressen» für Kirchengegner, meint sie. Dabei sei das ein alter Hut. Der Vatikan habe am Wochenende nur die lange gültige Auffassung bestätigt.

Wichtiger aber ist: Das Verbot zielt nur auf Hostien, die mit Ersatzmehl gebacken werden, etwa aus Mais, Hirse oder Sonnenblumenkernen. Man kann solche übers Internet tatsächlich beziehen. Hostien aus stark glutenreduziertem Weizenmehl, wie sie etwa Schweizer Klöster anbieten, fallen aber nicht unter den vatikanischen Bann. Und Personen, für die selbst kleinste Glutenspuren gefährlich werden können, stehen brotlose Wege offen. «Wenn ihr die Messe hört, ohne zur Kommunion zu gehen, sucht die geistliche Kommunion und sammelt euch in euch selbst», sagte die Mystikerin Teresa von Avila.

Sammelt euch in euch selbst. Ein Rat, den man Angehörigen aller Religionen geben kann. Er tut Kranken und Gesunden gut.

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