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Eiskalt abserviert

Mit der Absetzung von Martin Kopp verliert die Chur-kritische Basis ihre Galionsfigur. Und die Hoffnung auf einen weltoffenen neuen Bischof.

«Skandalöses klerikales Machtgehabe»: Dem beliebten Pfarrer Martin Kopp entzog die Bistumsleitung alle Ämter. Foto: Andrea Zahler
«Skandalöses klerikales Machtgehabe»: Dem beliebten Pfarrer Martin Kopp entzog die Bistumsleitung alle Ämter. Foto: Andrea Zahler

Vor der Wahl des neuen Bischofs von Chur muss der rebellische Priester Martin Kopp alle kirchlichen Ämter abgeben. Abgesetzt mit sofortiger Wirkung von Pierre Bürcher, dem sonst harmoniebedürftigen und nur in Worthülsen redenden Übergangs­bischof. Insider vermuten hinter der Aktion denn auch den machtbewussten Generalvikar Martin Grichting, ­der seit dem Rücktritt von Vitus Huonder die Fäden ziehe.

Wie auch immer: Der beliebte Priester Martin Kopp sei «eiskalt abserviert» worden, sagt Franziska Driessen-­Reding, Exekutivpräsidentin der Zürcher Landeskirche. Treffend nennt sie den Coup gegenüber dem Kirchenportal Kath.ch «ein skandalöses ­klerikales Machtgehabe».

Kopp hatte der «NZZ am Sonntag» gesagt, mögliche Bischofsnachfolger lägen allesamt auf der Linie Huonders und seines Statthalters Grichting. «Durch Letzteren wird die typisch schweizerische Kirchenverfassung permanent infrage gestellt.» Damit erinnerte Kopp nur an allgemein Bekanntes. Seit den stürmischen Zeiten unter Wolfgang Haas, also seit Jahren und Jahrzehnten, hat er sich immer wieder so geäussert und die guthelvetische Kooperation von ­kirchlichen und staatskirchenrecht­lichen Instanzen gegen ihre klerikalen Verächter verteidigt.

Kopp ist nicht nur ein Rebell mit langem Atem, sondern auch einer der höchstgestellten.

Er ist Generalvikar für die Urschweiz, somit Mitglied des Churer Bischofsrats. Trotzdem hat er sich stets gegen Fundamentalismus und Klerikalismus in den eigenen Reihen gewehrt. In Erstfeld in einem von ihm initiierten Flüchtlingshaus mit Afghanen, ­Eritreern und Somaliern zusammenlebend, hat er der auf sich selbst fixierten Führung des Bistums Chur immer auch den Spiegel vorgehalten.

«Die derzeit 23 Domherren ­werden in Zeiten von Corona gar nicht zur Wahlversammlung schreiten können.»

Mit der jüngsten Aktion stellt die Bistumsleitung ihre Eigeninteressen gar über die Pandemie. Denn die Absetzung steht in krassem Gegensatz zum pfleglichen Umgang mit dem Churer Weihbischof Marian Eleganti und dessen gefährlichem Aberglauben und Widerstand gegen die aktuellen Hygienemassnahmen. Bürcher hat dem Marienverehrer, der Hostien und Weihwasser für nicht mit Viren kontaminierbar hält, bloss einen Maulkorb verpasst. Kopp indessen wirft er aus dem Amt. Und dies offenbar gezielt im Windschatten der Corona-Krise, die eine kirchliche Personalie schnell vergessen macht.

Vor der anstehenden Bischofswahl hat sich die aktuelle Bistumsleitung mit Martin Kopp eines lästigen Kritikers entledigt. Und damit schale Vorahnungen geweckt. Auf der von Rom zuhanden des Domkapitels erstellten Dreierliste dürften in der Tat bloss konservative Geistliche vom Schlage Bürchers und Grichtings stehen. In Despotenmanier tun sie andere ­Meinungen als Illoyalität oder Verstoss gegen die Religionsfreiheit ab.

Nur: Die derzeit 23 Domherren ­werden in Zeiten von Corona gar nicht zur Wahlversammlung schreiten können. 15 von ihnen sind zwischen 65 und 90 Jahre alt, folglich keine Digital Natives, was eine Wahl per Videokonferenz eher unmöglich macht. Das Versammlungsverbot verhindert umgekehrt einen handfesten Protest der Basis gegen die Abstrafung Kopps. Bereits aber sammeln auf Initiative der Theologin Veronika Jehle Seelsorgerinnen via Onlinepetition Unterschriften für den Verbleib ihrer Galionsfigur.

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