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«Ein Krippenbesuch ist erst im Alter von 2 bis 3 Jahren ideal»

Der Zürcher Psychologe Guy Bodenmann sieht die Bindungsfähigkeit von Schweizer Kindern in Gefahr.

Schon bei den Kleinsten hat die Bindungssicherheit messbare Auswirkungen auf ihr Verhalten. Foto: Simon Dannhauer (iStock, Getty)
Schon bei den Kleinsten hat die Bindungssicherheit messbare Auswirkungen auf ihr Verhalten. Foto: Simon Dannhauer (iStock, Getty)

Sie sagen, die Bindung zwischen Kind und Bezugsperson sei in der Schweiz praktisch in jedem zweiten Fall gestört. Warum geht denn so oft etwas schief in dieser ­grundlegenden Beziehung?

Bindungserfahrungen sind äusserst ­delikat. Es handelt sich um ein sehr fein austariertes Zusammenspiel: Da sind die Bedürfnisse des Säuglings, die er in Lautäusserungen, Wimmern, Weinen oder Schreien artikuliert; entscheidend sind nun ihre Wahrnehmung, ihre richtige Deutung und das prompte, angemessene Reagieren auf diese Bindungs­signale. Die Bezugsperson muss mit feinfühligem Fürsorgeverhalten handeln. Das darf weder zu wenig noch zu viel sein. So sollte die Bezugsperson das Kind halten und trösten, wenn es sich erschreckt hat, wickeln, wenn es nasse Windeln hat, oder füttern, wenn es hungrig ist. Was einfach klingt, gestaltet sich in der Realität häufig hoch anspruchsvoll – etwa durch ein schwieriges Temperament des Kindes oder durch die mangelnde Sensitivität der Bezugsperson, zum Beispiel wegen Müdigkeit oder Stress.

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