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Ein guter Trick, das Leben nicht zu verpassen? Schreiben

Sich mit allen Sinnen an Details zu erinnern – für Schriftstellerin Doris Dörrie ist das eine Praxis, die geübt werden kann. Und die selig macht.

«Zu merken, was an einem selbst alles Fiktion ist, ist durchaus interessant»: Die Deutsche Doris Dörrie ist Filmregisseurin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin. Foto: Getty Images
«Zu merken, was an einem selbst alles Fiktion ist, ist durchaus interessant»: Die Deutsche Doris Dörrie ist Filmregisseurin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin. Foto: Getty Images

Vielleicht muss man ab einem gewissen Alter – wenn die Vergangenheit eine längere Strecke einnimmt als die Zukunft – aufpassen, aus der Erinnerung keine Freizeitbeschäftigung zu machen. Nicht in verflossenen Tagen zu versinken, lieber wie die Jugend dran zu arbeiten, in der Gegenwart den Rausch zu suchen, Memorable Moments zu erleben. Über die Generationen hinweg jedenfalls funktioniert Doris Dörries neues Buch: «Leben, schreiben, atmen» ist eine spezielle Anleitung zum Glücklichsein. Die Regisseurin und Schriftstellerin erfährt immer wieder auf ihrer Lesereise, wie froh es die Leute stimmt, sich zu erinnern. Das heisst: sich präzise zu erinnern, darum nämlich geht es Doris Dörrie. Und weil der Appell womöglich als gute Absicht verhallen könnte, macht sie es gleich selbst vor: Sie erinnert sich an ihr Leben – dabei nimmt sie sich und die Leser an die Hand, indem sie ihnen am Anfang jedes Kapitels ein Stichwort wie ein Staffelholz hinlegt, etwa «Verlorenes» – «Deine Toten» – «Haut» – «Ein Kleidungsstück» – «Das erste Mal von irgendwas». Und bevor man ihr mit wachsender Begeisterung folgt und auf diesem Weg vieles von sich erfährt, bringt man erst einmal einiges über Doris Dörrie in Erfahrung. Heraus kommt dadurch, vor der eigenen kleinen Autobiografie, eine besondere Dörrie-Biografie in einzelnen skizzenhaften Bildern, allerdings anders als jene, die sie sonst auf die Leinwand oder Romanseiten projiziert. Sie erzählt vom Tod ihrer besten Freundin und ihres ersten Mannes, von ihrem Vater, ihren Studienjahren im wilden Kalifornien der Siebzigerjahre, von ihrem Kind. Vor allem aber erzeugt sie damit Lust: darauf, sich ebenfalls dranzumachen, sich mit dem Stift an sich zu erinnern, daran, wer man gewesen ist; wie man wurde, was man ist, durch wen und wodurch.

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