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Der Mythos vom ewigen Junggesellen

Was Single-Männer wirklich wollen: Händchen halten, reden und eine Familie gründen. Das Problem ist nur: Machen da die Frauen mit?

Er sagt Ja: Frischvermähltes Paar.
Er sagt Ja: Frischvermähltes Paar.

Studien erzählen selten die ganze Wahrheit. Schon gar nicht, wenn sie die Liebe oder den Sex enträtseln und beziffern wollen. Da sagen die Antworten der Befragten oft weniger darüber aus, was die Befragten selber denken, als was sie glauben denken zu müssen.

Oder glauben Sie wirklich, dass der Durchschnittsdeutsche achtmal Sex pro Monat hat, wie die «Welt» kürzlich berichtete? Oder dass Frauen irgendwelchen Frauenmagazinen die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit darüber erzählen, was sie unter der Bettdecke so treiben? Eben. (Lesen Sie dazu auch: «Wie viele Sexpartner hatten Sie?»)

Händchenhalten statt heisser Sex

Genau deshalb aber sind die neusten Single-Studien interessant: Sie sind ein Spiegel der gesellschaftlichen Normen in Sachen Paarungsverhalten des neuen Jahrtausends. Und diese werfen einige liebgewonnene Klischees über den Haufen. Laut der letzte Woche publizierten neuen Singlestudie des Partnervermittlungs-Instituts Elite-Partner mit 11'000 Singles und 7000 Liierten verhalten sich Männer in Sachen Liebe wie Frauen – und sie erwarten von einer Beziehung:

1. Gemeinsame Freizeitgestaltung (63%) 2. Unterstützung bei Problemen (55%) 3. Regelmässiger Austausch (55%) 4. Weniger Einsamkeit (52%) 5. Regelmässiges Sexleben (50%)

Da ist also wenig von Leidenschaft und Romantik, von heissem Sex und lodernder Begierde die Rede. Männer wollen Händchen halten und reden. Abgesehen davon, dass sie um vier lumpige Prozentpunkte häufiger Sex als Beziehungsgrund angeben, unterscheiden sie sich in ihrer Vorstellung vom Paarleben nicht mehr von den Frauen. Im Gegenteil: 36 Prozent der Männer und nur 30 Prozent der Frauen geben eine geplante Familiengründung als Beziehungsgrund an.

Abschied vom einsamen Wolf

Die Studie setzt ein grosses Fragezeichen hinter das Bild des ewigen Junggesellen, das in unserer Gesellschaft noch immer gern und häufig gezeichnet wird: Der Mann als Bindungsphobiker, der die Dating-Szene als eine Art Abenteuer-Buffet-à-Discretion betrachtet. Und lieber den «lonely wolf» gibt, als Kinderwagen schiebt.

Die deutsche Erhebung ist beileibe nicht die einzige, die den Mann von seiner Rolle als Beziehungsmuffel befreit. Eine US-Studie, publiziert an der Rutgers-Universität, kommt zum Schluss, dass der heiratsscheue Einzelgänger im neuen Jahrzehnt des neuen Jahrtausends nicht mehr als attraktives Rollenbild gilt: Männer sind in dieser Studie nicht nur ebenso heiratswillig wie Frauen, sie sind sogar eher bereit, die Bankkonten zusammenzulegen, und weniger willig, auf Kinder zu verzichten.

Weibliches Reproduktionsprivileg

Studienleiterin und Anthroposophin Helen Fisher interpretiert die Faktenlage so: «Der modernen Frau ist ihre Unabhängigkeit viel wichtiger als dem Mann. Sie schätzt das eigene Geld, will alleine in die Ferien fahren und liebt ihre Single-Wohnung.» Mit anderen Worten: Was man hart erkämpft hat, wächst einem sehr ans Herz. Das würde emanzipatorisch erklären, warum Frauen in Sachen Unabhängigkeitsbestrebung die Männer überholt haben, nicht aber, warum Männer bindungswilliger geworden sind. Psychologin Lisa Fischbach von Elitepartner.de erklärt die veränderte gesellschaftliche Norm mit dem Reproduktionsprivileg der Frau: «Männer brauchen eine Frau zur Familiengründung. Frauen können den Kinderwunsch notfalls ohne Partner realisieren.»

Ist die gefühlte Männerknappheit der 35-jährigen erfolgreichen Singlefrauen damit auch zum Mythos degradiert? (Lesen Sie dazu auch: «Die Mathematik der Liebe») Nicht unbedingt: In einer älteren Studie der Datingagentur geben 89 Prozent der Männer zwar an, dass sie sich eine intelligente, unabhängige Frau als Partnerin wünschen – bloss jeder Vierte aber schätzt es, wenn die Frau Karriere macht.

Das Fazit ist einfach: Der moderne Mann braucht eine intelligente Frau zum Reden und eine heimische Göttin, die ihren Ehrgeiz an den Nagel hängt, sobald das erste Kind unterwegs ist. Die Realität ist zum guten Glück etwas komplizierter.

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