Zum Hauptinhalt springen

Der Mann darf das

Die Historikerin Francisca Loetz untersuchte Fälle sexueller Gewalt in Zürich von 1500 bis 1850. Männer hatten damals das Recht, ihre Sexualität auszuleben. Für Frauen zählte vor Gericht einzig die Ehre.

Überlandstrasse. Ein Zeuge hört Schreie und beobachtet, wie Jakob A. (24) mit offenem Hosenladen Reissaus nimmt. Im Strassengraben findet der Zeuge dann die junge Barbara U. (17): wimmernd, mit zerzausten Haaren und zerrissenen Kleidern. Der Fall kommt vor Gericht. Die Zürcher Richter erachten es als erwiesen, dass Jakob A. die Frau vergewaltigt hat, sehen jedoch von einer Bestrafung des Angeklagten ab, wenn dieser Barbara U. am darauffolgenden Samstag ehelicht. Barbara U. muss ihren Peiniger heiraten. Ein empörend ungerechtes Verdikt – nach heutigem Empfinden. Nicht so im Jahr 1656, als das Zürcher Gericht dieses Urteil fällte. Damals sah die Gesellschaft ein solches Urteil als angemessen und sinnvoll an.

Wo kein Kläger, da kein Richter

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.