«Das neue Recht bringt endlich Gleichberechtigung»

Die Psychologieprofessorin Pasqualina Perrig-Chiello versteht jede Frau, die nach der Scheidung wieder ihren Namen annimmt. Es gehe dabei um den Wiederaufbau der Identität.

Neues Namensrecht: Jedermann und jede Frau kann den Namen behalten. (Illustration: Max Spring)

Neues Namensrecht: Jedermann und jede Frau kann den Namen behalten. (Illustration: Max Spring)

Rahel Guggisberg

Frau Perrig, warum tragen Sie einen Allianznamen? Ich habe mit der Heirat einen Doppelnamen bekommen, den Namen meines Schweizer Mannes und hinten dran meinen Ledignamen. Als wir geheiratet haben war das so. In meinem schweizerischen Pass steht Perrig-Chiello, in meinem italienischen Chiello.

Warum? In Italien nimmt die Frau nicht den Namen des Mannes an – sie behält ihren Familiennamen.

Werden Sie mit dem neuen Schweizer Namensrecht den Namen zurückwechseln? Dafür bin ich zu alt (lacht). Ich habe unter meinem Doppelnamen viel publiziert und werde diesen behalten. Wäre ich aber 30, würde ich meinen Ledignamen zurücknehmen.

Was bringt das neue Namensrecht? Ich bin froh, dass die Schweizer Frauen ihren Namen behalten können: Das bringt endlich eine Gleichberechtigung – wenigstens in Bezug auf den Namen. Der Name des Menschen ist ein fundamentales Recht.

Ist das nicht ein Verlust für die Familie, wenn nicht alle Mitglieder gleich heissen? Nein, ich sehe da kein Problem. Und die Lehrer, Arbeitgeber und Freunde müssen sich halt etwas mehr Namen merken.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Frauen gemacht, die ihren Namen ändern mussten? Das kommt darauf an, wie alt die Frau bei der Heirat war. Im Jugendalter zählt für den Menschen vor allem der Vorname. Später, mit dem Einstieg ins Berufsleben, gewinnt der Nachname an Bedeutung. Je mehr man sich in Beruf und Gesellschaft mit seinem Namen verankert, desto schwieriger fällt wohl ein allfälliger Wechsel.

Zum Beispiel? Wenn sich eine Frau als Ärztin einen Namen im Beruf gemacht hat, so will sie ihn vermutlich nicht mehr wechseln wollen. Oder denken Sie an eine erfolgreiche Geschäftsfrau, diese wird sich auch nicht so ohne weiteres von ihrem Namen trennen. Gleich verhält es sich wenn jemand den Namen eines Pioniers, einer Politikerfamilie oder Wissenschafters hat. Er wird bestimmt nicht gerne gewechselt – ich denke hier an Namen wie de Saussure, Piccard, Pestalozzi, Geigy. Viele dieser Nachfahren tragen ihren Namen mit Stolz.

Heikel wird es indes bei einer Scheidung Ich verstehe jede Frau, die ihren Namen nach der Scheidung wieder annimmt. Man will ja wieder seine eigene Identität haben und nicht mit der des Ex-Mannes identifiziert werden. Es kommt in der Schweiz zudem vor, dass Menschen aufgrund des Namens diskriminiert werden. Ich merke das schon bei meinem eigenen Namen: Wenn jemand meint, man schreibe Perrig mit «ic», werde ich anders behandelt, als mit «ig».

Interview aus der Bernerzeitung.

DerBund.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt