Burkinis, Brüste und Integration

Ein Basler Freibad für Frauen erlässt vernünftige Regeln für die Entspannung der Kulturen.

Ab welcher Weite gilt ein Burkini als «weit»? Dieser hier wäre im Frauenbad Eglisee wahrscheinlich verboten. Foto: Stephanie Pilick (Keystone)

Ab welcher Weite gilt ein Burkini als «weit»? Dieser hier wäre im Frauenbad Eglisee wahrscheinlich verboten. Foto: Stephanie Pilick (Keystone)

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Der Clash der Kulturen macht auch vor Idyllen nicht halt. Diese Lektion musste das Freibad Eglisee in Basel in den vergangenen Jahren auf die bittere Tour lernen. Dort gibt es das sogenannte Fraueli, wo sich Frauen ungestört von männ­lichen Blicken oder anderen zwischengeschlechtlichen Dynamiken sonnen, baden und erholen können. Das nach Geschlechtern getrennte Bad entstammt nicht einmal einem feministischen Gedanken, sondern noch einer Zeit, da Männer und Frauen sich auch hierzulande getrennt erfrischten.

Doch die Zeiten ändern sich. Vor ein paar Jahren entdeckten konservative Musliminnen das Fraueli. Sie packten ihre Kinder und Burkinis ein und strömten ins Eglisee. Doch wo blanke Brüste auf Burkinis stossen, islamische Sittlichkeitsvorstellungen auf westlichen Hedonismus und konservative Musliminnen auf männliches Badi­personal, kommt es unweigerlich zum kulturellen Auffahrunfall. Es entstand Streit samt wüsten Beschimpfungen und Handgreiflichkeiten.

Dieses Jahr soll nun alles besser werden. Das Basler Sportamt informierte flächendeckend über die neuen Regeln: Erlaubt ist nach wie vor das Bad im Bikini, barbusig oder im engen Burkini. Verboten sind hingegen weite Burkinis. Die Regeln werden überall mittels Piktogrammen kommuniziert, um Sprachbarrieren zu über­winden. Die Basler Muslim-Kommission soll die Regeln ins Elsass kommunizieren sowie junge Basler Musliminnen vor Ort den Gästen.

Das ist sinnvoll und richtig. Dem Basler Sportamt geht es nämlich nicht um kulturelle, sondern um hygienische und Sicherheitsfragen. Davon zeugen die gezielten Kommunikationsbemühungen an die Adresse der Musliminnen sowie die Erlaubnis, weiterhin enge Ganzkörperbadeanzüge zu tragen. Jeder ist willkommen, so die Botschaft, aber wer ins Freibad will, muss Regeln einhalten: Strassenkleidung ablegen, Badekleidung anziehen und sich duschen. Das gilt für Pubertierende, ältere Damen und konservative Musliminnen gleichermassen. Und wer sich nicht daran halten will oder sich an Burkinis stört, soll sich ein anderes Bad suchen. So funktioniert Integration.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.04.2016, 22:05 Uhr

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