Zum Hauptinhalt springen

Böse Männer haben Bärte

Rasierspezialist Gillette thematisiert in einem neuen Clip «toxische Männlichkeit» – und stösst auf Unverständnis.

Der neue Gillette-Spot versucht, an der MeToo-Bewegung anzudocken. Video: Gillette

Der Rasierspezialist Gillette hat mit einer neuen Anzeige für eine Diskussion gesorgt. Mit dem Begriff «toxische Männlichkeit» befeuert die Firma eine gesellschaftliche Debatte, die gerade im angelsächsischen Raum hitzig geführt wird.

Unter «toxischer Männlichkeit» versteht man die vermeintliche Unfähigkeit gewisser Männer, über ihre Gefühle zu reden oder schnell mit Gewalt zu reagieren – wobei dieses Verhalten auf andere Männer, gerade jüngere, abfärbt.

Der Begriff ist umstritten, er stammt nicht aus einem wissenschaftlichen Umfeld, sondern tauchte in den letzten Jahren in Gender-Diskussionen vermehrt auf.

Der Gillette-Spot zeigt dieses angebliche toxische Verhalten anhand von Männern, die Frauen nachrufen, oder Jungs, die andere Kinder mobben. Wobei die ewiggestrigen Männer auffallend oft Bärte tragen. Auch Szenen mit couragierten Männern, die sich für Frauen und schwächere Geschlechtsgenossen einsetzen, sind zu sehen. Dazu spielt Gillette mit seinem englischen Slogan «The best a man can get» («Das Beste, was ein Mann bekommen kann») und fragt stattdessen: «Ist dies das Beste, was ein Mann bekommen kann?»)

«Lasst Jungs Jungs sein»

«Indem wir uns gegenseitig zur Rechenschaft ziehen, Ausreden für schlechtes Verhalten beseitigen und eine neue Generation unterstützen», sagte Gary Coombe, Präsident der Gillette-Mutterfirma Procter & Gamble, «können wir helfen, positive Veränderungen zu schaffen, die für die kommenden Jahre von Bedeutung sein werden.»

Die Werbung hat zu heftigen Diskussionen und viel Kritik geführt. In Kommentarspalten und Foren wurde bemängelt, dass der Clip eine Mehrheit der Männer als Gewalttäter oder Sexisten darstelle. Andere kritisieren, dass eine Frau den Spot gedreht hat. Auch Heuchelei wird Gillette vorgeworfen – die Firma habe sich bisher ja vor allem mit machoider Werbung hervorgetan.

Auch der bekannte TV-Moderator und Journalist Piers Morgan hat sich eingemischt. Er habe sein ganzes Erwachsenenleben lang Gillette-Rasierer benutzt, aber dieses absurde «Tugend-Political-Correctness-Geflecht» sei ein erbärmlicher Angriff auf die Männlichkeit. «Lasst Jungs Jungs sein», schrieb er auf Twitter.

Daran stören sich wiederum viele weibliche Kommentatorinnen. Einige davon bezeichneten den Clip als «ausbeuterisch», aber «nötig» und «perfekt getimt». 2,877,598 Mal wurde der Spot auf Youtube angesehen, 37'000 Usern gefiel der Clip, 254'000 bewerteten ihn negativ.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch