Zum Hauptinhalt springen

Adam und Eva im Sanddornbeerenparadies

Hat der Teufel den Dosenpfirsich erfunden? Lässt sich die Welt wirklich mit Berberitzengemüse heilen? Ein Einspruch gegen die Ur- und Heimattümelei in der Küche.

In den Jahren der Fülscher- und Fernweh-Hochkultur flambierten die Köche selbst an noblen Adressen frohen Mutes Büchsenpfirsich und brauchten für einen Fruchtsalat nicht viel mehr als einen Dosenöffner.
In den Jahren der Fülscher- und Fernweh-Hochkultur flambierten die Köche selbst an noblen Adressen frohen Mutes Büchsenpfirsich und brauchten für einen Fruchtsalat nicht viel mehr als einen Dosenöffner.
Bernhard Moosbrugger © 2014 ProLitteris, Zürich
Das Fülscher Kochbuch - 1966 erstmals erschienen, 2013 als Reprint neu herausgekommen - kultivierte das Fernweh in der Küche: «Hollywood-Eier», «Dschumbo-Steaks», ebenso «Toast Hawaii» und «Riz Casimir». Heute ist dieses Fernweh verflogen.
Das Fülscher Kochbuch - 1966 erstmals erschienen, 2013 als Reprint neu herausgekommen - kultivierte das Fernweh in der Küche: «Hollywood-Eier», «Dschumbo-Steaks», ebenso «Toast Hawaii» und «Riz Casimir». Heute ist dieses Fernweh verflogen.
Bernhard Moosbrugger © 2014 ProLitteris, Zürich
«Wie kreiert man mit Berberitzen und Birnenhonig einen würzigen Braten aus der Keule eines Toggenburger Zickleins? Wie schmeckt ein steirischer Braterdäpflsalat mit Käferbohnen? Was für Wildblüten eignen sich als Würze für rohe Felchen?» Mit solchen Fragen wirbt der AT-Verlag für den Kochrezepte-Band zum «Kulinarischen Erbe der Alpen».
«Wie kreiert man mit Berberitzen und Birnenhonig einen würzigen Braten aus der Keule eines Toggenburger Zickleins? Wie schmeckt ein steirischer Braterdäpflsalat mit Käferbohnen? Was für Wildblüten eignen sich als Würze für rohe Felchen?» Mit solchen Fragen wirbt der AT-Verlag für den Kochrezepte-Band zum «Kulinarischen Erbe der Alpen».
Sylvan Müller
1 / 4

Man möchte ja meinen, authentisch sei das Gegenteil von kitschig. In diesem Fall ist es das Gleiche. Die Kartoffeln liegen da, als hätte sie Mutter Erde persönlich auf das grobe, dunkle Tuch geboren: ungestalt und ungewaschen, an den Wurzeln hängt der halbe Acker. Derweil kommt die Geissenleber herb angekokelt aus einer zerbeulten Pfanne, neben dem Teller bröckelt der Käse herum, am Löffel klebt das Mispelmus, und mit der gleichen Seelentiefe wie ihre Gerichte blicken die Köche hinaus ins Weite; unter einem verhangenen Himmel, der die Farben wie die Mienen dämpft.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.