Wieso nicht «SBB goes East»?

Die SBB kündigen an, ihre Verbindungen nach Paris auszubauen. Belgrad bleibt aussen vor. Vielleicht auch besser so.

Nach der Brücke über die Save ist es geschafft: Der Zug trifft in Belgrad ein, nach über 22 Stunden Fahrt aus der Schweiz.

Nach der Brücke über die Save ist es geschafft: Der Zug trifft in Belgrad ein, nach über 22 Stunden Fahrt aus der Schweiz.

(Bild: Mubera Boskov/ iStock)

Aleksandra Hiltmann@thisisAleksa

«SBB goes West», hiess es gestern bei Radio SRF. Die SBB planen nämlich, 2020 ihre Verbindungen nach Italien, Deutschland und natürlich Frankreich zu verbessern. Noch schneller soll man in Zukunft nach Paris flitzen können. Derzeit dauert das gerade noch 4 Stunden und 3 Minuten ab Zürich HB, 4 Stunden 28 Minuten ab Bern, von dort aus aktuell ebenfalls ohne Umsteigen. Doch die Neuerungen bringen gerade für unsere Hauptstadt einen Nachteil – den direkten Zug nach Paris wird es nicht mehr geben, und wegen Baustellen wird sich die Anreise zwischenzeitlich gar um eine halbe Stunde verlängern. Man habe einen runden Tisch einberufen mit Vertreterinnen und Vertretern der betroffenen Kantone – Bern, Solothurn, Basel-Landschaft und Basel-Stadt. Es ist natürlich toll, dass die Weltmetropole näherrückt und alle gleich davon profitieren sollen und dass man mit jenen, die sich abgehängt fühlen, redet.

Doch wie wäre es mit einem runden Tisch für Bahnreisen in den Osten, «SBB goes East»? Nehmen wir zum Beispiel die Strecke Bern–Belgrad. Für die rund 1400 Kilometer in das Paris des Balkans benötigt die Bahn 22 Stunden und 10 Minuten – Verspätungen an Grenzübertritten, unerwartete Gepäckkontrollen und Baustellen nicht eingerechnet. Würde man die Strecke in der aktuellen Qualität Bern–Paris zurücklegen, hätte man ungefähr halb so lang. Denn diese Fahrt ist rund 600 Kilometer lang. Rechnet man nach – immer mit gerundeten Angaben –, so benötigt der Zug pro 100 Kilometer 45 Minuten. Auf der Strecke Bern–Belgrad braucht der Zug pro 100 Kilometer 95 Minuten.

Natürlich ist es unrealistisch, dass demnächst Turboschnellzüge bis nach Sibirien fahren – wobei, stellen Sie sich vor: «Nächster Halt, Nizhnevartovsk», in nur sieben Stunden in die Tundra – grossartig. Nein, so weit wollen wir gar nicht gehen. Aber der Tourismus auf dem Balkan ist schwer im Kommen, im nördlichen Osteuropa boomt er schon lange. Wieso also nicht den Weg dorthin erleichtern, um mehr als eine halbe Stunde? Dazu wäre wohl ein gigantischer runder Tisch nötig. Der vielleicht zur Folge hätte, dass es sich nicht mehr lohnen würde, die Gummischlappen für das Auf- und Abgehen auf dem Flur des Waggons zu montieren. Kaum hätte man einen Finken an, wäre man bereits in Paris, äh Belgrad, Schnaps mit dem Couchette-Nachbarn hätte man auch nicht getrunken, und Zeit, um versteckt auf dem Klo zu rauchen, bleibt schon gar nicht. Das wäre irgendwie auch schade.

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